Wie sich FDP und AfD auf die Bürgerschaftswahl vorbereiten : Große Freiheit in Hamburg

Hamburg wählt – die FDP hofft auf ein Comeback. Retten soll die Partei Landeschefin Katja Suding. Doch mit dem Begriff Liberalismus werben längst auch andere Parteien.

Stephanie Nannen
Selbstklebend. Die FDP-Landesvorsitzende Katja Suding würde gerne mit der SPD koalieren.
Selbstklebend. Die FDP-Landesvorsitzende Katja Suding würde gerne mit der SPD koalieren.Foto: dpa

Der Wahlkampftag mit Katja Suding beginnt mit einer für sie guten Nachricht. Die Umfragen sehen ihre FDP bei fünf Prozent. Es ist Ende Januar. Weihnachten waren sie noch bei zwei, Mitte Januar bei vier Prozent. Katja Suding hat schlecht geschlafen, zu viel hing an dieser Prognose. Doch man sieht es der Landesvorsitzenden der Hamburger FDP nicht an. „Jetzt erst recht“, sagt sie und hofft auf einen Sog, den dieses Ergebnis bewirken kann. Die 39-Jährige tritt als Spitzenkandidatin zur Bürgerschaftswahl am 15. Februar an. Und sie setzt auf ein altes Hamburger Lebensgefühl: die Liberalität. Hamburger sind freiheitsliebend, freidenkend, weltoffen, mit der Heimat im Herzen – auch wenn das von außen manchmal anders gesehen wird. Katja Suding will die Hamburger bei ihrem Sinn für Freiheit packen.

Allerdings nicht allein, denn es war Parteichef Christian Lindner, der als Erster darauf kam, Freiheit wieder zum Thema der Mitte zu machen. Wenn er selbst es auch „Freisinn“ nennt. Nach den Anschlägen von Paris forderte er die Abschaffung des sogenannten Blasphemie-Paragrafen, 166§StGb, weil auf die Bedrohung der Freiheit nur mit mehr Freiheit geantwortet werden könne. Das erscheint wie eine Initialzündung, die den Motor zum Laufen brachte. Im Grunde war es wohl mehr der Knopf, der endlich aufgehen durfte – nach der Ära Westerwelle.

Hamburg ist jetzt wichtig für die FDP

Hamburg ist für die FDP jetzt wichtig. „Im Osten geht die Sonne auf und im Norden kommt die FDP zurück“, hat Lindner Mitte Januar beim Wahlkampfauftakt gesagt. Er ist jetzt oft hier, um Katja Suding zu unterstützen. Das kommt ganz gut an. Reden kann er besser als sie, das Team funktioniert bei den Zuhörern.

Politik macht Katja Suding, die mittlerweile auch Präsidiumsmitglied der FDP im Bund ist und somit eins der Zugpferde im jungen Stall der Partei, noch nicht ihr Leben lang. Sie ist Quereinsteigerin, arbeitete lange in der PR-Branche und sie kommt auch nicht aus Hamburg, sondern aus Vechta – aber auch das merkt man nicht. Katja Suding hat etwas an sich, was sie bei vielen Hamburgern zu „einer von uns“ werden lässt. Das ist nicht selbstverständlich hier. Wer nicht in der Stadt geboren ist, bleibt im schlimmsten Fall für immer Quiddje – ein Fremder. Sie aber ist den Leuten vertraut, nahbar, auch wenn sie nicht gern vor Publikum redet. Nähe macht auch verletzlich.

Suding ist ein eher unaufgeregter Typ. Sie nuschelt auch fast schon hamburgisch. Überhaupt hat sie sich verändert in den vergangenen vier Jahren, seit sie die FDP mit 6,7 Prozent und neun Abgeordneten hier nach zwei Legislaturperioden wieder ins Parlament gebracht hat. Sie ist sicherer. Gelassener. Ruht mehr in sich. Ohne ausgesessen zu wirken.

Die FDP hat ihren Wahlkampf ganz und gar auf ihre Person zugeschnitten. Kritiker sagen, es ginge da doch wohl mehr um das angenehme Äußere von Frau Suding als um Inhalte. „Ich bin die bekannteste Hamburger Oppositionspolitikerin und natürlich nutzen wir diesen Vorteil, um uns Gehör zu verschaffen“, kontert sie. „Wir versuchen, unsere inhaltlichen Schwerpunkte, Bildung, Verkehr und Stärkung des Gründergeistes mithilfe meiner Person einer breiten Masse zu vermitteln.“ Das macht übrigens der amtierende Bürgermeister Olaf Scholz von der SPD auch so. Bei dem stört sich aber keiner dran.

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