Quadratrundtisch : Na also, klappt doch

Max Bill, der berühmte Bauhausschüler, war Meister reduzierter Gestaltung. Nun feiert sein "Quadratrundtisch" ein großes Comeback.

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Der flexible "Quadratrundtisch" von 1949 wird aus Ahorn gefertigt und für wb form wieder hergestellt.
Der flexible "Quadratrundtisch" von 1949 wird aus Ahorn gefertigt und für wb form wieder hergestellt.Foto: promo

Die Großen seiner Zeit hatte er bei seinem Studium in Dessau am Bauhaus kennengelernt: Josef Albers, Wassily Kandinsky, Paul Klee, László Moholy-Nagy und Oskar Schlemmer waren von 1927 bis 29 seine Lehrer. Eine Zeit, die Max Bill nachhaltig geprägt hat. Das 1908 in Winterthur geborene Multitalent hatte zuvor von 1924 bis 27 eine Silberschmiedelehre an der Kunstgewerbeschule in Zürich absolviert. Nach seiner Dessauer Zeit arbeitete Bill in Zürich als Maler, Grafiker, Architekt, Gestalter und Kunsttheoretiker.

1930 trat er dem Schweizer Werkbund bei, eine richtungsweisende Entscheidung. Er hielt sich fortan öfter in Paris auf und schloss Freundschaft mit Hans Arp, Piet Mondrian und Auguste Herbin, gründete die Künstlergruppe allianz und veranstaltete 1944 eine internationale Ausstellung konkreter Kunst. Prägend ist 1944 bis 45 ein Lehrauftrag für Formlehre an der Kunstgewerbeschule in Zürich. 1950 war Max Bill Mitbegründer der Hochschule für Gestaltung in Ulm. Er entwarf deren Gebäude und wirkte von 1952 bis 56 als Rektor.

Spätestens mit seinem Posten als Rektor der legendären Ulmer Hochschule für Gestaltung (ab 1952) und Leiter der Abteilungen Architektur und Produktform werden Gebrauchsmöbel wichtig für ihn. Max Bill versucht in Ulm an die Traditionen des Bauhauses anzuschließen. Sein schlichter „Ulmer Hocker“ ist längst ein Designklassiker – in der Zeit des Wirtschaftswunders und des Gelsenkirchener Barocks durchaus eine klare Aussage für zeitgemäße Gestaltung. Der Hocker ist auch heute noch ein gefragtes Möbel.

Quadrat oder Kreis?

Zu seinen praktischen Möbeln gehört ebenso der „Quadratrundtisch“ von 1949, der schon im Namen scheinbar Unmögliches möglich macht – aus der Quadratur des Kreises wird ein Tisch mit flexibler Oberfläche für verschiedene Gelegenheiten. Er wurde jetzt für wb form, eine Schwesterfirma des Schweizer Unternehmens wohnbedarf, neu aufgelegt.

Hier der Tisch ausgeklappt.
Hier der Tisch ausgeklappt.Foto: promo

Quadrat oder Kreis? Für Bill sind beide gute, ehrliche Formen. Kombiniert ergeben sie ein pfiffiges Möbel, das je nach Bedarf die Tischfläche vergrößert oder verkleinert und somit mehr Personen Platz am Tisch bietet. .

Der große, runde Tisch auf vier schräg gestellten Beinen aus Ahornholz zeigt auf der Platte die feinen Linien eines Vierecks. Sie markieren die Stelle, an der man die Rundungen herunterklappt und mithilfe von Magneten und einem kleinen Dreh der Platte arretiert – fertig ist der kleinere quadratische Tisch. Die Tischplatte ist mit schwarzem Linoleum beschichtet, das gerade gegenüber Fett und Flüssigkeiten sehr widerstandsfähig ist, zudem antibakteriell und biologisch abbaubar. Das feine helle Quadrat, das beim runden Tisch auf der Platte sichtbar ist, erinnert auch an Bills abstrakte, konkrete Malerei. Der Tisch ist aus Ahorn gefertigt und in Natur oder schwarz lackiert lieferbar.

Gerade in den Jahren des Wiederaufbaus waren praktische, funktionale Möbel für kleine Wohnungen eine Herausforderung. Mit seinem Entwürfen kommt Max Bill genau diesem Bedürfnis entgegen.

Gute Form ist zeitlos

Als passenden Stuhl entwarf Bill 1952 den „Kreuzzargenstuhl“, der ebenfalls von wb form wieder aufgelegt wird. Der Stuhl wird in der Mitte von gekreuzten Streben unterstützt. Die Kreuzzargenverbindung für das Sitzmöbel wurde von Max Bill extra für dieses Objekt entworfen. Die schwarz lackierten Beine verjüngen sich und sind, dem Geschmack der Zeit entsprechend, leicht ausgestellt. Im starken Kontrast dazu zeigen sich die geschwungene Rückenlehne und die ergonomisch gewölbte Sitzfläche, beide aus Buchenformsperrholz. Der Stuhl ist aber auch naturbelassen oder schwarz lackiert erhältlich. Das Sitzmöbel wurde in den 50er Jahren mehrfach ausgezeichnet – die Wiederauflage beweist, dass eine gute Form zeitlos schön ist.

Die Schweizer Firma wohnbedarf wurde 1931 gegründet und setzte sich sehr schnell für Wegbereiter der Moderne wie Alvar Aalto, Marcel Breuer, Le Corbusier und eben Max Bill ein. Nachhaltigkeit, Qualität, Form und Funktion sind nach wie vor wichtige Kriterien. Unter dem Label wb form werden seit 2011 Reeditionen aufgelegt beziehungsweise Entwürfe von zeitgenössischen Designern produziert, wie etwa Shigeru Ban und BassamFellows, um nur einige zu nennen. So lebt die Tradition fort.

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