Sind Universitäten unregierbar? : Ohne einen starken Verwaltungsleiter geht es nicht

Die Hochschulverwaltung - in Person des Kanzlers - muss Wissenschaft möglich machen, sagt Ulf Pallme König, ehemaliger Kanzler der Universität Düsseldorf.

Ulf Pallme König

Dieser Text ist Teil unserer Debatte zur (Un)regierbarkeit von Universitäten. Hier finden Sie die übrigen Debattenbeiträge.

Eine Unregierbarkeit von Universitäten gibt es grundsätzlich nicht - auch nicht eine solche der Humboldt-Universität! Diese Feststellung hat aber nur dann Bestand, wenn mindestens zwei Voraussetzungen erfüllt sind. Erstens: An der Spitze der Universität steht ein von der Hochschule getragener, seinen Aufgaben gewachsener Rektor beziehungsweise Präsident. Zweitens: Die Hochschule verfügt über eine funktionsmäßige, ihrer Dienstleistungsaufgabe gerecht werdende Verwaltung, die von einem Kanzler geleitet wird.

Genau festlegen, was der neue Präsident können muss

Deutschland verfügt über ausreichende Potenziale für Hochschulleitungspositionen. Vor diesem Hintergrund sollte eine Universität vor der Ausschreibung der Rektor- beziehungsweise Präsidentenstelle genau festlegen, wie das Anforderungsprofil für den Rektor/Präsidenten unter Berücksichtigung der konkreten Gegebenheiten der Universität sein soll. In einem professionalisierten Auswahlverfahren sollte es dann möglich sein, einen geeigneten Bewerber oder eine geeignete Bewerberin zu finden.

Dass im Rahmen eines solchen Besetzungsverfahrens die Mitwirkungsrechte innerhalb der Universität gewahrt werden müssen, die das Bundesverfassungsgericht zuletzt in seiner Entscheidung die Medizinische Hochschule Hannover betreffend aufgestellt hat, versteht sich von selbst. Mit anderen Worten: Der Senat als oberstes akademisches Organ der Universität muss im Rahmen des Besetzungsverfahrens das Letztentscheidungsrecht haben und nicht etwa ein Hochschulrat oder ein Kuratorium. Dies gilt auch für Abwahlentscheidungen.

Eine Hochschulverwaltung macht Wissenschaft möglich

Eine schlagkräftige Hochschulverwaltung hat den maßgeblichen Auftrag, Wissenschaft möglich zu machen. Da sich die Rahmenbedingungen für den Wissenschaftsbereich ständig verändern, muss auch die Verwaltung in der Lage sein, sich regelmäßig neuen Gegebenheiten anzupassen, indem sie stetig ihre Organisationsstrukturen kritisch hinterfragt und sich personell so aufstellt, dass sie den Herausforderungen, die sich ihr als Wissenschaftsadministration stellen, gerecht werden kann.

Ohne Kanzler geht es - auch an der HU - nicht

Nur wenn die Verwaltung über eine starke Leitung, sprich einen Kanzler, verfügt, der ebenfalls von der Universität getragen wird, wird sie in der dargelegten Weise ihren Beitrag leisten können. Der besteht darin, die Wissenschaftler von unnötigem administrativen Ballast freizuhalten und auch innerhalb eines Rektorates oder Präsidiums die Aufgaben der unterschiedlichen  Ressorts so zu koordinieren, dass sich dieses Hochschulleitungsorgan als Team verstehen und als solches auch agieren kann.

Der Präsident der Humboldt-Universität hat diese Notwendigkeit erkannt und daher zu Recht seine Bereitschaft, sich einer Wiederwahl zu stellen, daran geknüpft, dass die Hochschule die Position eines Kanzlers vorsieht.

Prof. Ulf Pallme König war bis 2013 Kanzler der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.

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