Designklassiker : Unikate der Natur

Kunstvolle Holzmöbel bauten schon die alten Ägypter. Heute inspiriert das Material immer noch - eine Liebeserklärung.

Peter Maly
Ein Klassiker: Loungechair (white) von Charles & Ray Eames aus dem Jahr 1956.
Ein Klassiker: Loungechair (white) von Charles & Ray Eames aus dem Jahr 1956.Foto: promo

Manchmal erschien es so, als sei der nicht nur wunderschöne, sondern auch noch nachwachsende Rohstoff Holz im Möbeldesign längst überflügelt - von chemisch erzeugten Kunststoffmaterialien, von Edelstahl und von perfekten Farblack-Oberflächen. Aber gerade durch die Perfektion der Oberflächen erscheinen diese Materialien oft leblos, sind vielen Menschen zu glatt, zu kühl und unpersönlich.

Dagegen hat natürlich gewachsenes Holz eine Struktur und Haptik, die einzigartig ist: Die unverwechselbare, individuelle Maserung gibt jedem Möbel fast etwas von einem Unikat. Die verschiedenen Holzarten haben angenehm warme Farbtöne; sie reichen vom dunkelbraunen Nussbaum bis zum blassgelben Ahorn und vom hellsandfarbenen Eichenholz bis zum rotbraunen Teak. Es sind Farbtöne, die dem Auge wohltun, sogar beim Anfühlen erscheint uns eine Holzoberfläche sympathisch und warm.

Stuhl "Ameise" des dänischen Designers Arne Jacobsen.
Stuhl "Ameise" des dänischen Designers Arne Jacobsen.Foto: promo

Die Farbe des Holzes bleibt jedoch nicht gleich, sie verändert sich im Laufe der Zeit durch Lichteinfall, das Holz setzt Patina an, meist wird es etwas dunkler und warmtoniger. Ich finde diese leichte Veränderung positiv, denken Sie beispielsweise an die honigfarbene Tönung des Kirschbaumholzes alter Biedermeiermöbel.

Holz hat als Material des Möbelbaus eine sehr lange Tradition: Schon bei Ausgrabungen in Ägypten fand man schön geschwungene Betten, Hocker und Stühle aus dem Holz der Pharaonenzeit - 1323 v. Chr.! Ich will hier nicht auf die verschiedenen Stilarten der späteren Jahrhunderte eingehen, das würde sicher zu weit führen.

Shakermöbel: Unübertroffen schlicht und schön

Eine historische hochinteressante Entwicklung möchte ich jedoch hervorheben: Ich denke an eine sehr viel spätere Zeit, in der aus der religiösen Sekte der Shaker im 19. Jahrhundert ein ganz eigener, funktionaler Möbelstil hervorging, der in seiner Schlichtheit und Schönheit unübertroffene Holzmöbel hervorbrachte, die ganz im Gegensatz zu dem damals vorherrschenden verschnörkelten Historizismus standen. Ich hatte 2009 die Chance, ein noch bestehendes Shaker-Dorf in New England zu besuchen und die wundervollen Holzarbeiten im Original zu sehen.

Sie sind vorzugsweise aus amerikanischem Kirschbaumholz in bester Handwerks-Tradition gearbeitet. Es entstanden damals Esstische, Sprossenstühle und Kommoden; berühmt sind auch die ovalen Kirschholz-Dosen. Die wunderschönen Möbel sind auf Grund ihrer funktionalen Gestaltung, bei der auf jegliches Dekor verzichtet wurde, als Vorläufer der Moderne anzusehen.

Houdini Stuhl von Stefan Dietz für E15.
Houdini Stuhl von Stefan Dietz für E15.Foto: promo

Elegant in Form gepresst

Die beginnt mit einer genialen Idee: Michael Thonet erfand eine ganz neue Form der Holzverarbeitung: Er dämpfte schlanke Buchenholzstäbe, damit sie weich und formbar wurden, und bog sie zu ganz neuartigen Möbelformen: Es entstanden wundervoll filigrane, gerundete Stühle, die sogar für den Transport zerlegbar waren. Es war der Beginn der industriellen Möbelherstellung.

Dabei kommt heute vorzugsweise Holz in einer ganz anderen Erscheinungsform zur Verarbeitung. Es ist vor allem die Schichtholz-Verformung, die im Vordergrund steht. Schon in den 40er Jahren des vorigen Jahrhunderts begannen Charles und Ray Eames, sich mit dieser Entwicklung zu befassen. Es waren in Formen gepresste und verleimte Furnierschichten, die zu leichten und neuartigen Schalenformen verarbeitet wurden. Die äußeren Deckflächen bestanden aus edlen Holzfurnieren, oft war es Palisander oder Nussbaum - besonders schön zu sehen bei einem seiner bekanntesten Entwürfe: dem Eames-Loungechair, jetzt hergestellt von Vitra.

Schrank Lumeo von Peter Maly für Ligne Roset.
Schrank Lumeo von Peter Maly für Ligne Roset.Foto: promo

Viele berühmte Designer haben sich mit dieser Form der Holzverarbeitung beschäftigt. So entwarf der dänische Architekt Arne Jacobsen 1955 den Holz-Schalenstuhl schlechthin, genannt "Serie 7", der heute in zehn Holzarten hergestellt wird und zusammen mit Jacobsens "Ameise" längst ein moderner Klassiker geworden ist. Die Schale dieses Stuhles federt leicht und wird auf ein graziles Stahlrohrgestell aufgesetzt. Hersteller ist die Firma Fritz Hansen.

Auch von den heutigen Designern wird diese Schalenform aus Holzfurnieren oft angewendet - wobei es Stefan Diez gelungen ist, mit seinem "Houdini"-Stuhl für E15 eine sehr eigenständige Form zu finden.

Eine weitere Anwendungsform sind Edelholzfurniere, die auf Trägerplatten aus Holzwerkstoffen großflächig aufgeleimt werden. Diese Methode wird bei Kastenmöbeln angewendet, und verleiht großen Flächen durch die Maserung und Farbe des Holzes mehr Individualität und Wärme. Ein Beispiel dafür ist mein Entwurf "Lumeo", hergestellt von der französischen Firma Ligne Roset. Hier habe ich eine großflächige Schrankwand durch eine schachbrettartige Furnierung, bei der die Holzrichtung immer wieder wechselt, in eine spannende Form gebracht.

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