Uli Hoeneß : Die Strafe als Befreiung

Er hat sein Lebenswerk zerstört. Nicht nur er, auch der FC Bayern wird in Zukunft mit Tricks und Betrügereien in Verbindung gebracht werden. Das will er nun gutmachen, dafür geht Uli Hoeneß sogar ins Gefängnis.

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Verrechnet. Uli Honeß' Selbstanzeige wurde nicht anerkannt, er muss ins Gefängnis.
Verrechnet. Uli Honeß' Selbstanzeige wurde nicht anerkannt, er muss ins Gefängnis.Foto: dpa

Es hat dann noch mal etwa 20 Stunden gedauert, bis Ulrich H. zu Uli Hoeneß zurückfand und den Rücktritt von all seinen Ämtern bekannt gab. Vielleicht waren es auch weniger Stunden, vielleicht stand der Entschluss, die Konsequenz aus seinem strafbaren Handeln zu ziehen, schon fest, als sein Anwalt Hanns W. Feigen noch kämpferisch im Gerichtsaal ankündigte, in die Revision gehen zu wollen und notfalls auch den Bundesgerichtshof zu bemühen.

Nichts dergleichen wird geschehen. Uli Hoeneß, ehemals Präsident des FC Bayern München, ehemals Aufsichtsratschef der Bayern München AG, ist beides nicht mehr. Uli Hoeneß ist jetzt in erster Linie verurteilter Steuerhinterzieher im großen Stil, nämlich von 28,5 Millionen Euro, und ist in Bälde Knastbewohner für drei Jahre und sechs Monate. Zumindest ist er es auf dem Papier des Urteilsspruchs, realiter dürfte die Strafe verkürzt werden nach zwei Dritteln der Laufzeit; realiter dürfte Hoeneß nach kurzer Zeit schon zum Freigänger aufsteigen, der nur noch in der Zelle nächtigt, tagsüber aber einer irgendwie gearteten Tätigkeit nachgeht. Aushäusig schlafen, wenn auch sicherlich kommoder in schicken Hotelzimmern, ist der vielgereiste Mann gewohnt.

Fall Hoeneß: Eine Chronologie
Der große Knall am 21. April 2013: Die Öffentlichkeit erfährt, dass Uli Hoeneß Selbstanzeige wegen Steuerhinterziehung gestellt hat. Zusammenhänge zu Geldkonten in der Schweiz werden ebenfalls publik. Ist der Vorzeige-Manager ein Steuerhinterzieher?Weitere Bilder anzeigen
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13.03.2014 15:19Der große Knall am 21. April 2013: Die Öffentlichkeit erfährt, dass Uli Hoeneß Selbstanzeige wegen Steuerhinterziehung gestellt...

Keine eiskalter Manager

Vor allen Dingen aber ist Uli Hoeneß wieder Uli Hoeneß und nicht mehr Ulrich H., wie er während des Prozesses hieß, ein Mann, der neben sich stand, phasenweise nicht mehr Herr seiner Sinne war. Der Dinge tat, die komplett im Gegensatz standen zu Worten und Taten des Uli Hoeneß. Und ein Mann, der plötzlich von seinem enormen sozialen Engagement sprach, selber darüber sprach, als könnte er sich damit reinwaschen von der Schuld und das eine mit dem anderen verrechnen. Er hat nie darüber gesprochen, wem er alles geholfen hat in der Not, welche Institution er mit Spenden bedacht hat, dass er seine Honorare für Vorträge und andere Auftritte ausnahmslos der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt hat, er hat das alles einfach gemacht, und so nach und nach ist im Laufe der Jahrzehnte durchgesickert, dass dieser Uli Hoeneß keineswegs ein eiskalter Manager ist, der allein auf seinen Vorteil aus ist.

Aber wie er jetzt davon sprach, am ersten Tag des Prozesses, wirkte das nicht nur kleinlaut, weinerlich, rechtfertigend, es war kleinlaut, weinerlich, rechtfertigend. Von Kampfeslust oder Kampfkraft, wie man sie etwa aus seinem Streit mit Christoph Daum kennt, dem koksenden Beinahe-Bundestrainer, aus seinem Anlegen mit Gott und der Welt, vornehmlich im Fußball, aber auch mit der Gesellschaft, mit der Politik, oder noch mehr aus seinem Kampf gegen das Sterben damals nach dem Flugzeugabsturz, war nichts mehr zu spüren.

Die Konsequenz seiner Entscheidung hat etwas Befreiendes

Ist es zu viel Interpretation, wenn man daraus abliest, dass ihm die Sache, seine ureigene Sache, keinen Kampf wert war, weil er sich wohl ebenso verurteilt hätte, wie es Richter Rupert Heindl tat? Die Konsequenz, mit der er am Morgen nach dem Urteil zurücktrat von all seinen Ämtern und mehr noch der Verzicht auf eine Revision hatten auf jeden Fall etwas Befreiendes, Läuterndes, Reinigendes. Dass sein Verteidiger überhaupt eine Revision angezeigt hat, belegt wahrscheinlich, dass er Uli Hoeneß in der Kürze der Zeit nie kennengelernt, sondern nur Ulrich H. erlebt hat.

Mit großer Wahrscheinlichkeit hätte seine Verteidigung ein milderes Urteil erwirkt, mit großer Wahrscheinlichkeit hätte Ulrich H. auch sein Netzwerk nutzen können, um Vorteil für sich zu erzielen. Er tat es nicht. Er tat das Selbstverständliche, er trat zurück und nimmt die Strafe an.

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