NETZWERKE IN BERLIN : Berlins Wirtschaft wächst

Berlins Wirtschaft wächst und zieht Fachkräfte und Gründer an. In der zunehmend internationalen Stadt finden sie schnell Anschluss

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Das Emblem im Eingangbereich des China Clubs in Hotel Adlon in Berlin.Foto: dpa/ Hotel_Adlon

Jeder Lokalpolitiker behauptet, sein Standort würde sich »besonders dynamisch« entwickeln. Im Falle Berlins stimmt es tatsächlich - wenn man »Dynamik« als »starke Bewegung« versteht. Mit einer guten Geschäftsidee kann man hier schnell hochkommen, aber auch fallen. Allerdings ist Scheitern kein so großes Stigma in einer Stadt, die den Verfall und Absturz zur Kunstform erklärt hat. Die Gescheiterten tauchen in dieser Stadt unter, und bei besserer Gelegenheit oft auch wieder auf. Das ist ein Grund, warum die Start-up-Szene sich hier so prächtig entwickelt.

Der Aufschwung der Stadt wirkt anziehend auf junge Talente und Fachkräfte. Egal, in welcher Branche oder auf welchem Berufsfeld sie ihre Karriere starten oder fortsetzen: Sie finden schnell Anschluss in der Stadtgesellschaft. Denn die Hauptstadt hat einen besonderen Standortvorteil, sie ist offen für kreative Köpfe und Impulse, neue Eliten bilden sich noch, der Zugang in die Kreise der Macher und Entscheider ist leichter als andernorts.

Das hat historische Gründe: Durch Krieg und Mauerbau verschwanden Eliten und große Unternehmen aus der Stadt. Nach der Wende brach auch die Industrie im Osten weg. Die Wirtschaft brauchte rund 20 Jahre, um den Schock der Einheit zu verarbeiten.

Seit etwa fünf Jahren aber holt sie stark auf: 2014 stieg die Zahl der Erwerbstätigen mit 1,7 Prozent so stark wie in keinem anderen Bundesland, beim Wirtschaftswachstum (plus 2,2 Prozent) wurde Berlin nur von Baden-Württemberg (2,4 Prozent) überholt. Überdurchschnittlich legen Dienstleistung, Handel und Gastgewerbe zu. Auch das produzierende Gewerbe erstarkt, und der Bausektor boomt.

Unternehmen, die in Berlin investieren, sagen oft, dass sie wegen der guten Vernetzung mit den Forschungsinstituten in die Stadt kommen und weil qualifizierte Mitarbeiter aus dem Ausland eher nach Berlin zu locken seien als an andere Standorte in Deutschland. Vielleicht auch, weil sie sich in der zunehmend international geprägten Stadt schnell zu Hause fühlen können.

Kevin P. Hoffmann ist Leiter des Tagesspiegel-Wirtschaftsressorts und lebt seit zehn Jahren in Berlin.

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Die größten Arbeitgeber mit Hauptsitz in Berlin

Deutsche Bahn

19 335 Mitarbeiter

Die Deutsche Bahn ist nicht nur für das Ringbahnnetz zuständig. Auch seinen Hauptsitz hat das Unternehmen, das bundesweit 306 919 Mitarbeiter beschäftigt, in der Hauptstadt.

Charité

16 700 Mitarbeiter

Die Charité zählt zu den größten Universitätskliniken Europas. In dem traditionsreichen Krankenhaus forschen, lehren und heilen Ärzte und Wissenschaftler von internationalem Rang.

Vivantes

14 926 Mitarbeiter

Als einer der größten Klinikkonzerne bundesweit unterhält Vivantes in Berlin diverse Krankenhäuser, Pflegeheime, Seniorenwohnhäuser, Gemeinschaftspraxen und Hospize.

Berliner Verkehrsbetriebe

13 388 Mitarbeiter

Die BVG hält die Hauptstadt in Bewegung. Der öffentliche Nahverkehr umfasst U-Bahnen, Busse und Straßenbahnen.

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