Wohnen : Eine Wanne in klein

Auch ein winziges Bad kann eine Menge hermachen. Es muss nur akkurat und raffiniert geplant werden – mit eigens dafür entwickelter platzsparender Ausstattung.

Spiegeltricks und Mut zur Farbe
Spiegeltricks und Mut zur Farbe

Großzügige Räume, breite Dielen, hohe Decken: Wohnungen in Berliner Altbauten sind beliebt. Stolz zeigen Mieter oder Eigentümer ihre Hauptstadt-Unterkünfte. Nur ins Bad lassen sie Besucher oft nur ungern schauen. „Es ist“, so drucksen sie dann ein bisschen herum, „eben nur sehr klein.“ Da könne man halt nichts draus machen.

Kann man doch, finden Christiane und Ann-Antonia Lüttgert. Seit 25 Jahren entwickeln die Berlinerinnen Bäder für winzige Nasszellen. 80 Prozent aller Berliner Bäder, so sagen die beiden, „sind klein.“ In ihrem Steglitzer Geschäft miniBagno bekommen Kunden eine Ahnung, was da hineinpasst. Spezielle Badewannenformen sind zu sehen, schräg in Ecken platzierte Duschen, passgenaue Schränkchen und viele Spiegel. „Es gibt spezielle Formen, die für kleine Bäder entwickelt wurden“, sagt Christiane Lüttgert. Nur, wie arrangiert man das alles am Ort? Genau da kommen die Badspezialistinnen zum Zuge. Ihr Service ist es, „platzsparende Lösungen auszutüfteln“.

Der Familienbetrieb betreut die Kunden von der Idee bis zum fertigen Bad. Manche Menschen kommen mit einem Grundriss in den Laden, „aber wenn die Idee reift, messen wir natürlich selbst noch mal nach“, sagt Christiane Lüttgert. Kürzlich sei ein Ehepaar im Geschäft gewesen. Der Mann habe sich skeptisch umgesehen und gemurmelt, „ach, das geht ja bei uns alles nicht“. Aber die Frau habe optimistisch bestimmt: „Lass die mal planen.“

„Selbst für die kleinsten Bäder machen wir oft drei Vorschläge", erzählt Ann-Antonia Lüttgert. Und jeder Kundenwunsch wird berücksichtigt. Der eine wolle neben der Dusche unbedingt auch eine Badewanne darin haben. Anderen sei wichtig, auch noch die Waschmaschine im Bad unterzubringen. Und manche träumen von einem Bidet. Immer sind individuelle Lösungen gefragt. „Daher wird die Arbeit nie eintönig“, sagt Ann-Antonia Lüttgert zufrieden. Jede Installationszeichnung fertigt sie persönlich an.

Dazu kommt die detaillierte Beratung. Manche Kunden möchten, weil’s pflegeleichter ist, eine Milchglasabtrennung zur Dusche. Vorsicht, warnt Christiane Lüttgert, denn die wirke gerade im kleinen Bad dann womöglich wie eine Wand. Auch beim Flieseneinkauf berät das Team von miniBagno. „Bei der Riesenauswahl sind viele Menschen überfordert.“ Und die Handwerker, die alles einbauen, stellen sie auch, es sei denn, der Kunde wünscht es anders. An der Wand im Laden hängen die Meisterbriefe jener Installateure oder Fliesenleger, die schon seit vielen Jahren für miniBagno tätig sind.

Die Gesamtkosten für so ein individuell geplantes Minibad beginnen bei rund 20 000 Euro. Drunter geht’s selten. Anders als ein Auto halte ein Bad schließlich ein halbes Leben, sagen die Geschäftsfrauen. Die Kunden haben das verstanden. Viele hätten schöne Wohnungen, in denen sie seit Jahrzehnten lebten. Aber die Bäder sehen halt fast noch so aus wie beim Einzug. „Manchmal kommen Menschen um die sechzig, die sich ein neues Bad wünschen“, erzählt Christiane Lüttgert. „In Berlin werden Bäder normalerweise alle vierzig Jahre renoviert, und das komme dann einer Sanierung gleich.“

Bis die schmucke Nasszelle fertig sei, dauere es im Schnitt drei Wochen. „Wenn es sorgfältig und akkurat gemacht sein soll, funktioniert das nicht in einer Woche“, sagen die Expertinnen. Manche Kunden führen in der Zeit in Urlaub, andere arrangierten sich mit der Baustelle in der Wohnung. Hauptsache, am Ende ist alles wie erträumt. „Ich fühle mich überglücklich, wenn die Kunden zufrieden sind“, sagt Ann-Antonia Lüttgert. Wie jener etwa, der ein neues Bad, aber auch seine Küchenkammer, deren Wand ein bisschen in den Raum hineinragt, unbedingt behalten wollte. „Das funktioniert nicht“, hatte er immer wieder zu hören bekommen. Nun zeigen Vorher-Nachher-Bilder eine geniale Lösung.

„Der Mann ist mir hinterher fast um den Hals gefallen“, sagt die Badspezialistin lächelnd.

Nur einem Kunden, der eine „Wanne für zwei“ in ein winziges Bad integrieren wollte, konnte nicht geholfen werden. Nicht alle Träume sind auf kleinstem Raum erfüllbar. Aber überraschend viele.

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