Geflüchtete an der UdK : Brücken für die Kunst und Kultur

Auch die UdK Berlin möchte Geflüchteten den Weg an die Hochschule erleichtern. So spielen hier Musiker aus aller Welt zusammen, ein Skatepark entsteht, und in der Refugee Class unterrichten Experten.

Marianne Karthäuser
Enter the scene. Eines von vielen Projekten des Netzwerks „Common Ground“: Musiker aus aller Welt kommen zu Jam Sessions zusammen, spielen, was sie aus ihren Heimatländern kennen, und verbinden so den Sound von Ost und West miteinander.
Enter the scene. Eines von vielen Projekten des Netzwerks „Common Ground“: Musiker aus aller Welt kommen zu Jam Sessions zusammen,...Foto: Lima Vafadar

„Ich liebe es, mit Musik zu kommunizieren. Nach ein paar Minuten sind wir wie Brüder und Schwestern, auch wenn wir keine gemeinsame Sprache haben. Das sind magic moments“, sagt Lima Vafadar und lacht.

Die Studentin der Bildenden Kunst ist zum Studium von Teheran nach Berlin gezogen. Hier trifft sie auf Menschen, die auch kreativ leben und gemeinsam künstlerisch arbeiten. Gerade das macht Berlin für sie aus und inspiriert sie. Nicht zuletzt, um etwas von diesem Berlin-spezifischen Gefühl weiterzugeben, engagiert sie sich gemeinsam mit vielen anderen Studierenden im Netzwerk „Common Ground“, der studentischen Initiative zur Vernetzung und Unterstützung künstlerisch-sozialer Projekte der UdK mit und für Menschen mit Fluchthintergrund. Eines der Projekte von Lima Vafadar heißt „Enter the scene“. Musiker aus aller Welt kommen zu Jam Sessions zusammen, spielen, was sie aus ihren Heimatländern kennen, und verbinden so den Sound von Ost und West neu miteinander. „Es sind so tolle Musiker hergekommen. Wieso nicht ein gemeinsames Projekt starten ?“, sagt Vafadar. Künftig sollen Sequenzen dieser Musik in einer internationalen Sampling-Datenbank zu finden sein, auf die Produzenten zugreifen können.

Ein weiteres Projekt entsteht in Marzahn. Hier erzählt Thomas Flores, der an der UdK Architektur studiert, von seinen Plänen. Gemeinsam mit anderen Architekturstudierenden und Marzahner Jugendlichen überlegt er, ob und wie man ein leer stehendes Einkaufszentrum als Skatepark umbauen kann. Mit dabei sind Kinder aus einer Notunterkunft, die mit dem Projekt ihren neuen Kiez kennenlernen und mitgestalten. „In diesem Prozess bist du Vermittler zwischen allen Beteiligten“, sagt Flores. „Da ist viel Sensibilität gefragt – du reflektierst deine Arbeit stärker, lernst über das Studium hinaus.“

Soziales Engagement kann als Studienleistung anerkannt werden

Die Projekte von Lima Vafadar und Thomas Flores sind nur zwei Beispiele von vielen, die im Netzwerk „Common Ground“ an der UdK realisiert werden. Die Hochschule unterstützt dieses Engagement. Soziale Projekte können, wenn sie bestimmte Anforderungen erfüllen, mittlerweile sogar als Studienleistung anerkannt werden. Gemeinsames Ziel aller Projekte ist es, mit den Möglichkeiten der Kunst eine Brücke zu schlagen und Gemeinschaft herzustellen. „Angebote schaffen und Interesse wecken – das ist das, was wir hier an der UdK tun können“, sagt Benjamin Glatte, der Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation studiert und sich bei Common Ground engagiert. „Die Leute, die mitmachen, haben einen ersten elementaren Schritt getan um anzukommen. Wir wollen auf Augenhöhe gemeinsam Projekte realisieren, die von Geflüchteten und Studierenden angeboten und genutzt werden. Bereichernd ist das für beide Seiten.“

Die Studenten sind bemüht, das Netzwerk innerhalb und außerhalb der Uni weiter auszubauen. Dabei stoßen sie auf sehr unterschiedliche Reaktionen, wie Glatte berichtet: „Viele sagen, ,ich bin Künstler und ihr nehmt mich hier als Geflüchteten wahr. Darauf möchte ich nicht reduziert werden.’ Andere sagen: ,Ja, ich bin geflüchtet und diesen Teil von mir klammere ich nicht aus.’“ Common Ground gibt diesen unterschiedlichen Sichtweisen Raum. Es soll den künstlerischen Austausch anregen und will direkte Begegnungen schaffen.

Eine weitere Plattform, die den Austausch fördert, ist die Refugee Class am Berlin Career College der UdK. Hier unterrichten Experten aus der Praxis berufsqualifizierend. Einer der Teilnehmer ist Andrew Moussa. Er ist Journalist und vor zwei Jahren aus Ägypten nach Berlin gekommen. „Ich will jede Chance nutzen, Leute mit Erfahrungen in meinem Bereich kennenzulernen“, sagt er.

Leicht ist der Weg zurück ins Berufs- oder Studienleben nicht

So wie auch Hamed Hoessini, der erst kürzlich aus Afghanistan angekommen ist. Hoessini ist Kameramann. Weil er für ausländische Auftraggeber arbeitete, ist er in seinem Heimatland von Verfolgung bedroht. Die Refugee Class bietet ihm die Möglichkeit, Kontakte aufzubauen, um in Zukunft wieder in seinem Beruf arbeiten zu können.

Leicht ist der Weg zurück ins Berufs- oder Studienleben nicht. Diese Erfahrung hat auch Natalia Ali gemacht, die vor fünf Jahren aus Damaskus nach Berlin gekommen ist. Neben ihrem Studium der Bildenden Kunst engagiert sie sich in diversen Projekten der Universität und hilft mittlerweile als Übersetzerin im International Office. „Deutschland ist leider recht bürokratisch. Aber wenn man schon eine künstlerische Ausbildung hat, ist es wichtig, dass man den Hochschulwechsel schafft. Dafür braucht man Unterstützung“, sagt Ali, die für ihre soziale und künstlerische Arbeit den diesjährigen DAAD-Preis bekommt.

Lima Vafadars Bandprojekt „Enter the scene“ und Natalia Ali sind auch beim Rundgang anzutreffen. „Suche dir Leute, die in der gleichen Richtung arbeiten“, sagen sie. An der UdK sind die Türen geöffnet. Jetzt kommt es darauf an, dass möglichst viele davon erfahren.

Enter the scene wird in der Hardenbergstraße 33 ein Konzert geben. Termin und genauer Ort unter www.udk-berlin.de/engagement

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