Jahreshauptversammlung : Der ADAC sucht seinen Weg aus der Krise

Auf der ADAC-Hauptversammlung sollte eine „Reform für Vertrauen“ angeschoben werden. Doch viele Delegierte suchen keine Neuausrichtung sondern Trost.

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Erleuchtende Einsichten. Die Vereinssatzung sei „etwas stark gedehnt worden“, erklärte Interimspräsident August Markl in Saarbrücken. Unternehmerisch tätig sein werde der ADAC jedoch auch weiterhin.
Erleuchtende Einsichten. Die Vereinssatzung sei „etwas stark gedehnt worden“, erklärte Interimspräsident August Markl in...dpa

Markus Schley muss nicht überlegen, um eines der Grundübel der Gegenwart in Worte zu fassen. Er begegnet ihm dauernd, in unterschiedlicher Ausprägung. Er nennt es: erlernte Sorglosigkeit. „Die Leute sagen sich, das haben wir schon immer so gemacht“, erzählt er. „Es ging doch immer gut, uns ist bisher nichts passiert. Uns wird auch weiter nichts passieren. Und dann machen sie weiter wie immer.“ Markus Schley ist angestellt beim ADAC.

Er steht an einer Tafel, in einem Schulungsraum, der in einem Blockhaus untergebracht ist. Rings um das Blockhaus ist Wald, und irgendwo dahinter liegt die Stadt Saarbrücken. Hunderte Male hat Schley hier schon gestanden. Er ist 50 Jahre alt, und die Tafel, das Haus und der Wald sind sein Arbeitsplatz. Hier bringt er den Leuten im Namen des Allgemeinen Deutschen Automobil-Club e. V. bei, wie man Auto fährt.

Die Unfallgefahr sinkt, das Risikobewusstsein auch

Er spricht über das Sorglosigkeitsphänomen, wodurch es befördert wird, und wie man es überwindet. Von technischen Assistenzsystemen in modernen Autos redet er, die den Fahrern die Arbeit abnehmen, die Unfallgefahr senken, das Risikobewusstsein aber auch. Von den Hilfestellungen der Ingenieurskunst, ABS, ESP, von den Grenzen, die so ein Auto und so ein Fahrer dennoch haben: technische, physikalische, persönliche, die aber – und darauf könne er sich verlassen – regelmäßig ignoriert werden. Werden sie dann auch noch überschritten, endet es oft böse.

Um den Leuten dies klarzumachen, fährt er mit ihnen hinaus in den Wald. Der ist durchzogen von Straßen, auf einer Lichtung öffnet sich ein großer, asphaltierter Platz. Hier zeigt er seinen Schülern dann beispielsweise, wie extrem sich Bremswege verlängern, wenn man statt 30 Kilometern in der Stunde 50 fährt oder 70 statt 50. Schley sagt, die Leute würden dann staunen. Er sagt: „Ich arbeite mit sogenannten Aha-Effekten.“

Schley, der Fahrsicherheitstrainer, redet über das korrekte Autofahren. Mit nahezu denselben Worten könnte er aber auch über das moderne Leben an sich sprechen oder über die Lage, in die sich sein Arbeitgeber gebracht hat.

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