Tierkrankheit : Maul- und Klauenseuche: England verhängt Exportverbot

Rund sechseinhalb Jahre nach Ausbruch einer verheerenden Maul- und Klauenseuchen-Epidemie in Großbritannien ist das Virus in Südengland erneut aufgetreten. London verhängte ein umfassendes Exportverbot für Tiere und Fleisch.

LondonDie britische Regierung kam damit einem für Montag erwarteten EU-Exportverbot zuvor. Premierminister Gordon Brown versprach, es werde "alles unternommen, was in unseren Kräften steht", um eine erneute verheerende Epidemie zu unterbinden.

"Wir haben freiwillig eine Sperre für alle Exporte aus Großbritannien in alle Länder angeordnet. Dies schließt lebende sowie geschlachtete Tiere, Fleisch und Milch ein - und zwar mit sofortiger Wirkung", sagte eine Sprechrin des Agrarministeriums. Das Exportverbot gelte für alle Paarhufer, darunter Rinder, Schafe und Schweine. Die EU-Kommission hatte zuvor bereits Ausfuhrbeschränkungen für britische Fleischprodukte angekündigt. Über den Umfang soll am Montag entschieden werden. Japan gab ein Importverbot für britisches Fleisch bekannt.

Brown leitet Krisenkomitee

Die britischen Behörden arbeiteten "Tag und Nacht", um die Seuche einzudämmen, sagte Brown. Experten konzentrierten sich darauf, die Quelle des Virus zu finden. "Wir müssen der Seuche auf den Grund kommen und sie ausrotten." Das Krisenkomitee COBRA der Regierung werde alle erforderlichen Maßnahmen koordinieren. Das Komitee wird von Brown persönlich geleitet, der dafür seinen Urlaub abbrach.

Am Freitagabend war bei rund 60 Rindern eines Hofes in Wanborough die Maul- und Klauenseuche (MKS) festgestellt worden. "Wir haben umgehend die Tötung aller Rinder der Farm sowie die Verbrennung der Kadaver angeordnet", sagte Großbritanniens Chef-Veterinärin Debby Reynolds. Zugleich wurden im gesamten Land Transporte von Rindern, Schafen, Ziegen und Schweinen verboten. Zahlreiche Agrarmessen und Tierausstellungen wurden abgesagt. Das Gebiet rings um den betroffenen Bauernhof wurde im Umkreis von drei Kilometern abgeriegelt.

Bei letzter Epidemie sechs Millionen Tiere getötet

Der jetzige MKS-Ausbruch ist nach britischen Angaben der erste in Europa, seit sich die Seuche Ende Februar 2001 von einem Viehzuchtbetrieb aus auf ganz England sowie auf Teile Frankreichs und der Niederlande ausdehnte. Damals waren allein in England mehr als sechs Millionen Tiere getötet worden. Die EU-Kommission hatte seinerzeit sofort ein umfassendes Exportverbot für britisches Fleisch verhängt. Die Schäden für die britische Wirtschaft wurden auf 8,5 Milliarden Pfund (12,6 Milliarden Euro) geschätzt. Die MKS-Epidemie war im Januar 2002 von der EU-Kommission für beendet erklärt worden.

Derweil wurden alle Viehzüchter vom Landwirtschaftministerium aufgefordert, ihre Tiere genau zu beobachten und eventuelle Symptome der Krankheit einem veterinärmedizinischen Krisenzentrum zu melden. Die Inkubationszeit für MKS ist je nach Tierart unterschiedlich lang. Sie kann bei Rindern und Schafen bis zu sieben und bei Schweinen bis knapp zwei Wochen betragen. Für Menschen ist der Erreger ungefährlich. (mit dpa)