Schieferdesign : Eine Denkaufgabe

Schiefer ist ein faszinierender Werkstoff und eignet sich für weit mehr als Dach und Wand. Der Künstler Lutz Kommallein entwirft daraus neben Skulpturen und abstrakten Objekten auch anmutige Wohnmöbel für innen und außen. Die ausgefallenen Designerstücke bestechen durch ihre Schlichtheit, geometrische Formgebung und sanfte Rundungen.

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Seit 20 Jahren arbeitet Lutz Kommallein als freischaffender Bildhauer. In seinem Atelier in Ringenwalde (Uckermarck) gestaltet er grazile Skulpturen und faszinierende Möbel aus hauchdünnem schichverleimten Schieferplatten.
Seit 20 Jahren arbeitet Lutz Kommallein als freischaffender Bildhauer. In seinem Atelier in Ringenwalde (Uckermarck) gestaltet er...Foto: Mike Wolff

Der erste Eindruck trügt. „Keine Sorge, sie bricht nicht. Es können sich ruhig mehrere Leute draufsetzen“, sagt Lutz Kommallein und klopft einladend neben sich auf die Bank. Dabei wirkt sie so zerbrechlich. „Schiefer ist ein robuster Stein, äußert belastbar und vielseitig“, versichert der 61-Jährige. Im Prinzip könne man fast alles damit bauen, wie mit Holz. Bisher hätten aber nur wenige die Möglichkeiten des Materials ausgelotet.

Lutz Kommallein ist einer dieser wenigen. Aus dünnen Schieferplatten, die in der Regel für Dächer, Wandverkleidungen und Fensterbänke verwendet werden, fertigt der freischaffende Künstler abstrakte Wandobjekte und eindrückliche Skulpturen, die etwa als grazile, archaische Stäbe Frauenfiguren nachahmen. Verletzlich und kraftvoll zugleich bezaubern sie durch ihre sinnliche und klare Wirkung.

Kein Wunder, dass auch Kommalleins Möbel, meist als Hohlkörper konzipiert, eher wie feine Plastiken anmuten: schlichte, geometrische Bänke und Tische, sacht geschwungene Schaukelliegen, die einer Mondsichel ähneln oder edle Sitzgelegenheiten und elegante Waschtische, mit Seitenwänden dünn wie ein Blatt Papier.

Gemütlich wie ein Sitzkissen

Der widerspenstige Werkstoff sorgt eben für überraschende Ergebnisse. Angst habe Kommallein jedenfalls vor keiner Form. „Ich kann mittlerweile selbst komplizierte Rundungen bewältigen.“ Durch kühne Schwünge fällt vor allem ein Entwurf auf: eine Liege mit Hocker, die der Designer liebevoll „mein Sternengucker“ nennt. Es ist ein außergewöhnlicher Schiefersessel. Von der Seite betrachtet hat er die Form einer sanften Welle, die sich oben angenehm dem Rücken anschmiegt und unten mit zwei scharfen Kanten zu Boden läuft.

Der Sternengucker: Kommallein kann mit Schieferplatten selbst komplizierte Rundungen bewältigen.
Der Sternengucker: Kommallein kann mit Schieferplatten selbst komplizierte Rundungen bewältigen.Foto: Mike Wolff

Ein rundes Schieferpouf gesellt sich dazu. Und kommt so gemütlich daher, wie ein richtiges Sitzkissen. Perfekt, um Beine hochzulegen und in den Sternenhimmel zu schauen. Um solche spannenden Linien zu erzeugen, musste der gelernte Bildhauer allerdings viele Jahre tüfteln. „Ich arbeite schon ewig daran“, sagt er und zieht ruhig an seiner Zigarette.

Seit 20 Jahren ist Kommallein als freischaffender Bildhauer tätig. Nach einer Lehre als Schmied und Restaurator studierte er Plastik an der Kunsthochschule in Berlin Weißensee. Kurz darauf gründete er eine Künstler-Gemeinschaft in der Oderberger Straße im Prenzlauer Berg. „In der Nähe meines damaligen Ateliers wurde mal ein Dach abgedeckt“, erzählt er. Ein Haufen alter Schieferplatten lag auf dem Gehweg. „Ich bin daran vorbeigeschlichen und habe so viel mitgenommen, wie ich tragen konnte“, sagt Kommallein schmunzelnd.

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