Wohnen : Knick und Vogel Ein Alkoven als Nachttischhockerlampe

Grégoire de Lafforest ist mit seinen Möbeln immer für eine Überraschung gut.

Das Regal „Tolbiac“ (ligne roset) mit seinem charakteristischen Knick wirkt dadurch skulptural.
Das Regal „Tolbiac“ (ligne roset) mit seinem charakteristischen Knick wirkt dadurch skulptural.

Bücher stehen in der Regel im Regal an der Wand. Eine klare Sache. Vielleicht verläuft das Regal auch über Eck – aber auch dann gilt: immer an der Wand lang. Grégoire de Lafforest geht mit seinem Regal „Tolbiac“ (ligne roset) einen mutigen Weg. Der untere Teil des Regals knickt leicht ab und ragt treppenartig aus der Flucht. Die oberen drei Böden verlaufen klassisch an der Wand entlang, während die unteren Böden einen leichten Knick haben, der die Böden wie eine Treppe nach vorne staffelt. Dadurch bekommt auch eine Seitenwange, die die Regalböden hält, einen entsprechenden Knick.

Das Regal hat etwas Skulpturales. Natürlich entsteht keine begehbare Treppe. Der Knick hat auch keinen erkennbaren Nutzen, aber Tolbiac setzt in einem großen Raum einen gewissen Akzent und verwandelt so das Bücherregal in mehr als einen Aufbewahrungsort für Literatur. Der Knick ist rechts oder links erhältlich. In der Breite misst das Regal 75 oder 131 Zentimeter. Die Höhe kann 215 oder 260 Zentimeter betragen. Das Regal ist anbaufähig.

Grégoire de Lafforest hat Innenarchitektur und Design an der privaten Designhochschule ESAG Penninghen in Paris studiert und danach für Firmen wie Cartier und Hermès gearbeitet.

Er hat eine Vorliebe für ungewöhnliche Möbel. „Archibird“ (ateliers Seewhy) zum Beispiel ist einmal eine Konsole, auf der man einiges abstellen kann, erinnert an einen Tisch, ist aber auch ein Vogelkäfig. Damit wahrscheinlich der erste Vogelkäfig, der als Möbel erscheint. Von weitem sieht „Archibird“ aus wie ein filigraner Tisch, auf dessen Platte drei Glaskuppeln ruhen, in die jeweils Zweige hineinragen.

Unter der Tischplatte hängt praktisch ein rechteckiger Käfig mit abgerundeten Ecken. In diesem Käfig, der durch senkrecht gespannte Aluminiumseile gebildet wird, steht der künstliche Baum, der durch drei große runde Öffnungen in die Glaskuppeln ragt. So gesehen haben die Vögel mehr Platz als in einem klassischen Vogelkäfig. Ob sie wirklich immer den Ausflug in die obere Etage unter die Glasglocken wagen, ist offen. Wenn sie dort oben ruhig sitzen, sehen sie aus wie ausgestopft. Ein Möbel mit Innenleben, im wahrsten Sinn des Wortes.

In der Bodenplatte ist am Fuße des Stammes eine kleine Mulde eingefräst für das klassische Vogelbad. Für die Nahrung hat der Designer kleine Blätter wie Löffel in den Baum gesetzt, die man mit Futter füllen kann. Zur Reinigung des Käfigs kann man einfach ein Gittersegment herausnehmen, es sind insgesamt vier Teile angebracht. Ein extravagantes Möbel, das Platz zur Wirkung braucht und wegen des hellen Bodens auch konstante Pflege nötig hat. Vielleicht doch eher eine ausgefallene Idee als ein praktisches Möbel?

Mindestens so ungewöhnlich, aber vielleicht praktischer ist seine Lampe „Félix“, die eigentlich eine Kombination aus Nachttisch und Lampe ist. Grégoire de Lafforest nennt seine Lampe einen Lichtalkoven. Über einen dreibeinigen Hocker wölbt sich zur Hälfte eine halbe hohe Kuppel, in die eine zweite Hälfte eingebaut ist. Der Alkoven wird indirekt beleuchtet, sodass das Licht in der Kuppel geborgen bleibt und nicht ins Zimmer streut, sondern nur zur offenen Seite hin leuchtet. Mit der zweiten Hülle lässt sich der Alkoven weiter schließen und damit den Lichteinfall verringern. Ein ungewöhnliches Möbel, das aber leider nur als Prototyp existiert und noch auf einen Hersteller wartet. Aber es zeigt die ungebremste Fantasie und Kreativität von Grégoire de Lafforest.

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