Porzellan : Transparenz und Licht

Ein Klassiker wird zeitgenössisch: Cordula Kafka bringt Porzellan zum Leuchten und schafft so eine sinnliche Atmosphäre.

Violeta Berisha
Kugel aus unglasiertem Hartporzellan mit Sockel an der Wand befestigt oder als Pendelleuchte: Modell "trou".
Kugel aus unglasiertem Hartporzellan mit Sockel an der Wand befestigt oder als Pendelleuchte: Modell "trou".Foto: promo

Transparenz ist das herausragende Merkmal von Porzellan. Es ist außerdem sehr hart, dadurch extrem belastbar, lässt sich dünn gießen und ist nach dem letzten Brand äußerst stabil. Porzellan ist primär aus dem Gefäßbereich bekannt, seine Verbindung mit Licht ist außergewöhnlich. Die Designerin Cordula Kafka nutzt die durchscheinende Qualität von Porzellan für ihre Sonderleuchten und Kleinserien und bietet individuell angefertigte Lösungen. Die Beschaffenheit und Qualität unterschiedlichster Materialien habe sie schon immer interessiert, vor allem in Bezug auf ihre Funktionalität und Transformation.

Als ausgebildete Bildhauerin arbeitete die gebürtige Gladbacherin zunächst am Theater in Bochum. An der Kunsthochschule in Berlin-Weißensee studierte sie anschließend das Fach Keramik und näherte sich mehr und mehr dem Material Porzellan. Während Keramik immer opak ist, faszinierte sie die Transparenz von Porzellan. In einer traditionellen Porzellanmanufaktur erlernte sie alte Techniken, wie die sogenannte Lithophanie, eine Porzellan-Verarbeitungstechnik aus dem 19. Jahrhundert. Dafür wird der dünne Werkstoff reliefartig bearbeitet, durch Lichteinfall bilden sich Kontraste, die eine plastische Wirkung erzeugen.

So ist das Porzellan unterschiedlich dick und lichtdurchlässig, was insbesondere bei einer Beleuchtung von hinten interessante Effekte erzeugen kann. Die Kombinationsmöglichkeiten mit Porzellan sind sehr gering, daher setzt die Designerin in ihren Leuchtserien ganz auf die Methode des Addierens unterschiedlichsten Materials wie Papier, Plastik, Holz oder Glas. Ihrer Herkunft aus der Bildhauerei und ihrer Plastik- und Skulptur-Arbeit am Theater verdankt sie es, dass sie sich angstfrei diesem Material nähern konnte, erzählt sie.

Ein Material mit Gedächtnis

„Dadurch habe ich Sachen ausprobiert, die ein Keramiker so nicht machen würde, weil er genau weiß, dass es nicht geht“, beschreibt Cordula Kafka vor allem ihre anfänglichen Modelle. Sicherlich sei viel zu Bruch gegangen, aber Scherben bringen bekanntermaßen Glück. Heute arbeitet Cordula Kafka in ihrem eigenen Atelier in Berlin-Kreuzberg. Hier entwirft sie all ihre Modelle und hier werden sie auch zum großen Teil produziert. „Den ersten Brand mache ich in meinem Elektroofen bei 1100 Grad. Der finale Brand bei 1400 Grad findet dann anschließend in einer Porzellanmanufaktur statt.“

Die Designerin Cordula Kafka interessiert vor allem der Material-Mix.
Die Designerin Cordula Kafka interessiert vor allem der Material-Mix.Foto: promo

Am Anfang ihrer Arbeit steht die Idee, die sie dann als Skizze zu Papier bringt. Unzählige hat sie schon entworfen und gesammelt. Skizzen zu kleinen Einzelmodellen ebenso wie solche für große Installationen in Kombination mit anderen Materialien. Die ersten Modelle, die Basisformen, werden zunächst in Gips gedreht. Hier profitiert Cordula Kafka aus ihrer Zeit am Theater, als sie viele Plastiken anfertigte. Oft stößt sie mit ihren Skizzen und Ideen schnell an ihre Grenzen, denn etliches lässt sich mit Porzellan beim besten Willen nicht verwirklichen.

Eine besondere Schwierigkeit des Werkstoffs zeigt sich während des Brennens, da das Porzellan dann wieder weich wird. Die gewünschte Form kann ausbeulen oder gar zusammenfallen. „Porzellan ist kein Material, und das finde ich ein bisschen schade, mit dem man einfach ein bisschen rumspinnen kann, was mit Ton viel besser funktioniert.“ Aber gerade in diesem scheinbaren Mangel liegt der Reiz für Cordula Kafka.„Es ist ein Material mit Gedächtnis, merkt sich jeden Fehler während der Verarbeitung und fördert diesen spätestens nach dem letzten Brand wieder zu Tage.“

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