Maritime Möbel : Meer als Fantasie

Maritimer Einrichtungsstil mit Unikaten von der Küste.

Reinhart Bünger
Holzauge sei wachsam. Beifang als Blickfang von Manunatura Foto: Manunatura
Holzauge sei wachsam. Beifang als Blickfang von ManunaturaFoto: Manunatura

Segelschiffmodelle als Wetterfahnen, blau bemalte Holzmöwen fürs Sideboard, Deckstühle aus Teakholz und Messing für den Garten – maritime Möbel und Accessoires im Vintagelook haben längst auch das Binnenland überschwemmt. Vieles in dieser Richtung kommt inzwischen aus China und korrespondiert mit maritimer Outdoorkleidung von Anbietern wie Sealand, Landsend & Co.: So eingerichtet und ausgestattet trotzen Groß- und Kleinstädter naturnah den Gewalten, die sie einengen.

Unter diesen Vorzeichen können Bretter, die die Welt bedeuten, auch Schiffsplanken sein: „Shipwood“ heißt zum Beispiel eine Kollektion, die der Möbeldesigner Logan Komorowski von LDK mit Fug und Recht als nachhaltig labeln kann. Auf den Flüssen im Süden von China fand der Neuseeländer ausgediente Fischerboote, die er aufkaufte, um daraus Möbel herzustellen. Unikate aus Teakbäumen oder Douglasien, die mit ihren Unebenheiten Geschichten erzählen – zum Teil stammen sie sogar noch aus der Qing-Dynastie Anfang des 20. Jahrhunderts.

Kommode im Retrolook der 60er. Das Holz ist noch älter (Shipwood). Foto: promo/Shipwood
Kommode im Retrolook der 60er. Das Holz ist noch älter (Shipwood).Foto: promo/Shipwood

Mit dem Gedanken, Ausgedientem ein zweites Leben einzuhauchen, ist auch die Norddeutsche Tanja Ingwersen unterwegs. Sie sammelt mit ihrem Bollerwagen an der Westküste Dänemarks Nordsee-Treibholz und verarbeitet ihr Handgelesenes zu hochwertigen Design-Unikaten: zu Bilderrahmen, Tischen, Leuchten, Wanddekorationen und Skulpturen. „Wir sehnen uns nach den naturnahen, einfachen Dingen, die ruhig unperfekt sein dürfen“, hat die Schleswig-Holsteinerin beobachtet.

Was Ingwersen seit sechs Jahren unter ihrem Label Manunatura schafft, ist strömungsabhängig – so oder so: Es wird nämlich nur an bestimmten Strandabschnitten immer wieder einmal etwas angespült. Vor allem bei Westwind. Bei der Gestaltung der Fundstücke muss sich die Schatzsucherin dann treiben lassen. Weil sie ihre Werke als Ergebnis von Nehmen und Geben sieht, spendet Tanja Ingwersen einen Teil ihrer Verkaufserlöse an die Umweltorganisation Greenpeace. „Das ist so etwas wie ein Materialkostenausgleich: Ich gebe, weil ich nehme.“

Den passenden Hintergrund für alles Maritime hat der Berliner Matthias Gerber in seinem Laden „Extratapete“ in Kreuzberg parat. Zwar produziert der Grafikdesigner jährlich eine neue Kollektion mit einer Vielzahl von Mustern, doch ohne die Weltkartenmotivtapete „St. Maria“ würde er wohl Schiffbruch erleiden. Wer sich an dieser Tapete satt gesehen hat, ist jedenfalls definitiv reif für die Insel. Es müssen ja nicht die Azoren sein.

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