Opernprojekt : Die Lust am Theater

Frank Hilbrich, neuer Prof an der UdK Berlin, will den Studierenden Haltung vermitteln.

Mareike Blank
Nach rechts oder links? Noch bis kurz vor der Premiere arbeitet Frank Hilbrich mit den Sängern an den detaillierten Bewegungsabläufen und Gefühlslagen für Bohuslav Martinks Filmoper „Les trois souhaits“. Foto: Johannes Bock
Nach rechts oder links? Noch bis kurz vor der Premiere arbeitet Frank Hilbrich mit den Sängern an den detaillierten...

Gerade noch feierte Frank Hilbrich am Deutschen Nationaltheater Weimar Premiere von Ernst Kreneks Jazzoper "Jonny spielt auf", schon steht er wieder auf der Probebühne des UNI.T-Theaters der UdK Berlin und gibt den Studierenden Regieanweisungen zu ihrem großen Opernprojekt. "Du musst ihr den Weg versperren, sie packen. Dann schlägt sie zurück. Lass uns das mal ausprobieren."

Seit dem Wintersemester 2013/14 lehrt der Regisseur Frank Hilbrich als Professor für Szenischen Unterricht im Studiengang Gesang/Musiktheater an der UdK. Während der Probe ist er ganz bei seinen Sängerinnen und Sängern. Konzentriert wird an den detaillierten Bewegungsabläufen gearbeitet und nebenbei grundsätzliches Wissen vermittelt: "Wie immer in der Oper muss die Emotion da sein, bevor die Aktion kommt", erklärt er den Studierenden.

Frank Hilbrich und seine Kollegen proben auf der Bühne des UNI.T-Theaters
Frank Hilbrich und seine Kollegen proben auf der Bühne des UNI.T-TheatersFoto: Matthias Heyde

Anfang Juli, kurz vor dem Rundgang, hatte Bohuslav Martinks Filmoper "Les trois souhaits" (Die drei Wünsche) im UNI.T Premiere und war damit zum ersten Mal in Berlin zu sehen. "Les trois souhaits" ist eine der aufwändigsten Produktionen, die der Studiengang Gesang/Musiktheater in Kooperation mit Studierenden aus vier weiteren Studiengängen der UdK je präsentierte. Fast 30 Gesangssolistinnen und -solisten in den doppelt besetzten Partien, das Symphonieorchester der UdK Berlin sowie Studierende der Studiengänge Bühnenbild, Kostümbild und Visuelle Kommunikation erarbeiteten hier überwiegend zum ersten Mal die Produktion einer Oper.

Mit großer Freude führte Frank Hilbrich Regie: "Ich möchte den Studierenden die Lust am Theater mitgeben", erklärt er. "Sie sollen sich trauen und ihre Ängste überwinden. Mein Ziel ist es, die Studierenden für die Theaterarbeit zu begeistern, offen zu machen und neugierig zu halten für Musik, Szene und sich selbst."

Das große Opernprojekt der UdK.
Das große Opernprojekt der UdK.Foto: Matthias Heyde

1968 in Bremen geboren, kam Hilbrich als Heranwachsender zum Jugendtheater seiner Heimatstadt und beobachtete dort die Arbeit des damaligen Leiters des Schauspiels Günter Krämer, der ihn stark beeinflusste. Es waren sehr glückliche Jahre und schnell wurde ihm klar, dass er diesen Weg weiter gehen wollte. Nach seinem Abitur und dem Zivildienst entschied er sich schließlich für eine Regielaufbahn, wurde Assistent unter anderem am Bremer Theater und der Staatsoper Stuttgart. Begegnungen und Zusammenarbeit mit Regisseuren wie Ruth Berghaus, Jürgen Gosch, Christof Nel, Jossi Wieler und besonders Hans Neuenfels prägten ihn nachhaltig.

Von 1999 bis 2002 war er Chefregisseur der Oper am Staatstheater Schwerin. Seitdem lebt er in Berlin und arbeitet an zahlreichen Theatern und Opernhäusern in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Als Regisseur setzte er sich intensiv mit dem Werk Richard Wagners auseinander, inszenierte Opern zum Beispiel Gioachino Rossinis, vereinzelt auch Operetten sowie Interpretationen der Werke des 20. Jahrhunderts und Uraufführungen.

An der UdK Berlin schätzt Frank Hilbrich besonders den Praxisbezug. "In unserem Studiengang kommen die Lehrenden alle direkt aus der Theaterarbeit. Auch ich möchte den Studierenden vermitteln, dass ihr künstlerisches Arbeiten eine ständige Suche sein muss – jeden Tag, jede Probe.

In den Proben wird an Bewegungsabläufen gearbeitet und grundsätzliches Wissen vermittelt
In den Proben wird an Bewegungsabläufen gearbeitet und grundsätzliches Wissen vermitteltFoto: Matthias Heyde

Dass sie hier an der Uni genau das tun, was später in ihrem Berufsleben Alltag sein wird. Und dass sie dabei nie fertig sein werden, immer weiter suchen müssen. Offenheit und Teamfähigkeit finde ich etwas ganz Wichtiges."

Seinen Werten bleibt er auch als Professor treu. Wer Hilbrich trifft, erkennt eine klare Haltung: "Man sollte nur spielen, singen und musizieren, was man vertreten kann. Und man sollte etwas vertreten, wenn man künstlerisch arbeitet. Bei allem Handwerk, das wir lernen, muss das Ziel immer bleiben, dass wir Kunst machen."

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