Innere Sicherheit in Berlin : Revier Neukölln: Ein Polizist auf hartem Pflaster

Er bringt Türken Fahrradfahren bei. Er fragt: „Allet jut?“ Peter Herzfeldt verkörpert das zerbrechliche liberale Leitbild der Berliner Polizei. Unser Blendle-Tipp.

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Auf Streife. Die Gegend um den Polizeiabschnitt 55 ist Peter Herzfeldts Einsatzgebiet.
Auf Streife. Die Gegend um den Polizeiabschnitt 55 ist Peter Herzfeldts Einsatzgebiet.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Peter Herzfeldt versucht es auf die freundliche Tour. Er signalisiert dem jungen Mann, der auf dem Fahrrad über den Bürgersteig in Richtung Hermannstraße rollt, er möge mal halten. Dann sagt er: „Falls Sie sich wundern sollten, dass ’ne ganze Menge Fußgänger auf dem Radweg laufen …“ Der junge Mann erkennt, was hier läuft: Ein Polizist, stattliche Erscheinung, zwei Meter groß, grauer Schnurrbart, sowie zwei Mitarbeiter des Ordnungsamts erinnern die Neuköllner mal wieder an ein paar Grundregeln des Zusammenlebens in der Stadt.

Zum Beispiel die, dass man auf dem Fußweg nicht Rad fährt, jedenfalls nicht, wenn man älter als zehn ist. Polizist Herzfeldt tritt zur Seite, Martina Gabriel vom Ordnungsamt übernimmt. Am Fahrrad fehlen die Reflektoren, die Beleuchtung ist nicht verkehrssicher, macht alles zusammen ein Verwarnungsgeld von zehn Euro. „Entweder Sie zahlen bar, dann ist der Verwaltungsakt beendet“, sagt sie, da hat der junge Mann schon sein Portemonnaie gezogen. „Ist ja für ’nen guten Zweck“, sagt er.

Eine fragile Beziehung

Wenn sie bei der Berliner Polizei heute an etwas glauben, dann ist es ein liberaler Stil im Umgang mit den Leuten – wenn Peter Herzfeldt, Jahrgang 1960, also erst mal scherzt, statt gleich zu schimpfen. Konfrontativ sind die Umgangsformen der meisten Berliner Beamten heute erst, wenn man auf Ärger aus ist. Es hat Jahre gebraucht, bis die Berliner bereit waren, sich darauf zu verlassen.

Vor einem Monat, beim Hamburger G-20-Gipfel, ist die fragile Beziehung zwischen Bürgern und ihrer Polizei auf eine neue Probe gestellt worden. Ein Berliner Polizist namens Oliver von Dobrowolski schrieb auf Twitter: Die Taktik des Hamburger Polizeichefs – eine möglicherweise zu brutal beendete Demo gehörte dazu, die mit Randalierern alleingelassenen Schanzenviertelbewohner ebenso – habe „mühsam erarbeitetes Vertrauen in die Polizei beschädigt“. Dann stellte er fest: „Die Polizei als Partner, als Freund und Helfer, als Bürgerpolizei? Nein. Hier wurde die ausgestreckte Hand zur Faust geballt.“

Dobrowolski war als Mitglied des polizeilichen Kommunikationsteams in Hamburg, Peter Herzfeldt ebenfalls. In Hamburg, sagt er, gab es ...

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