Dunkelheit und Kälte : Der Berliner Winter, ein Biest

Berlin ist in der dunklen Jahreszeit pudelmützenbunt und hell erleuchtet. Ja, doch! Aber hinter Regenschirmen und schweren Schals wird böse guckend geschwiegen. Das ist kein Zufall. Unser Blendle-Tipp.

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Nebulös. Wenn Weihnachten vorbei ist, haben die meisten Menschen ihre Glückshormone aufgebraucht.
Nebulös. Wenn Weihnachten vorbei ist, haben die meisten Menschen ihre Glückshormone aufgebraucht.Foto: dpa

Roland Schimmelpfennig ist unruhig. Mal zieht er den Pullover aus, dann wieder an, als müsse er stetig nach der richtigen Körpertemperatur suchen. Der meistgespielte deutsche Gegenwartsdramatiker sitzt in einem ungemütlichen Café in Mitte und zerbricht sich sehr ernsthaft den Kopf darüber, wie die Berliner ihren meist nasskalten, lichtlosen und trüben Winter überstehen. Ein genialer Einfall, ein Satz, könnte dieses Drama vielleicht ändern: „Der Winter, in dem wir alles anders machten …

„Ach nee“, stöhnt Schimmelpfennig, „das ist viel zu affirmativ.“

Grausam!

Ein Happy End gleich zu Beginn einer Geschichte kann man von einem Dramatiker auch nicht erwarten. Das Wintermärchen muss sich also gedulden.

Schimmelpfennig, Jahrgang 1967, mal in Havanna und meist in Berlin-Mitte zu Hause, hat sich selbst in dieses Gespräch reingeschrieben. Er hat in diesem Jahr seinen ersten Roman veröffentlicht, mit dem epischen Titel: „An einem klaren, eiskalten Januarmorgen zu Beginn des 21. Jahrhunderts.“ Das Buch landete gleich auf der Shortlist für den Preis der Leipziger Buchmesse, und der Berliner Winter steht im Roman für das, was er ja gefühlt auch ist: grausam!

Man kommt sich nicht näher

Kälte, Winter und Dunkelheit in Berlin-Brandenburg sind die Folie für das Problem, das die Figuren im Buch haben: Sie kommen sich einfach nicht näher. Da sind etwa Elisabeth und Micha, zwei Jugendliche, die es zu Hause nicht mehr aushalten und flüchten. Elisabeths Vater, ein Bildhauer, steht vor einem großen Walskelett aus Stahl und fragt sich: Was mache ich da eigentlich? Schimmelpfennig skizziert chirurgisch genau die Vereinzelung von Menschen, die gar nicht allein sind. Und der Schnee, der auf dem Weg aus dem Umland in die Stadt immer matschiger und brauner wird, lässt die Probleme umso greller erscheinen.

Gibt es kein Entrinnen?

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