Volkspark Friedrichshain : Männer und Mamitas

Im Volkspark Friedrichshain sieht man viel Prominenz, viele Gedenkstätten - und es gibt einen ganz hinreißenden Märchenbrunnen.

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Geschichte und Gegenwart. Der 1913 errichtete Märchenbrunnen im Volkspark Friedrichshain. Dahinter die Townhouses der sogenannten Prenzlauer Gärten. Foto: Kitty Kleist-Heinrich
Geschichte und Gegenwart. Der 1913 errichtete Märchenbrunnen im Volkspark Friedrichshain. Dahinter die Townhouses der sogenannten...

Die allermeisten Besucher des Volksparks Friedrichshain sind erholungsbedürftige, nach einen Fitzelchen Natur dürstende Einwohner von Prenzlauer Berg und Friedrichshain. Doch man kann hier auch tief in die Geschichte eintauchen, in die bewegte deutsche zumal. Bis zu jenem Zeitpunkt jedenfalls, da der Park zwischen 1846 und 1848 zum Gedenken an die Thronbesteigung von Friedrich dem Großen nach den Plänen des Lenné-Schülers Gustav Meyers angelegt und fertig gestellt wurde: als erster kommunaler Berliner Park, als ein Park für alle und jeden, kurzum: für das Volk.

Gelegen zwischen den Stadtbezirken Prenzlauer Berg und Friedrichshain, umgrenzt von der Danziger Straße im Osten, der Friedenstraße im Westen und der Kniprodestraße sowie dem Am Friedrichshain genannten Straßenzug im Norden, kreuzt man bei einem Spaziergang diverse Mahnmale. Sie zieren oder verschandeln, wie man es sehen möchte, das abwechslungsreiche Gelände, das mal mehr, mal weniger kleinteilig wirkt, das genauso hügelig wie waldreich ist und zudem auf schönen Sichtachsen basiert,

Aus gleich drei Teilen besteht etwa die 1968 eingerichtete Gedenkstätte für die deutschen Interbrigadisten des Spanischen Bürgerkriegs an der Friedenstraße: aus einer Tafel, Fritz Cremers bronzenem Spanienkämpfer mit erhobenem Schwert sowie einem Bronzerelief mit Szenen aus dem Spanischen Bürgerkrieg, auf dem die Worte „Madrid, du wunderbare Mamita Mia“ eingraviert sind. Auf der gegenüberliegenden Parkseite im Osten steht ein deutsch-polnisches Ehrenmal, das seit seiner Einweihung 1972 an die Soldaten der kommunistischen polnischen Untergrundarmee Armia Ludowa und an deutsche kommunistische Widerstandskämpfer gegen die Nazis erinnern sollte. Seit 1995 ist es aber auch nicht-kommunistischen Widerstandskämpfern und Soldaten gewidmet.

Gedenkstätten, Märchenbrunnen und Schwulentreff im Volkspark Friedrichshain

So ist das mit Gedenkstätten: Sie haben ihre eigene Geschichte. Und sie dienen, wie diese zwei Denkmäler der DDR, oft ideologischen Zwecken. Andererseits werden sie gern zweckentfremdet. Wie etwa der Friedhof der Märzgefallenen mitsamt seiner Umgebung. Dieser Friedhof wurde kurz nach Fertigstellung des Parks für die Opfer der Deutschen Revolution vom 18. März 1848 eingerichtet und verschaffte nach der Novemberrevolution 1918 zudem 33 Toten der Straßenkämpfe in Berlin ihre letzte Ruhestätte.

Hier, an der hügeligen, etwas unwegsamen, buschreichen südöstlichen Seite des Parks, an die sich heute das Krankenhaus Friedrichshain und sein Gelände schmiegen, sieht man seit einigen Jahren öfters jüngere und ältere Männer in den Büschen verschwinden oder davor herumlungern. Sie gehen hier weniger ihren Geschäften als ihren geschlechtlichen Trieben nach. Genau wie nach Einbruch der Dunkelheit in der Nähe des Spanienkämpfers. Diese Szene hat sich vom Märchenbrunnen an der Nordwestecke des Friedrichshains hierher verlagert. Denn zu DDR-Zeiten und auch nach der Wende noch war der Märchenbrunnen mit seinen Steinskulpturen aus den Märchen der Gebrüder Grimm beliebter Schwulentreff und Cruising-Ort. Nach der jahrelangen Restaurierung war damit Schluss, auch weil das Brunnengelände jetzt abends geschlossen wird.

Tagesspiegel-Magazin

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