Bugholzmöbel : Holz zum Verbiegen

Die Firma Ton lässt ihre Möbel in Tschechien nach den Prinzipien von Michael Thonet fertigen.

Victoria Martin
Freischwinger "Mojo" von Michal Riabic kann mit Stoffen von JOOP! oder Nya Nordiska bezogen werden.
Freischwinger "Mojo" von Michal Riabic kann mit Stoffen von JOOP! oder Nya Nordiska bezogen werden.Foto: Ton

Diese Stühle sind mit Dampf gemacht. Federleicht kommt der Entwurf von Jaroslav Jurica daher. Sein „Stuhl 002“ besteht aus nur zwei Tragelementen, die in sanften, eleganten Bögen verlaufen – perfekt, wie die Körperhaltung einer Balletttänzerin. Die Sitzfläche bildet das dritte Element. Michael Thonet dachte bei seinem Modell „Nr. 14“, bekannt als Kaffeehausstuhl, es ginge nicht einfacher. Er hat sich geirrt. Der „002“ ist der Beweis für Reduktion auf höchstem Niveau. Seine geschwungene Linie verrät dennoch unmissverständlich, in welcher Tradition sein Entwickler steht.

Der Name Ton ist ein tschechisches Kürzel und heißt übersetzt „Werk für Bugholzmöbel“. Seit 1953 werden die Möbel der Firma in Bystritz am Hostein hergestellt. Dort, wo bereits im Jahre 1861 die Gebrüder Thonet eine Fabrik errichteten und ihre legendären Bugholzstühle fertigten. In der Produktion wurden einzelne Formteile unter Wasserdampf gebogen und anschließend zu einem Möbelstück zusammengesetzt. Eine Kunst, die Thonet weltberühmt machte.

Ton führt die Tradition des Bugholzmobiliars fort. Und bleibt dabei keinesfalls im Schatten des großen Meisters stehen. Davon kann man sich in dem Berliner Showroom in der Chausseestraße überzeugen. „Wir führen neben den Klassikern auch eine Reihe neuer Produkte, die traditionelle Fertigung und modernes Design auf spannende Weise miteinander verbinden“, sagt Ante Bagaric, Area Sales Manager in Berlin. Für frische Ideen holt sich Ton junge Designer, nicht nur aus Tschechien kommen, sondern auch aus Deutschland, Österreich und Italien.

Einer davon ist, neben Jaroslav Jurica, auch Alex Gufler. Der in Österreich lebende Italiener kreierte für Ton den „Merano“, einen auf den ersten Blick „sehr spacigen Stuhl“, wie er im Showroom beschrieben wird. Das Stück bringt neue Konturen in die Ton-Möbel. Vor allem die bogenförmige Sitzschale, die aus dem gleichen Element besteht wie die Rückenlehne, wirkt futuristisch. Nur die Beine des Stuhls scheinen den Biegungen zu trotzen und bleiben ausgestreckt auf dem Boden stehen.

Solche virtuosen Entwürfe werden bei Ton bis heute in einem aufwendigen Prozess hergestellt. Die Bugholztechnik zu beherrschen sei ein schweres Handwerk, erklärt Bagaric. „Das Holz wird nur von Hand gebogen. Maschinell würden viele Formen gar nicht zustande kommen.“ Die handwerklichen Fähigkeiten und die liebevollen Details erschließen sich nicht immer auf den ersten Blick. Im Showroom nimmt sich Bagaric deshalb gerne die Zeit, um den Kunden die Besonderheiten eines jeden Exemplars zu zeigen.

Dort wird dem Besucher eine bunte Palette an Produkten geboten – und zwar im wahrsten Sinne des Wortes: Neben den typischen Beizungen kann man die Stühle auch mit Deckfarben überziehen lassen. Von Zitronengelb über knalliges Rot bis hin zu Grasgrün ist alles dabei.

Die bequemen Stühle machen aber nicht nur zu Hause eine gute Figur. Mit „Mojo“ konzipierte der slowakische Designer Michael Riabic einen ergonomischen Freischwinger, der sich auch perfekt als Bürostuhl eignet. Durch das angenehme Vor- und Zurückschaukeln soll die Kreativität des Benutzers angeregt werden. „Das ist wissenschaftlich bewiesen“, versichert Bagaric. Ob mit einem glatten Sperrholzsitz aus Eichenfurnier oder gepolstert: Dieser Stuhl verleiht jedem Büro und Konferenzraum ein besonderes Ambiente.

Diese Qualität hat natürlich ihren Preis. Doch wer versteht, wie viel Arbeit in den Produkten von Ton steckt, zahlt ihn vermutlich etwas bereitwilliger.

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