Wie weiter mit dem Möckernkiez? : In der Schwebe

Die Genossenschaft Möckernkiez wurde bewundert. Sie plante nicht nur ein Haus, sondern ein ganzes Quartier. Doch im November 2014 kam der Baustopp. Und nun läuft allen die Zeit davon. Ein Auszug aus unserer Blendle-Empfehlung.

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Die knapp 1000 Menschen, die längst im Möckernkiez eingezogen sein sollten, leben noch immer anderswo.
Die knapp 1000 Menschen, die längst im Möckernkiez eingezogen sein sollten, leben noch immer anderswo.Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Bevor Frank Nitzsche im Dezember 2014 in den neuen Vorstand gewählt wurde, um den aufgelaufenen Tanker der Baugenossenschaft „Möckernkiez“ wieder flottzukriegen, hatte er 30 seiner 60 Lebensjahre „in der Wohnungswirtschaft“ gearbeitet. „Ich dachte, ich hätte alles schon einmal erlebt.“ Weil dieser Gedanke natürlich immer falsch ist, erfuhr Nitzsche eine Art Kulturschock, der ihn rührte.

Der Immobilienmann muss nur den Blick vom Schreibtisch heben, und mit einer unangestrengten Drehung des Kopfes blickt er quer über die tosende Yorckstraße auf die vorläufigen Ergebnisse der Möckernkiez eG: Im Sand sitzen vier Beton-Stümpfe mit leeren Fensterhöhlen. Die Baustelle von Berlins zentralstem Genossenschaftsprojekt steht jetzt den zweiten Winter. Die knapp 1000 Menschen, die hier längst eingezogen sein sollten, wohnen noch immer anderswo. Das Warten macht sie mürbe, und der Beton wird auch nicht besser. Die vier verregneten Skelette am südöstlichen Zipfel des Gleisdreieckparks mahnen allein durch ihren Anblick, dass kostbare Lebenszeit verrinnt, dass Berlin Wohnraum braucht und dass es weniger tragisch wäre, wenn Menschen ihr Schicksal nicht auf eine derart existenzielle Art an den Fortschritt dieser Baustelle geknüpft hätten.

Trotzdem sind im letzten Jahr mehr Genossen ein- als ausgetreten. Und nun gehe es um alles. Er warte auf eine baldige Entscheidung der Banken, denen die minutiöse, bis zum Jahr 2056 kalkulierte, auf Monate heruntergebrochene Finanzplanung vorliege. Dann gebe es zwei Möglichkeiten: Entweder es werde demnächst weiter gebaut, vermutlich mit neuen Auflagen der Kreditgeber. Oder die Genossenschaft muss rückabgewickelt werden. Wie konnte das passieren?

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