Nachfolgerin von Ströbele : Canan Bayram: „Bin bereit, den Kampf anzugehen“

Die Grüne Canan Bayram will in Kreuzberg für den Bundestag kandidieren – als Nachfolgerin von Hans-Christian Ströbele. Sie und ihren Willen unterschätzt man schnell.

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Bayram und Ströbele vermittelten, als Flüchtlinge eine Schule in Kreuzberg besetzten.
Bayram und Ströbele vermittelten, als Flüchtlinge eine Schule in Kreuzberg besetzten.Foto: dpa/Paul Zinken

Sie ist 16, als ihr Deutschlehrer wütend auf sie wird. Eine gute Schülerin, sie kann mit Sprache umgehen, und es gefällt dem Lehrer, dass sie keinem Konflikt aus dem Weg geht. Aber muss sie aus Dickköpfigkeit gleich das Abitur schmeißen, ihr Sprachtalent vergeuden und eine Lehre machen?

Canan Bayram erzählt diese Geschichte in ihrem Wahlkreisbüro in der Schreinerstraße in Berlin-Friedrichshain an einem Tag im März; an dieser Stelle wird sie ausnahmsweise leicht verlegen. Es sei ja wahr, dass sie immer schon gemacht habe, was sie wollte. Eltern, Lehrer, Freunde – hat sie nicht so drauf gehört, wollte frei sein, ein eigenes Leben führen, raus aus der Kleinstadt Nettetal, an der holländischen Grenze gelegen. Heute noch, mit 51 Jahren, hat Canan Bayram, geboren im ostanatolischen Malatya, aufgewachsen in Nordrhein-Westfalen, zwei Leidenschaften, die man nicht vermutet, weil sie kontrolliert auftritt: kämpfen und streiten. „Ich mag das“, sagt sie.

Sie sagt, sie ist bereit, den Kampf anzugehen

Vielleicht sind das Mindestanforderungen, die jemand mitbringen muss, um einer politischen Ikone zu folgen, um sich überhaupt zu trauen, dort anzutreten, wo Hans-Christian Ströbele für die Grünen bundespolitische Geschichte geschrieben hat: In Friedrichshain-Kreuzberg, im Bundestagswahlkreis 83, der Friedrichshain, Kreuzberg und Prenzlauer Berg Ost umfasst, hat der Grünen-Politiker vier Mal das Direktmandat bei Bundestagswahlen gewonnen. Bis heute hat das kein anderer Grüner geschafft. Ströbele gewann zeitweise doppelt so viele Erststimmen wie die Grünen Zweitstimmen. Nun hat er im Alter von 78 Jahren angekündigt, im September 2017 nicht mehr für den Bundestag zu kandidieren.

Dass sie Respekt vor der Herausforderung hat, Nachfolgerin von Ströbele zu werden, konnte man ihr vor einer Woche ansehen beim routinemäßigen Bezirkstreffen der Friedrichshain-Kreuzberger Grünen in der Falckensteinstraße 6. Angespannt rutscht sie auf ihrem Stuhl herum, wippt ununterbrochen mit dem rechten Fuß, wirkt abwesend und nervös. Als sie dann nach vorn geht, wirkt sie plötzlich sehr präsent, redet ruhig, klar, kurz. Der letzte Satz ihrer Erklärung lautet: „Ich bin bereit, den Kampf anzugehen.“ Man unterschätzt Canan Bayram und ihren Willen schnell...

Den vollständigen Text können Sie für 45 Cent bei Blendle lesen.

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