Clausnitz in Sachsen : Wie es den Flüchtlingen heute geht

Vor einem Monat wurde Clausnitz in Sachsen über Nacht zum Symbol für Fremdenhass. Hat sich die Situation seitdem entspannt? Unser Blendle-Tipp.

Doreen Reinhard
Der Junge aus dem Bus: Luai Khatun lebt jetzt seit einem Monat in Clausnitz.
Der Junge aus dem Bus: Luai Khatun lebt jetzt seit einem Monat in Clausnitz.Doreen Reinhard

Zwei Frauen sind schon ein paar Tage später wieder verschwunden, niemand weiß wohin. Eine Familie wurde zurück nach Dresden verlegt, ihr Kind war schwer krank. Der Rest ist geblieben. 17 Flüchtlinge leben noch in Clausnitz, mit unterschiedlichen Gefühlen. Die drei Schwestern aus Syrien trauen sich bis heute nicht allein auf die Straße. Sie haben Angst, wieder bepöbelt zu werden, wie an dem Abend, als ihr Bus ankam. Der Abend, an dem ein verstecktes Örtchen im hintersten Winkel Sachsens zum Symbol für dumpfen Ausländerhass wurde.

Einen Monat ist das nun her. Die Bilder der rund 100 aggressiven Wutbürger, die in der Cämmerswalder Straße den Bus belagerten und die Flüchtlinge im Innern beschimpften, haben Clausnitz zum Schreckensort gemacht. Zum Schandfleck. „Aber ich habe ihn einfach lieb, diesen Schandfleck“, sagt Stefan Geyer jetzt mit trotzigem Grinsen. „Trotz allem, was passiert ist.“

Stefan Geyer ist 19 Jahre alt, trägt Baseballjacke und Sporthose. Die dunklen Haare sind auf einer Seite ausrasiert. Er sagt, er sei kein Linker, auch kein Rechter, er sei einfach einer von hier, Jugend vom Dorf. Und Stefan Geyer hilft.

Seit vier Wochen fährt er regelmäßig zur Flüchtlingsunterkunft in der Cämmerswalder Straße. Mittlerweile kennen ihn alle hier, denn Stefan kümmert sich, im Wechsel mit zwei Dutzend Leuten aus der Nachbarschaft. Sie bilden ein Netz, das die Neuankömmlinge in der Dorfgemeinschaft aufgefangen hat. Stefan Geyer besorgt den Schlüssel zur Turnhalle im Ort, wenn die Jungs aus dem Libanon Lust auf eine Runde Fußball haben. Er setzt das junge Paar aus Syrien ins Auto, um sie zum Einkaufen in den nächsten Supermarkt zu fahren. Oder greift zum Handy, sobald ein Bewohner Probleme hat. Fiebrige Grippe, ein Unfall mit dem Fahrrad, ein Schreiben vom Ausländeramt, das keiner versteht; irgendwas fällt immer an.

Was am 18. Februar passiert ist, gehört nun unwiderruflich zur Ortsgeschichte, Stefan Geyer hat den Abend miterlebt. Zusammen mit 15 anderen aus dem Ort, die meisten Mitglieder der Kirchengemeinde, wartete er in einer Wohnung im Block, den die Asylbewerber beziehen sollten. Ihr Empfangskomitee hatte eingekauft, wollte die Ausländer begrüßen und entspannt kennenlernen. Stattdessen mussten sie weinende Menschen beruhigen...

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