Autobiografie von Kevin Prince Boateng : Zwischen Ballack-Foul und Schalke-Rauswurf

Warum schreibt einer mit 28 seine Autobiografie? Weil er schon richtig was erlebt hat, sagt Fußballprofi Kevin-Prince Boateng. Damals im Wedding. Und nach dem Foul gegen Ballack. Unsere Blendle-Empfehlung.

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Ich-Sager. Seit Jahresanfang spielt Kevin-Prince Boateng wieder in Mailand. An seinem Rauswurf bei Schalke 04 sei er „nicht ganz schuldlos“, sagt er.
Ich-Sager. Seit Jahresanfang spielt Kevin-Prince Boateng wieder in Mailand. An seinem Rauswurf bei Schalke 04 sei er „nicht ganz...Foto: Norbert Schmidt/imago

Zum Schluss etwas zu Flüchtlingen. Pegida und AfD und so, kennt man längst auch in Italien. „Da wird man schon noch mal was von mir hören“, sagt Kevin-Prince Boateng. Neben ihm sitzt sein Bruder George und nickt: „Sehr gutes Thema, und ich sage Ihnen, das wird auch ein richtig gutes Projekt, nichts billiges. Deutscher Rap, vielleicht eine englische Hook“, eine besonders eingehende Textzeile. George Boateng kennt das Geschäft und hat es zu seinem eigenen gemacht. Im vergangenen Jahr ist seine erste CD erschienen, sie heißt „Gewachsen auf Beton“, eine häufiger daraus zitierte Hook lautet: „Magst du das harte Berlin und findest du auch, Ballack hat es verdient?“

Natürlich, die Sache mit Ballack. Kennt jeder, auch wenn er sich nicht für Fußball interessiert. Wer an Kevin-Prince Boateng denkt, den Jungen aus dem Berliner Wedding mit der große Klappe und den begnadeten Füßen, der denkt auch an dessen Zusammenrasseln mit Michael Ballack, dem früheren Kapitän der deutschen Nationalmannschaft.

Das war kurz vor der Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika. Ballack verpasste sie, weil der zur ghanaischen Heimat seines Vaters konvertierte Boateng kurz, aber heftig seinen Knöchel getroffen hatte. Das brachte Boateng damals Morddrohungen ein und den kurzzeitigen Status als Staatsfeind Nummer eins. Aber unter Ballacks Kollegen in der Nationalmannschaft soll es durchaus Sympathien gegeben haben bis hin zu spontanen Glückwünschen einzelner Spieler. So beschreibt es Boateng in seiner Autobiografie „Ich, Prince Boateng“, und seitdem geistert die Frage durch das Land und über seine Fußballplätze, wer denn nun die heimlichen Gratulanten waren.

Um sich dieser und anderen Fragen zu stellen, ist Kevin-Prince Boateng aus Mailand nach Berlin gekommen. George hat ihn am Flughafen Schönefeld abgeholt, und zusammen sind sie ins Hotel Ritz Carlton am Potsdamer Platz gefahren. Der Verlag hat eine Suite im neunten Stock reserviert, aber die Schlüsselkarte funktioniert auch beim dritten Mal nicht. Kevin sagt: „Kein Problem, das klären wir“, und schon ist er mit George am Fahrstuhl, „warten Sie bitte eine Minute“.

In Mailand ist es frisch, aber nicht annähernd so kalt wie in Berlin. Boateng trägt einen Kaschmirpullover über dem weißen Oberhemd und sein Buch unter dem Arm. Es hat für einigen Wirbel gesorgt, schon mal deshalb, weil 28 Jahre alte Fußballspieler für gewöhnlich keine Memoiren schreiben. „Aber der Junge hat ja auch schon ein bisschen was erlebt“, sagt George. „Ich meine: Du warst ja gerade 17, als du ganz allein nach London gegangen bist.“ – „Ich war 20, George.“ – „Ja, ja, vielleicht in deinem Reisepass. Aber für mich warst du noch lange der kleine Junge. Erwachsen geworden bist du erst, als du das erste Mal nach Mailand gegangen bist“, da war der Prinz gerade 23 und Staatsfeind.

Also, die Sache mit Ballack und welche deutschen Spieler damals gratuliert haben. Boateng sitzt in der Suite an einem fein polierten Tisch aus Mahagoni, der gewaltige Kristallleuchter schwebt über ihm wie ein Heiligenschein ...

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