Vor der Bundestagswahl : Was die Menschen in Deutschland bewegt

Was bewegt die Republik? Unsere Reporter waren überall im Land unterwegs, um all den Problemen und Menschen zu begegnen, die die Wahl entscheiden.

Von Deike Diening, Dagmar Dehmer, Sven Goldmann, Patrick Guyton, Sebastian Leber, Tobias Wolf und Pepe Egger
Wer glaubt, dass bei dieser Wahl nichts auf dem Spiel steht, war nicht draußen im Land unterwegs.
Wer glaubt, dass bei dieser Wahl nichts auf dem Spiel steht, war nicht draußen im Land unterwegs.Foto: dpa

Der Weg war immer derselbe. Die Maximilianstraße entlang, dann durchs Hauptportal, weiter über die quadratischen Sandsteinplatten durch das 30 Meter hohe Mittelschiff zum Hauptaltar. Aus der Orgel tönte Bachs Toccata und Fuge in d-Moll, und Helmut Kohl, neben seinem Staatsgast, ließ seinen Bass durch den Dom zu Speyer dröhnen: „Das ist Deutschland!“

Peter Schappert erzählt die Anekdote an seinem Schreibtisch im Verwaltungsgebäude neben dem Dom. Der Domkapitular des Bistums Speyer kann jetzt nicht genau sagen, wem alles Kohl so simpel Deutschland erklärt hat. Es könnten Gorbatschow, der alte Bush, Frau Thatcher oder der Papst gewesen sein.

Für Kohl war dieser Dom das Sinnbild seines Landes. Der Kirchenbau steht für Deutschlands Vergangenheit, genauso wie für Kohls Versuch, aus dieser Vergangenheit eine Gegenwart und eine Zukunft abzuleiten. Die Weltenlenker, die der Bundeskanzler herführte, sollten sich beim Blick auf die Kirche ein Bild machen von der von ihm regierten Republik, auf dass sie künftig besser verstünden, was dieses Land im Grunde sei und was es sein wolle. Hier, im Dom, war Kohl aufgebahrt, hier fand die Totenmesse statt, auf dem Friedhof des Domkapitels ist er begraben.

Aber ist damit tatsächlich Deutschland beschrieben? Mit einem Dom, dessen Geschichte und Bach? Deutschland ist mittlerweile auch Asylbewerberkrise und Stuttgarter Dieseldreckluft. Deutschland ist vernachlässigte Infrastruktur. Die für Normalverdiener unbewohnbar werdenden Städte sind Deutschland, Terroristen auch und ihre Opfer und die vom Staat ignorierte Alltagskriminalität. Muslime und die Menschen in den neuen Bundesländern ebenso wie die nicht beantwortete Frage, aus welchen Quellen das Land künftig seinen Strom und seinen Wohlstand beziehen soll. Auch Wut gehört zu Deutschland.

Wer all dem begegnen will, was Menschen in Deutschland vor der Bundestagswahl bewegt, der muss Speyer verlassen und sich auf eine Reise durch die Republik begeben ...

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