Kindermöbel : Große Ideen für kleine Leute

Das Angebot von Kindermöbeln ist riesig. Doch was brauchen die jungen Entdecker wirklich? Die Plattform Afilii bietet sorgsam ausgewählte Stücke.

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"Zickzack" ist wahlweise Garberobe oder Spielplatz.
"Zickzack" ist wahlweise Garberobe oder Spielplatz.Foto: Afilii

Was braucht ein Kind zum Wohnen? Weniger, als die meisten Eltern denken, sagt Katja Runge. Ein Bett ist essenziell, ein Regal für Bücher und Spielzeug auch. Der Schreibtisch wird mit dem ersten Schuljahr zur Pflicht. Für die Kleidung kann ein Schrank ins Zimmer – oder ein anderes nützliches Möbel zur Aufbewahrung wie eine Kommode. Und weil sich die Anschaffungen dank dieser Liste auf ein überschaubares Maß reduzieren, plädiert die Gründerin der zweisprachigen Onlineplattform Afilii für Kompromisslosigkeit: Kindermöbel sollten mitwachsen, vielseitig nutzbar, aus nachhaltigen Materialien gefertigt und nicht zuletzt schön sein.

Vor drei Jahren hat die Berlinerin Afilii gegründet, ihren Showroom findet man in Prenzlauer Berg. Kein schlechter Ort, um Tische und Stühle für kleine Leute anzubieten: Das Quartier ist bekannt für seinen Kinderreichtum. Doch Katja Runge verkauft gar nicht. Showroom und Plattform wollen mehr sein als eine Adresse, wo es Möbel und Spielzeug gibt. Die berufstätige Mutter plant ein Netzwerk für Experten. Sie können sich – genau wie die Designer – für eine Jahresgebühr von 160 bis 490 Euro vorstellen und miteinander kommunizieren.

Es gibt auch ein Onlinemagazin mit Texten über Schulmöbel bis hin zur Spielplatzgestaltung. Eltern auf der Suche nach guten Produkten profitieren von dieser Vielschichtigkeit. Sie finden aktuell rund 60 Produkte vom Spielhaus über stapelbare Betten bis hin zur kindgerechten Garderobe. Daneben stehen Bezugsquellen und Geschäfte, die auch die kleinen Labels führen.

Sinnvolle Möbel findet man in dem Überangebot kaum

Die Idee kam der berufstätigen Mutter nach ihren eigenen Erfahrungen. Runge hat früher selbst PR für Designer und Designfestivals gemacht: „Als meine Tochter ein Jahr alt war, hatte ich den Eindruck, ich betrete noch einmal eine ganz neue Marketingwelt“, erinnert sie sich. Von überall kamen die Botschaften: Kaufe dies und tue das! Manche appellierten an das Gewissen, andere trafen sie mit einer Werbewucht, die Runge irritierte.

Dabei hätte sie lieber gewusst, wo es „die richtig sinnvollen Dinge“ gibt. „Ich erinnerte mich an Designer, die auch das eine oder andere für Kinder entworfen haben, doch die findet man in dem Überangebot so gut wie gar nicht.“ Es war die Initialzündung für Afilii.

Und was ist mit den lange erwachsenen Kindern? Waren sie ohne Einrichtung? Es gibt wohl kaum jemanden, der sich nicht an das eigene Kinder- und Jugendzimmer erinnert. Ganze Möbelsysteme waren das, deren Farben und Details mit den Moden wechselten. Elternträume, würde Katja Runge sagen. Kaum einer habe sich gefragt, was die Fantasie und Kreativität des Nachwuchses fördert. Obgleich der Pädagoge Friedrich Fröbel bereits im 19. Jahrhundert die Kinder in den Fokus rückte, dauerte es ein ganzes Jahrhundert, bis etwa der deutsche Möbelhersteller Thonet einen Stuhl eigens für Kinder entwickelte.

Bildergalerie: Ideen fürs Kinderzimmer
Die Elemente von Jundado kann man zur Schlafburg machen.Alle Bilder anzeigen
1 von 7Foto: Afilii
13.12.2016 11:50Die Elemente von Jundado kann man zur Schlafburg machen.

Vieles sei an den jungen Benutzern vorbeigeplant

Dass sich Designer seit wenigen Jahrzehnten verstärkt für die Gestaltung von Kindermöbeln interessieren, hat ihrer Meinung nach mit der wachsenden Zahl von Kreativen zu tun. Sie hätten nun auch Bereiche im Blick, die früher am Rand waren. Außerdem seien viele von ihnen inzwischen selbst Eltern.

Das verändere den Blick, glaubt Katja Runge: „Ein Möbel für ein Kind wird nur gut, wenn man sich auf die Bedürfnisse von Kindern einstellen kann.“ Vieles sei an den jungen Benutzern vorbeigeplant. Was man daran merke, wie die Kinder mit den Objekten umgingen. Manches werde gar nicht genutzt, weil es zum Beispiel unbequem sei. Ihre eigene, siebenjährige Tochter ist ein strenger Tester für alles, was im Showroom steht. Bestanden hat der „Come and Draw Table“, dessen Tischplatte aus unzähligen Schichten farbiger Blätter besteht, auf denen man malt, um sie abzureißen, um wieder zu malen ...

Bei der Möbelwahl ist das Verhalten der Kinder entscheidend

Runge, deren Plattform den Anspruch „für kindgerechtes Design“ im Untertitel trägt, ist selbst viel auf Messen unterwegs und schaut sich Möbel an. Sie recherchiert im Netz und forscht in Blogs nach kreativen Produkten, die sie gern auf ihrer Plattform sehen würde. „Wenn ich unsicher bin, lasse ich mich kompetent beraten.“ Im Zentrum stehe die Frage nach Funktionalität und Nutzbarkeit. Dann kommen Material und Verarbeitung. Schließlich sollen die Objekte ästhetischen Kriterien genügen: „Wir sind davon überzeugt, dass wir Kindern über die Schönheit, das Material und seine Langlebigkeit vermitteln können, die Möbel zu schätzen und entsprechend zu behandeln“, sagt die Unternehmerin. Damit setze man auch ein Zeichen für den nachhaltigen Umgang mit Ressourcen.

Weniger sei ohnehin oft mehr. Man dürfe nicht vergessen, dass die Kinder in einem Raum schlafen, spielen und Hausaufgaben machten. „Bei den Erwachsenen sind das meist getrennte Bereiche.“ Um den Platz optimal zu nutzen, könne man das Verhalten der Kinder berücksichtigen: „Das eine ist kreativ am Tisch, wo es viel malt und bastelt. Das andere ist vielleicht expressiver und braucht Platz für seine Legosteine.“

Niemand soll alles kaufen, was Alfilii präsentiert. Die Fotos sind als Anregung gedacht, knappe Texte erläutern die Funktionen, breiten Platz nehmen die Materialien ein. Auf gute hundert Produkte möchte Katja Runge bis Ende 2016 wachsen und lockt mit klarem Profil: „Es gibt nichts Vergleichbares. Andere Plattformen decken alles ab vom Kinderrezept bis zum Kindergeburtstag. Wir beschränken uns und werden unter Designern inzwischen empfohlen. Das ist ganz wichtig.“

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