Baden-Württembergs CDU-Kandidat Guido Wolf : Der einsame Wolf

Ein Zufall hat sie aus der Regierung gesprengt, nun droht Baden-Württembergs Union das ganz große Debakel. Mit einem Kandidaten, der sich gegen Angela Merkel stellt.

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Tour de Trance. Die bisherigen Wahlkampfanstrengungen von CDU-Mann Guido Wolf verliefen glücklos.
Tour de Trance. Die bisherigen Wahlkampfanstrengungen von CDU-Mann Guido Wolf verliefen glücklos.Marijan Murat/dpa

Peter Schneider hört bald auf, aber die Wut kriegt er immer noch. „Es gibt keinen normalen Wahlkampf mehr“, schimpft Schneider. 15 Jahre lang hat er den Wahlkreis Biberach im Stuttgarter Landtag für die CDU vertreten, nun ist Schluss, altershalber. Aber wie soll einer in Ruhe in Rente gehen, jetzt! Vor fünf Jahren hat der Atomreaktor von Fukushima die CDU in Baden-Württemberg aus der Regierung gesprengt und den Grünen an die Macht. Und heute zieht dieser Winfried Kretschmann übers Ländle und betet für die Flüchtlingskanzlerin!

„Das ist der schwächste Ministerpräsident seit Langem“, beschwört Schneider in der guten Stube der Brauerei-Gaststätte von Bad Schussenried einen kleinen Mann mit Knubbelgesicht und großer Brille, „das müss’mer nur endlich mal sagen! Vollgas!“ Guido Wolf schaut in sein Bierglas. Wenn es doch bloß so einfach wäre!

Dabei schien es genauso einfach, als der Landtagspräsident Wolf sich 2014 völlig überraschend in einer Urabstimmung gegen den Landeschef Thomas Strobl als CDU-Spitzenkandidat für die Landtagswahl durchsetzte. Die CDU hat in Baden-Württemberg immer regiert, bis auf jetzt. Aber der Grüne Kretschmann verdankt sein Ministerpräsidentenamt einem historischen Zufall. „Noch- mal explodiert in Fukushima kein Atomkraftwerk“, spottete noch vor Jahresfrist ein Christdemokrat. Er ahnte nicht, dass es für die CDU noch dicker kommen würde. Dass ihr diesmal kein Absturz droht, sondern die Demütigung. Und dass in christdemokratischen Hinterzimmern der Satz zu hören sein würde: „Die Merkel muss weg!“

Am Sonntagnachmittag sitzt der Kandidat Wolf in der Mehrzweckhalle von Öpfingen und schwätzt mit den Honoratioren, so weit das eben geht bei dem Krach, den die „Kapelle Wahnsinn“ verbreitet. Öpfingen liegt an der Donau knapp vor Bayern. Vor 35 Jahren haben ein paar reiselustige Öpfinger aus München ein Starkbierfest importiert. Der Pfarrer hat getobt über die Schändung der Fastenzeit. Aber die Zeiten ändern sich. Wolf lässt sich auch eine Halbe geben. Er weiß nicht, dass das dunkle Gebräu „Triumphator“ heißt.

Nichts könnte weniger zu ihm passen. Wolf war Bürgermeister und Landrat, verfasst volkstümliche Gedichte und wirbt auf einem Wahlplakat mit dem Spruch: „Nah bei den Menschen“. Das stimmt so weit auch. In Öpfingen zieht er gut zwei Stunden von Tisch zu Tisch, obwohl er kaum einen kennt und die Kapelle schon die Instrumente einpackt. „Hocketse-Politik“ nennen sie das in Schwaben, Stimmensammeln beim geselligen Beisammensein. So hat sich Wolf damals die Mehrheit in der CDU erhockt.

Viele Schwarze finden Kretschmann toll

Heute steht da aber zum Beispiel der Mann von der örtlichen Blaskapelle, der erzählt, dass das hier ja eine schwarze Ecke sei, katholisch, eigentlich, „bisher“. Nur zum Beispiel seine Frau, die sei halt ein bisschen unpolitisch. Vom Denken her eine Schwarze, was Familie angeht und Schule und so. Nur, sagt der Mann: "Die findet den Kretschmann toll."

Und dann wäre da noch der örtliche Abgeordnete zu erwähnen, der berichtet, dass er bei seinen Wahlveranstaltungen viel über die Landespolitik rede, „aber hinterher kommt immer das andere Thema“. Die Flüchtlinge. Und die Merkel.

Was Kretschmann angeht, ist die Geschichte schnell erzählt. Im Grunde reicht sein Fernsehspot. Er zeigt in einer alten Werkstatt den Landesvater mit Schürze als Meister Eder, wie er mit ehrwürdigem Holzwerkzeug sorgsam und präzise ein Brett bearbeitet. Man meint den Holzstaub zu riechen und den Leim und hört vom Schaffen von etwas, das bleibt. Dann tritt der Handwerker aus dem Werkstatttor, jetzt in Anzug und grün-weiß gestreiftem Schlips. „Mein Name ist Winfried Kretschmann, und ich bin Ihr Ministerpräsident“ sagt er, steigt in den Dienstwagen und entschwindet.

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