Zeitung im Salon am 11. Dezember : Wenn Enten lügen

Fake News gab's auch schon vor 150 Jahren: Klaus Stuttmann blickt im Tagesspiegel-Salon auf das Jahr 2017 zurück - und auf die Geschichte der politischen Karikatur.

Bildexperten. Leonore Koschnick, Kuratorin im Deutschen Historischen Museum, führt Klaus Stuttmann durch die Ausstellung „Gier nach neuen Bildern“.
Bildexperten. Leonore Koschnick, Kuratorin im Deutschen Historischen Museum, führt Klaus Stuttmann durch die Ausstellung „Gier...Foto: Lars von Törne

Die „Enten von Wien“: Das sind zwei Männer mit Entenköpfen, die Fake News verkaufen – gut 150 Jahre vor der Erfindung des Wortes. Eine Karikatur aus dem Jahre 1859 zeigt die beiden Gestalten, wie sie auf einem Wiener Jahrmarkt mit Bildern von österreichischen Heldentaten handeln – obwohl Österreich gerade erst die Schlacht von Magenta verloren hat. Hauptsache, die Bevölkerung glaubt’s: Wir sind die Größten! Kennt man irgendwoher.

Gier nach neuen Bildern

Die Lithografie mit den „Enten von Wien“ ist eins von rund 180 Bildern, die seit Ende September im Deutschen Historischen Museum zu sehen sind. In der Ausstellung „Gier nach neuen Bildern: Flugblatt, Bilderbogen, Comicstrip“ werden die Vorläufer der Pressefotografie und der modernen politischen Karikatur präsentiert – also auch die Vorläufer von Tagesspiegel-Karikaturist Klaus Stuttmann. Denn letztlich stehen die politischen Karikaturisten und auch Pressefotografen von heute in der Tradition jener wandernden Bilderverkäufer und Bänkelsänger, die in früheren Jahrhunderten Nachrichten überbrachten und die „Gier nach neuen Bildern“ befriedigten.

Enten, die lügen: Klaus Stuttmann muss lachen. Die weit aufgerissenen Schnäbel der betrügerischen Zeitungsverkäufer erinnern ihn an seine eigenen Trump-Karikaturen. Im Jahr 2017 hat der vielfach preisgekrönte Karikaturist gefühlt mindestens einmal pro Woche den amerikanischen Präsidenten mit Entenschnabel gezeichnet: Trump, wie er ein Softeis schleckt („In der Arktis schmilzt das Eis? Bei uns doch auch – das ist normal!“), Trump, wie er sich bei Erdogan bedankt („Sie schmeißen die Journalisten also einfach so ins Gefängnis?! Fantastisch! Von Ihnen kann unsere Demokratie noch viel lernen!“) oder Trump, wie er sich über die Rassisten des Ku-Klux-Klan freut („Die haben mich gewählt? Tolle Leute! Super Amerikaner!“).

Historische Tiefenschärfe

Auf dem Cover von Stuttmanns Jahresrückblick 2017 ist daher – anders als in den zurückliegenden Jahren – nicht Angela Merkel abgebildet, sondern der entenköpfige twitternde Trump. Der Titel des Bandes mit den 200 besten Karikaturen des Jahres lautet passend dazu „Alles Fake!“ Klaus Stuttmann wird das Buch am 11. Dezember im Tagesspiegel-Salon präsentieren – wie immer im Gespräch mit Tagesspiegel-Redakteur und Comic-Experte Lars von Törne. Diesmal allerdings mit mehr historischer Tiefenschärfe: Denn die beiden werden sich das Podium mit Leonore Koschnick vom Deutschen Historischen Museum teilen. Die Leiterin der Abteilung Angewandte Kunst und Grafik hat die Ausstellung „Gier nach neuen Bildern“ zusammen mit Benjamin Mortzfeld kuratiert.

Am häufigsten hat er Trump und Erdogan gezeichnet

Der Blick in die Geschichte ist vergnüglich und aufschlussreich, wie sich bei einer Führung durch die Ausstellung zeigt. „Die Zeichner haben von Anfang an zu sehr drastischen Mitteln gegriffen“, sagt Leonore Koschnick und zeigt auf Holzschnitte aus der Werkstatt Cranach, die, ganz im Geiste der Reformation, den Papst und die Kardinäle verhöhnen. Unter anderem zeigen die Bilder Bauern, die vor dem Papst auf den Boden scheißen – auch das ein Motiv, das sich durch die Geschichte zieht: Stuttmann zeigt in einer Karikatur vom Februar 2017, wie Erdogan sich auf einer Zeitung erleichtert, symbolisch für die Abschaffung der Pressefreiheit. Nach Trump ist Erdogan der Politiker, den Stuttmann 2017 am häufigsten karikiert hat, teilweise als osmanischen Sultan.

In der Ausstellung sind auch Bilderbögen zu sehen, die ein ganzes Jahr Revue passieren lassen, so wie es Klaus Stuttmann in seinen Jahresbänden tut. Ein Kupferstich zeigt etwa „Historische Denckwürdigkeiten des 1698sten Jahrs“. Satirisch ist der Bogen zwar nicht, aber er zeigt immerhin einen Vesuv-Ausbruch, eine Feuersbrunst in London und diverse Schlachten. Die Gäste des Salons werden nun mit Klaus Stuttmann auf das ebenfalls ereignisreiche Jahr 2017 zurückblicken und dabei etwas ganz Aktuelles erleben: Stuttmann wird wieder live zeichnen. Und wer weiß, vielleicht kommt dabei eine Ente heraus.

Wir verlosen Exemplare des Jahresbandes. Mitmachen können Sie bis zum 30. November hier, Stichwort Salon. Das Buch ist ab dem 1. Dezember erhältlich.

Zeitung im Salon mit Klaus Stuttmann, Leonore Koschnick und Lars von Törne. Montag, 11. Dezember, Beginn 19 Uhr, Infos und Anmeldung hier.

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Aktuelle Veranstaltungen im Tagesspiegel


  • 11. Dezember: Zeitung im Salon

    Klaus Stuttmann stellt seinen Jahresrückblick vor: "Alles Fake!" Mit Leonore Koschnick (DHM) und Lars von Törne. Beginn: 19 Uhr


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