Wohnen : Antwort auf den Raum

Seit bald zehn Jahren setzen Thomas Wüthrich und Yves Raschle von INCHfurniture mit nachhaltig produzierten Teakholz-Möbeln neue Maßstäbe.

Beistelltisch „Tuju“ und
Beistelltisch „Tuju“ und

Sie arbeiten am Ende der Schweiz am Rheinhafen – dort, wo Basel mit Frankreich und Deutschland das Dreiländereck bildet. Langsam tuckern Transportfrachter vor dem Fenster des Ateliers und der Werkstatt vorbei, die in einem alten Zuckerlager untergebracht ist. Ähnlich langsam verläuft das Karriere- tempo der Produktdesigner von INCHfurniture, Thomas Wüthrich und Yves Raschle. 2004 haben sie ihre Firma gegründet, ihre ersten Möbel präsentierten sie erst drei Jahre später.

Mit 18 Möbelstücken – Stühle, Lounge-Chairs, Tische oder Regale – ist ihre Kollektion immer noch übersichtlich. Was lanciert wird, erweitern oder überarbeiten die Gestalter immer wieder mal. Wie das neuere Regal „Hiji“ aus Stahlträgern und Teakholz, das es jetzt mit kürzeren Tablaren gibt.

Obwohl INCHfurniture spätestens seit der Weltausstellung 2010 in Shanghai mit ihrer Kollektion für den Schweizer Pavillon international für Aufsehen sorgten und auf der Möbelmesse in Mailand ausstellen, machen Wüthrich und Raschle nach wie vor alles selber. Sie entwerfen und produzieren die Möbelstücke, koordinieren Fotoshootings für ihre Kataloge, erledigen die Pressearbeit und gestalten ihren Showroom Westflügel in Zürich. Dafür haben sie riesige Dschungelpflanzen umgetopft und von Basel nach Zürich transportiert. Die Möbel in rot-braunem Holz ergänzen sich wunderbar mit dem grünen Gewächs. „Wir behalten gerne die Kontrolle über das, was wir tun. Da gehört auch das Gärtnern dazu. Und ein langsames, prozessorientiertes Arbeiten“, sagt Wüthrich, der oft in Indonesien weilt.

2003 ist er mit seinem Arbeitspartner im Rahmen eines Zivildienstaufenthaltes für ein Missionswerk nach Java gereist. Dort stießen die beiden auf die Holzfachschule PIKA in der Hafenstadt Semaran. Die Zivi-Designer beschlossen, mit den dortigen Schreinern zu kooperieren. Es war der Startschuss ihrer Firma, die nur mit Teakholz, einem ölhaltigen Material, das sich nur schwer verzieht, arbeitet.

Bis heute produziert PIKA die Möbel, deren Entwürfe zuerst auf dem Skizzenblock und dann als Sperrholzmodelle im Basler Atelier entstehen. Weil Teak ein Holz mit schlechtem Karma ist, stammt es aus einem nachhaltig bewirtschafteten Forstbetrieb in Zentraljava. „Bei der Fertigung der Möbel sind serielle Herstellungsverfahren nur beschränkt anwendbar, denn jeder Baum ist anders gewachsen“, steht es in einem Katalog von INCH. So wird jedes Bauteil entsprechend seiner konstruktiven und ästhetischen Anforderungen ausgesucht.

Bekannt ist INCH (IN steht für Indonesien, CH für die Schweiz) nicht nur für sein sozial-ökologisches Konzept, das für den Design Preis Schweiz nominiert ist – er wird im November verliehen. Auch die Formensprache ist einzigartig. Aus dem geschmeidigen Holz schaffen die Gestalter fast anthroposophisch anmutende Möbel in polygonen Formen, die sich vor allem in der Schweizer Kunstszene etabliert haben. INCH-Möbel schmückten die diesjährige Collectors Lounge der Art Basel.

In Zukunft spannt das Label nicht nur mit der Kunst, sondern auch mit der Architektur zusammen. Für die Basler Architekten Christ und Gantenbein tüfteln Wüthrich und Raschle zurzeit an Möbeln, die gleichzeitig mit den architektonischen Entwürfen, etwa dem Erweiterungsbau des Kunstmuseums Basel, entstehen. Die Umgebung beim Entwickeln von Möbeln mit einzubeziehen, ist ganz im Sinne der Designer: „Sie sind eine Antwort auf den Raum.“

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