Tanzschulen in Berlin : Die Jugend zieht es wieder aufs Parkett

Lotte sagt: „Das gehört sich doch so“. Nach der Konfirmation geht man in die Tanzschule. Doch dort hat sich in den letzten Jahren eigentlich alles geändert – bis auf die Schritte beim Walzer. Unser Blendle-Tipp.

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Im Gleichschritt. Premierenball in der Tanzschule Keller.
Im Gleichschritt. Premierenball in der Tanzschule Keller.Foto: Sven Darmer

Dass es noch solche Gewissheiten gibt. Die Tanzschule besuchen? Das sei doch eine Selbstverständlichkeit! Das Mädchen zögert kein bisschen, als es sagt: „Das gehört sich doch so nach der Konfirmation.“ Ja, auf dem Dorfe, da ist das in manchen Landstrichen so. Dort ist die Gesellschaftstanzverachtung der 68er-Generation nie angekommen oder hinweggefegt von Tanzfilmen und Videoclips längst wieder abgeklungen. Da gehen die Jugendlichen immer noch oder wieder im Schwarm zum Tanzen lernen. Immerhin ist der Abiball ein wichtiges Initiationsritual, das keine verstolperte Blamage werden soll.

Aber in Berlin? Dieser Stadt, die weder gottesfürchtig, noch traditionsbewusst, geschweige denn galant ist? Die zwar eine sehr lebendige Tango- und Swing-Szene kennt, aber anders als Wien über wenig Ballkultur und schon gar keinen Sinn fürs Zeremonielle verfügt? Da ist so ein Satz Balsam für die in der Provinz sozialisierte und am rauen Großstadtalltag wundgeriebene Seele. Lotte aus Lichterfelde ist ein Gottesgeschenk, wie sie da so unschuldig in ihren Hotpants auf dem Tanzparkett steht. Ein verspätetes Kind des 20. Jahrhunderts, das noch gar nicht geboren war, als sich das samt diesen Gepflogenheiten verabschiedet hat. Was ohnehin ganz offensichtlich ein Irrtum war.

Wie fordere ich jemanden auf? Wie werde ich ihn los?

Sonntagvormittag, Umgangsformen-Seminar. In der Tanzschule Dieter Keller in Friedenau haben sich außer Lotte rund 30 Mädchen und Jungen versammelt, um Benehmen zu lernen. Der Kurs ist Voraussetzung für das sogenannte Gesellschaftszertifikat, das der Allgemeine Deutsche Tanzlehrerverband (ADTV) seit 2012 vergibt. Die Jugendlichen absolvieren einen dreimonatigen Grundkurs in Gesellschaftstanz. Am Samstag darauf feiern sie mit den Eltern ihren festlichen Einstand auf dem Tanzparkett – den Premierenball. Bis dahin sind noch ein paar Dinge zu klären: Was ziehe ich an? Wie begrüße ich die Eltern des Ballpartners? Wer hält wem die Tür auf? Wie fordere ich einen Tanzpartner auf? Und wie werde ich ihn hinterher wieder los?

Den kompletten Text finde Sie im digitalen Kiosk Blendle.

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