Drogensucht : Schmerzmittel - die neue Seuche in den USA

Es fing an mit einem gestauchten Halswirbel, Patient 279 brauchte Medikamente – und wurde süchtig. Unser Blendle-Tipp.

Katja Ridderbusch
Endstation. Viele Geschichten von Opioid-Abhängigen ähneln sich. Viele Betroffene sind über Schmerzmittel in die Sucht gerutscht. Foto: Spencer Platt/AFP
Endstation. Die Geschichten von Opioid-Abhängigen ähneln sich. Viele Betroffene sind über Schmerzmittel in die Sucht gerutscht.Foto: Spencer Platt/AFP

Wenn Patient Nummer 279 an das Fenster für die Medikamentenausgabe tritt und die Krankenschwester ihm ein Plastikfläschchen mit einer leuchtend orangefarbenen Flüssigkeit reicht, dann ist das wie ein kleines, gut eingespieltes Ritual. Ein paar freundliche Worte – über die bleischwere Hitze, die sich wie jedes Jahr ab Juni lähmend über das Land legt. Über das Baseball-Spiel in Atlanta am Abend zuvor, das fast vier Stunden dauerte. Über die Politik im fernen Washington und über die nette Kellnerin, die im Frühstückscafé nebenan arbeitet. Worüber man so redet in Chatsworth, Georgia, einer Stadt mit 4300 Einwohnern unweit der Grenze zu Tennessee.

Patient 279 schüttelt die Flasche, öffnet sie, setzt sie an den Mund, leert sie in einem Zug. „Oh, das schmeckt heute aber besonders süß“, sagt er, und seine Stimme ist laut und lebhaft. „Wie Kool-Aid“, eine Pulverbrause, die in den USA Kultstatus hat. Die Krankenschwester lacht. Bis morgen dann, ruft sie ihm noch nach.

Patient 279 – Anfang 30, groß, schwer, schwitzend, mit Baseballkappe, rotblondem Bart und Bermudashorts – ist drogenabhängig. Im Oktober hat er mit einer Methadon-Ersatztherapie begonnen. Jeden Morgen kommt er hierher, bevor er zur Arbeit fährt. Unter Aufsicht einer Krankenschwester nimmt er 120 Milligramm davon, aufgelöst in Saft oder Zuckersirup. Jeden Morgen, außer sonntags und an Feiertagen. Dann bekommt er eine Dosis für zu Hause.

33000 Amerikaner starben an einer Überdosis

Patient 279 ist eines von vielen Gesichtern einer Epidemie, die seit der Jahrtausendwende in den Vereinigten Staaten wütet. Das Land scheint überflutet zu werden von den sogenannten Opioiden, einem Sammelsurium verschiedener Substanzen, die eine Sache gemeinsam haben: Sie docken im Gehirn an denselben Stellen an. Heroin gehört dazu, die synthetischen Betäubungsmittel Fentanylan einer Überdosis davon starb der Popstar Prince im Frühjahr 2016 – und Oxycodon und Hydrocodon, die allesamt in Schmerzmitteln enthalten sind.

Letzteres nahm auch Patient 279, nach einem Autounfall. Seine Drogengeschichte begann mit einem gestauchten Halswirbel.

Mehr als 33.000 Amerikaner starben 2015 an einer Überdosis Heroin oder opioidhaltiger Schmerzmittel, heißt es in einem Bericht der Gesundheitsbehörde CDC – mehr als je zuvor in den USA und mehr als überall sonst auf der Welt. Im Jahr zuvor waren es 29.000. Von 1999 an hat sich die jährliche Zahl der Menschen, die an einer Opioid-Überdosis ...

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