TIME Out : Der eitle Gockel und die Pitbulls

Matthias B. Krause über die Abkehr der Amerikaner von ihren Sporthelden

Matthias B. Krause

Alles ist weiß an Michael Vicks Anwesen in Smithfield, Virginia: die Zäune, die Außenwände, die breite Treppe zur Eingangstür. Nur wer die Moonlight Road ein bisschen weiter in den Wald hineingeht, sieht auch die anderen Gebäude, allesamt schwarz gestrichen. So werden sie von der Nacht verschluckt, wenn sie einem seltsamen Sport dienen, der in den USA verboten ist: Hundekämpfen. Dass auf dem Anwesen des Quarterbacks der Atlanta Falcons gegen hohe Wetten Pitbulls auf Leben und Tod kämpfen, gilt in den Augen der Ermittler als sicher. Offen ist, wie viel Vick davon wusste. Nichts, behauptet er, das sei offensichtlich ein Unternehmen einiger seiner Familienmitglieder und seiner Entourage gewesen.

Zu dumm, dass ihm praktisch niemand glaubt. In der amerikanischen Sportpresse wird er unisono für schuldig befunden, und man wird den Eindruck nicht los, dass da alte Rechnungen beglichen werden. Vick machte sich in den vergangenen Jahren vielfach unbeliebt, weil seine großmäuligen Versprechen nicht mit seinen mittelmäßigen Taten auf dem Football-Feld Schritt hielten. Den verärgerten Fans zeigte er schon mal den Stickefinger. In die Ermittlungen haben sich inzwischen auch die Bundesbehörden eingeschaltet, warum, ist dem lokalen Staatsanwalt schleierhaft. Er – genauso wie Vick schwarzer Hautfarbe – vermutet einen Fall von Rassismus.

Oder auf jeden Fall einen von Celebrity Justice, also einem Sonderrecht für Prominente. Nur, dass das im Augenblick nicht zu ihrem Vorteil gereicht, sondern die Justiz offenbar beschlossen hat, die öffentliche Erziehung der noch vor kurzem als Helden Gefeierten zu übernehmen. Das gilt für den Sport ebenso wie für die Gesellschaft (siehe Paris Hilton) oder die Politik (Lewis Libby).

Diese Entwicklung sollte sich LeBron James genau ansehen. Der Flügelmann, der gerade mit den Cleveland Cavaliers im NBA-Finale 0:2 gegen die San Antonio Spurs zurückliegt, hat für sein noch junges Leben als Ziel ausgegeben, der reichste Mann der Welt zu werden. Und der berühmteste. Größer noch als Michael Jordan. Dem allerdings ließen sie damals noch seine Affären, seine Wettskandale und seine dubiosen Verbindungen zur Unterwelt durchgehen. Wie es aussieht, hat der Wind sich gedreht.

An dieser Stelle erklären die US-Korrespondenten Matthias B. Krause und Sebastian Moll Phänomene aus dem nordamerikanischen Sport.