Verkehrssicherheit von Schülern : Eine Polizistin erklärt den Kampf auf Berlins Straßen

Gas geben, drängeln, pöbeln - vor Berliner Schulen herrscht Chaos. Laut Verkehrspolizistin Astrid Wickert spitzt sich die Situation zu – weil alle immer Recht haben wollen. Unser Blendle-Tipp.

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Die Schwächsten im Blick. Polizistin Astrid Wickert unterrichtet seit 1999 in Berlin. Sie sagt: „Vieles von dem, was ich erlebe, lässt sich nur mit Verrohung beschreiben.“
Die Schwächsten im Blick. Polizistin Astrid Wickert unterrichtet seit 1999 in Berlin. Sie sagt: „Vieles von dem, was ich erlebe,...Foto: Georg Moritz

Und als die alte Dame ihr Lenkrad herumdreht, um endlich abzubiegen, rast von hinten ein junger Radfahrer auf ihr Auto zu, es knallt, der Mann fliegt durch die Luft und prallt fünf Meter weiter auf den Asphalt.

Ein Raunen geht durch den Klassenraum. Jetzt schweigt Astrid Wickert vorne an der Tafel, Auto, Rad, Knall, Flug, Aufprall – das soll erst mal wirken. Tatsächlich, die vier, fünf Kinder, die bislang dösten statt zuzuhören, recken die Köpfe. Ein dünner Mädchenarm streckt sich in die Höhe.

Wer, fragt das Mädchen leise, hat dabei die Schuld gehabt?

Und Astrid Wickert sagt, dass auf der Straße alle aufpassen müssen. Dass der Radfahrer zu schnell gefahren ist. Dass die Dame besser noch mal über ihre Schulter geschaut hätte. Und dass es einen toten Winkel gibt – bei Lastwagen sind es sogar drei, wenn nicht vier tote Winkel.

Es ist ein kalter Tag vor den Winterferien in der Astrid-Lindgren-Grundschule in Berlin-Spandau. Dritte Stunde, kurz nach 10 Uhr. Wickert steht im Klassenraum der 5c. Sie ist keine Lehrerin, aber sie erklärt die Gefahren im Verkehr so souverän, als wäre sie Moderatorin im Kinderfernsehen.

Astrid Wickert – 55 Jahre, selbst Mutter zweier Töchter, drei Silbersterne auf der Uniform – ist Polizeihauptkommissarin. Eine Pistole trägt sie nicht. „Schusswaffen“, sagt Wickert, „gehören für mich nicht in eine Schule. Meine Waffe bleibt dann in der Wache.“ Seit 1999 arbeitet Wickert als Verkehrserzieherin. Einfacher ist der Job seitdem nicht geworden, was an den Kindern, den Erwachsenen und an der Atmosphäre auf den Straßen der Stadt liegt.

Kapituliert. In mehreren Berliner Bezirken haben Schulen ihre Lotsen abgezogen. Es wurde zu gefährlich.
Kapituliert. In mehreren Berliner Bezirken haben Schulen ihre Lotsen abgezogen. Es wurde zu gefährlich.Foto: picture-alliance / dpa

Psychologen, Versicherer und Polizisten sagen, dass es im Verkehr insgesamt zwar nicht gefährlicher zugeht, es aber Milieus und Straßen gibt, wo jeder gegen jeden zu kämpfen scheint. Erst vor ein paar Wochen mussten Kinder in Berlin von den Straßen vor ihren ...

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