Individuelle Einrichtung : Bloß nichts von der Stange

Immer mehr Möbel lassen sich den individuellen Wünschen ihrer künftigen Besitzer anpassen. Die Kunden können das Design mit bestimmen.

Judith Jenner
"Load it" (Porro) von Bruno Fattorini setzt auf Stahlböden.
"Load it" (Porro) von Bruno Fattorini setzt auf Stahlböden.Foto: Porro

Wer sich heute ein Sofa kauft, der hat die Qual der Wahl: Oft werden X verschiedene Stoff- und Lederarten von Herstellern angeboten. Dazu kann man die passenden Füße auswählen und so die Höhe des Möbels mitbestimmen. Auch über die Größe und Anordnung einer Sitzgruppe kann der Kunde mitentscheiden.

Das ist nicht immer ganz einfach, weiß Stilwerk-Händlerin Ulrike Sarnes von Sarnes Einrichtungen: „Um sich in dem Angebot zurecht zu finden, kommt es auf die richtige Beratung an“, sagt sie. „Das hat mit Menschenkenntnis und Psychologie zu tun.“ Dankenswerterweise brächten viele Kunden heute neben den Maßen digitale Fotos mit ins Möbelgeschäft, anhand derer sie sich ein Bild von den Räumen machen und gezielte Fragen stellen könne. Danach unterbreite sie Vorschläge. „Wichtig ist es, den Kunden nicht mit Vorschlägen zu überschwemmen. Zwei bis drei Alternativen sind oft ausreichend", glaubt Ulrike Sarnes.

Um Möbeln ein individuelles Aussehen zu verleihen, bietet sie auch Fremdstoffe an, also Bezüge, die nicht im Katalog des Herstellers auftauchen. So können Sessel, Sofas oder Stühle zum Beispiel mit den farbenfrohen Stoffen von Missoni bezogen werden. Auf diese Weise werden bekannte Möbel zum Unikat. Teppiche können von einigen Herstellern nicht nur in den gewünschten Maßen, sondern auch mit einem individuellen Muster geliefert werden. „Bei einem guten Händler muss man keine Einrichtung von der Stange kaufen“, sagt Ulrike Sarnes.

„Minima“ (MDF Italia) setzt mit seinen bunten Kästen Akzente.
„Minima“ (MDF Italia) setzt mit seinen bunten Kästen Akzente.Foto: MDF

Die individualisierte Einrichtung hat natürlich ihren Preis. Doch auch in niedrigeren Preiskategorien ist es vielen Verbrauchern wichtig, Einfluss auf ihr Möbel zu haben. Darauf weisen Angebote wie www.thisismykea.com hin. In dem Onlineshop mit dem Motto „Sage Nein zu nackten Möbeln“ kann man sich passgenaue Aufkleber für die Ikea-Kommode „Malm“ oder das Allzwecksregal „Expedit“ bestellen. Fühlt man sich berufen, Ikea-Möbel selbst zu verschönern, kann man seine Grafiken an das Startup aus Amsterdam schicken und sogar noch Geld verdienen.

Jakob Schenk macht Kunden zu Gestaltern

Dass sich manche Kunden mit den genormten Ikea-Designs nicht abfinden wollen, zeigt auch die spannende Do-It-Yourself-Comunity www.ikeahackers.net. Dort werden seit 2006 Bauanleitungen für modifizierte Möbel aus dem schwedischen Möbelhaus verbreitet. Oberschränke werden zu Sitzecken, der Regalklassiker „Billy“ wird zur Kücheninsel.

Der Münchner Designer Jakob Schenk lässt seine Kunden selbst zu Gestaltern werden. Er erfand das Tischfußsystem „Tick“, das vollkommen ohne Schrauben funktioniert. Wie eine Büroklammer lässt es sich unter ein beliebiges Brett – sei es eine alte Tafel oder eine Schranktür – klemmen. „Wenn die Dicke stimmt, kann man jede Art von Holzplatte damit zur Tischplatte machen“, sagt Jakob Schenk. „Man kann die Platte leicht austauschen oder umdrehen und dadurch dem Möbelstück einen ganz neuen Charakter geben.“ Auf diese Weise entsteht dann ein ganz individueller Ess- oder Couchtisch. Diese simple und zugleich geniale Idee brachte Jakob Schenk unter anderem den Nachwuchspreis der Bundesrepublik Deutschland 2012 ein.

So schön kann ein Ikea-Möbel mit den Stickern von Mykea aussehen.
So schön kann ein Ikea-Möbel mit den Stickern von Mykea aussehen.Foto: Mykea

Regalelemente, Schranktüren und Technikstauraum dürfen auch die Besitzer sogenannter Wohnwände nach eigenem Belieben anordnen. Diese recht neue Möbelgattung kommt als Nachfolger der Schrankwand daher. Allerdings ist sie weniger klobig als der spießige Vorgänger – und eben individuell gestaltbar. Da gibt es zum Beispiel die Regalwand „Minima“ von MDF Italia. Bruno Fattorini & Partners brachten sie eigentlich schon 1997 auf den Markt. Die Neuauflage zeichnet sich nicht nur durch ein überarbeitetes Design aus. Es wurde auch darauf geachtet, dass sich Türen und Klappen leicht befestigen und individuell anlegen lassen. Auch die Wohnwand „Modern“ von Porro macht Individualisten glücklich, denn ihre Wandelemente bieten viel kreativen Spielraum. Genau das Richtige also für alle, die ihre Möbel gerne mitgestalten.

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