THRILLER„Verblendung“ : Die Blumen des Bösen

Daniela Sannwald

Der alte Großindustrielle und Patriarch Henrik Vanger hat eine Sorge, die ihm seit über 40 Jahren das Herz schwer macht: Bei einem Familienfest in den Sechzigern ist seine Lieblingsnichte Harriet spurlos verschwunden. Jedes Jahr bekommt Vanger zum Geburtstag eine gepresste Blume geschickt, wie Harriet sie ihm als Kind schenkte. Er nimmt an, dass ein sadistischer Mörder, der ihm zusätzlich Qualen bereiten will, der Absender ist. Der aber kann nur aus dem erweiterten Familienkreis kommen, denn sonst hatte damals niemand Zugang zu dem Fest.

Henrik Vanger heuert den Enthüllungsjournalisten Mikael Blomkvist an, um eine letzte Anstrengung zu unternehmen, den Fall aufzuklären. Blomkvist beginnt mit seinen Nachforschungen im Dorf Hedeby, wo Teile der Familie Vanger leben. Plötzlich bekommt er mysteriöse Mails mit Recherchehinweisen, und schließlich gelingt es ihm, deren Absenderin zu identifizieren: Es ist Lisbeth Salander, eine beinahe autistisch wirkende Computerhackerin mit äußerst martialischem Auftreten. Gerade weil die beiden so unterschiedlich sind, funktioniert ihre Zusammenarbeit gut – beider Gespür und Methoden ergänzen sich, so dass sie schließlich einer weit zurückliegenden Mordserie auf die Spur kommen, die bis in die Gegenwart hineinreicht. Beinahe en passant begegnen ihnen alte und neue Nazis, böse und gute Anwälte, sadistische Frauenhasser und religiöse Fanatiker. Die friedliche parlamentarische Monarchie Schweden, so scheint es, ist voller Freaks.

Die Fans der Romanvorlage von Stieg Larsson wissen das natürlich, und auch die Bücher von Henning Mankell vermitteln nicht gerade den Eindruck, Schweden sei ein Paradies. Warum Millionen von Lesern und Zuschauern sich diese Sichtweise gern zu eigen machen, kann man nur vermuten: Vielleicht weil, wie auch in der Stieg-Larsson-Verfilmung die wunderbaren, weiten Landschaften, die vielen Küsten und Seen und die vielerorts vorhandenen niedlichen Holzhäuschen einen so idyllischen Hintergrund für die davor umso unerwarteter und fürchterlicher wirkenden Verbrechen abgeben? Oder weil die Ermittler mit ihren Stärken und Schwächen keine coolen Superhelden mit durchschnittlichen Eigenschaften sind. Das trifft natürlich nicht auf Lisbeth Salander zu, die im Film – und das kann keine einfache Aufgabe gewesen sein – hervorragend besetzt ist mit der 30-jährigen Noomi Rapace. Man kann sich auf die weiteren Filme der Trilogie freuen! Starke Romanverfilmung. Daniela Sannwald

„Verblendung“, SWE/D 2009, 153 Min., R: Niels Arden Oplev, D: Michael Nyqvist, Noomi Rapace

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