Umziehen nach Berlin: Sicherheit : Verbrecher-Hauptstadt Berlin?

Immer wieder macht die Hauptstadt mit schweren Verbrechen Schlagzeilen. Laut Statistik sind sie aber relativ selten, auch in sozialen Brennpunkten gibt es keine Häufung.Taschendiebstähle und Schwarzfahren kommen dagegen massenhaft vor.

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Bilderdiebstahl
Fingierter Diebstahl eines Gemäldes auf der Sicherheitsmesse LISA 2010.Foto: dpa/ Roland Weihrauch

Bitte beachten Sie: Zurzeit sind Trickdiebe unterwegs", so werden Neuankömmlinge am Berliner Hauptbahnhof begrüßt, "wir empfehlen Ihnen, besonders aufmerksam zu sein."

In den Zeitungsständern hängen die Boulevardzeitungen, die in diesen Wochen von versteckten Cannabis-Plantagen in öffentlichen Grünanlagen berichten oder von einem Prozess gegen Einbrecher, die mit Macheten bewaffnet in das Haus des Chefs einer Teppichreinigungsfirma eingedrungen sind. Ein Busunternehmen fordert schließlich die Berlinbesucher auf: "Kommen Sie mit auf eine zweieinhalbstündige Zeitreise durch das kriminelle Berlin!" Verbrecher hebeln Wohnungstüren auf, tagsüber, um möglichst niemanden anzutreffen - das sollte jeder Neuberliner zum "Überleben in Berlin" wissen. Besonders oft gehen die Täter an Herbst- und Winternachmittagen auf Beutezug, wenn es draußen schon dunkel ist, die Bewohner aber noch bei der Arbeit sind.

In Berlin wurden im vergangenen Jahr 12 159 Einbrüche in Wohnungen und Häusern angezeigt - doppelt so viele wie zehn Jahre zuvor. "Wir haben uns oft gefragt: Ja, sind die Raubtäter denn alle zu Einbrechern geworden?", sagt Georg von Strünck, der beim Landeskriminalamt für Einbruchsschutz zuständig ist, lachend.

Gestohlen wird laut von Strünck bevorzugt Bargeld und Schmuck. Manche Täter aber scheinen nicht wählerisch zu sein, was ihre Beute angeht. In einem wenig wohlhabenden Teil von Moabit warnte die Polizei kürzlich vor Kellereinbrüchen. In keiner Gegend der Stadt sei man vor Einbrüchen gefeit, sagt von Strünck. Allerdings seien die meisten Taten leicht zu verhindern, indem man beispielsweise an seine Wohnungstür ein Stangenschloss anbringe. "Wenn Einbrecher nicht in drei bis fünf Minuten in eine Wohnung reinkommen, brechen sie ab", erklärt er. In fast 40 Prozent der Fälle sei das so. Wer in Erdgeschossen oder ausgebauten Dächern wohne, müsse zudem die Fenster sichern. Sogenannte Dachläufer kämen über die Terrassen.

"So gut wie nie greifen Einbrecher Bewohner an", sagt Georg von Strünck. Der Teppichreinigungsunternehmer wurde hingegen von den Männern, die in sein Haus eingedrungen waren, geschlagen und mit Elektroschocks traktiert. Sie drohten sogar, ihm eine Zehe abzuschneiden, wenn er nicht verraten würde, wo sein Tresor sei. Die Einbrecher kamen gezielt in der Nacht, um den Hausbesitzer anzutreffen. Es handelt sich also um einen Sonderfall, der zugleich ein Beispiel dafür ist, wie die Medienberichterstattung, die sich naturgemäß auf spektakuläre Verbrechen fokussiert, das Bild der Kriminalität verzerrt.

In den 80er Jahren traf es Kreuzberg. Die Berichterstattung über die Straßenschlachten zwischen Hausbesetzern und Polizei ließ es für manche Berlinbesucher schon als Mutprobe erscheinen, am U-Bahnhof Kottbusser Tor auszusteigen.


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