Wohnen : Gut platziert

Hightec-Accessoires wie ein Touchscreen, natürliche Materialien und ein gewisser Blick zurück auf die sechziger Jahre zeichnen viele neue Sitzmöbel aus.

Das Sofa „Standard“
Das Sofa „Standard“

Mit Sofas kennt sich Edra aus. Die Firma aus der Nähe von Pisa hat die weltweit besten Designer unter Vertrag, um ihre Sitzmöbel zu gestalten. Sie sollen nicht nur gut aussehen, sondern auch funktional sein. In diesem Jahr stellte Edra auf der Mailänder Möbelmesse nun „Standard“ vor. Das Sofa von Francesco Binfaré erinnert aus der Ferne mit seinem fluffigen Bezug an Wolken. Dazu passt auch die Form mit den einstellbaren Lehnen.

Wie bei „Standard“ hat man das Gefühl, dass Sofas zunehmend keinen Konventionen mehr gehorchen müssen. Sie lassen sich freier gruppieren und sind nicht mehr nur standardmäßig als Ensemble mit passenden Sesseln angedacht. Sie dürfen gemütlich wie Betten sein und tragen damit neuen technischen Entwicklungen Rechnung: Tablet-Computer, Handys und Laptops verändern die Sitzansprüche und sorgen für individuelle Unterhaltung.

Neue Technologien fließen auch ganz konkret ins Möbeldesign ein. So hat Cassina den Trends zum Touch-Screen aufgenommen. Zusammen mit dem umtriebigen Designbüro Carlo Ratti Associati entwickelte die italienische Firma im Rahmen des Projekts „Our Universe“ ein Sofa mit leuchtender Rückenlehne. Denn in die hohe Lehne von „My Mood“ ist eine LED-Matrix eingearbeitet. Durch sanftes Streichen kann die Beleuchtung aktiviert und ausgeschaltet werden. An jeder LED ist ein Bewegungssensor befestigt, der auf die Berührung reagiert. Das Licht kann auch durch eine Smartphone-App gesteuert oder mit Musik synchronisiert werden. Noch kann man das technische Wunderwerk nicht erwerben. Wie die anderen Produkte aus dem „Our Universe“-Projekt, das neue Technologien und Möbeldesign verbinden soll, bleibt es erst einmal ein Prototyp.

Gegenläufig zu diesen Hightec-Entwürfen beobachten Trendforscher eine Sehnsucht nach Natur und Ursprünglichkeit. Vor diesem Hintergrund sind auch die neuen Materialien zu betrachten, zum Beispiel der naturweiße Leinenbezug des Sofas „Bedda“ von Moooi. Unter dem Motto „Zurück zur Natur“ könnte auch der in jeglicher Hinsicht unkonventionelle Entwurf von Jean-Marie Massaud für die schwedische Öko-Möbel-Firma Offect stehen. Das Sofa „Airberg“ ähnelt einem gestrandeten Walfisch aus Filz. Dabei ist es nicht – wie der Name vermuten lässt – mit Luft aufgepumpt, sondern mit einem aufwendigen Polstermaterial gefüllt, das die asymmetrische Form besonders betont. „Mit ‚Airberg' durfte ich mit Konventionen brechen und existierende Normen hinsichtlich dessen in Frage stellen konnte, wie ein Sitzmöbel normalerweise aussieht“, schwärmt Jean-Marie Massaud von der Zusammenarbeit mit Offect.

Ungebrochen ist die Liebe zu den sechziger Jahren. Einen unverkennbaren Retro-Touch hat das als Zwei- oder Dreisitzer erhältliche Sofa „Spencer“ von Minotti. Es nimmt mit seiner Form, die entfernt an einen Pinguin erinnert, Bezug auf die Linienführung von damals. Mit seinen Aluminiumbeinen wirkt das Sitzmöbel von Rodolfo Dordoni leicht. Zugleich ist seine eingefasste Sitzfläche sehr kompakt.

Nach dem Motto „harte Schale, weicher Kern“ funktionieren auch viele der neuen Sessel und Stühle. Living Divanis Sessel „Rodwood“ von Pierro Lissoni setzt sich in einem kleinen Tisch fort. Die Holzablage umfasst den Sessel sogar von der Hinterseite, sodass er auch als freistehendes Objekt im Raum stimmig wirkt.

Zu seinem Sofa „Gran Torino“ für Poltrona Frau ließ sich Jean-Marie Massaud von der Sattler-Tradition inspirieren. Er zeigt, was das alte Handwerk möglich macht: Das weiche Leder ist an den Innenseiten gefaltet und mit Stahlnieten befestigt. Die Sitzfläche endet in einer Ablage aus Eichenholz, die zugleich Stauraum bietet. Ein wichtige Rolle spielen die Kissen: Ihre horizontalen Nähte lassen das Sofa besonders leicht wirken.

Die Idee, Sessel, Sofas oder Stühle mit einer Schale zu konzipieren, ist nicht neu. Eero Aarnio ging bei seinem „Ball Chair“ aus dem Jahr 1963 ganz ähnlich vor, indem er in einer Kunststoffschale ein kuscheliges Innenleben aus Kaschmir kreierte.

Wie hartnäckig sich dieser Trend hält, zeigt sich an immer neuen Modellen wie in dem Stuhl „Pass“ von La Palma, ein Schalensessel, der sich im Besprechungsraum eines Büros ebenso gut macht wie im stilvollen Homeoffice.

An einen Schweizer Käse erinnert Stuhl „Arak“ von Kartell. Star-Designer Philippe Starck hat den Stuhl mit der löcherigen Rückenlehne unter anderem als „Bürostuhl für die Leute, die sich im Büro darüber beschweren, nicht zu Hause zu sein“ konzipiert. Den neuen Trend zu Pastellfarben, der ebenfalls an die Sechziger erinnert, nimmt Kartell auf. Seine zurückhaltende Farbe teilt er mit Patricia Urquiolas Sessel „Comeback“. Er ist im Kolonialstil gestaltet und wurde in diesem Jahr in Pastellfarben und mit Kufen versehen herausgebracht.

Eine schmucke kleine Ergänzung zu Sofas, Sesseln und Stühlen und immer mehr im Kommen sind Poufs. Diese gepolsterten Hocker dienen zum Sitzen, zum Ablegen der Füße oder als Beistelltisch. Montis hat das schöne Modell „Edam“ im Angebot, das sogar ein Fach zum Verstauen von Kleinkram hat. Für einen schnellen Ortswechsel ist das Modell „Carry On“ von Mattias Stenberg für Offect mit Henkel aus Holz gut. Üppig und einladend fällt „Circus“ von Normann Copenhagen aus.

Immobilien

Eigenheimfinanzierung, Mietrecht, Immobilienmarkt und mehr.

Zur Immobilienseite des Tagesspiegel.

0 Kommentare

Neuester Kommentar