Der Tagesspiegel : Tod auf dem Gleis

In Lauchhammer wurden zwei 17-Jährige von einem Zug überrollt, der wegen Bauarbeiten umgeleitet worden war

Sandra Dassler

Lauchhammer. Die beiden 17-Jährigen hatten den Weg auf den Gleisen offenbar schon öfter benutzt. Nur so kann es sich der zuständige Polizeisprecher Peter Bönki erklären, dass die zwei Jungen weder auf das Geräusch des hinter ihnen herannahenden Zuges reagierten, noch auf die verzweifelten Hupsignale des Lokführers. „Es handelt sich um eine zweigleisige Strecke“, sagte Bönki dem Tagesspiegel: „Normalerweise fahren die Züge in Richtung Elsterwerda auf dem rechten Gleis. Durch eine Baumaßnahme wurde der aus Dresden kommende Güterzug aber auf die Nachbarschienen umgeleitet. Die Jungen dachten wahrscheinlich, der Zug würde an ihnen vorbeifahren. Ein tödlicher Irrtum.“

Das Unglück ereignete sich in der Nacht zum gestrigen Sonnabend kurz nach 1 Uhr auf der Strecke Ruhland–Elsterwerda im Landkreis Oberspreewald-Lausitz vor einem Bahnübergang in Lauchhammer-West. Die aus Lauchhammer-Mitte stammenden Jugendlichen sollen nach Polizeiangaben sofort tot gewesen sein. Sie waren einfach weiter gelaufen, bis die Lokomotive des in die gleiche Richtung fahrenden Zuges sie überrollte. Der Triebfahrzeugführer hatte zwar sofort eine Notbremsung eingeleitet, konnte aber trotz der relativ geringen Geschwindigkeit von 50 Stundenkilometern den aus Dresden kommenden Güterzug mit mehreren Schüttgutwaggons nicht mehr rechtzeitig zum Halten bringen.

Entgegen ersten Agenturmeldungen haben die Ermittler bislang keinerlei Hinweise darauf, dass die beiden 17-Jährigen betrunken waren. „Sie kamen nicht aus der Disko“, berichtete der Polizeisprecher: „Vielleicht wollten sie dorthin, aber wir wissen es nicht genau. Es gab jedenfalls keine Anzeichen dafür, dass sie getrunken hatten und deshalb nicht reagierten.“ Die Befragung von Eltern und Mitschülern hat nach Angaben der ermittelnden Kriminalbeamten auch keine Anhaltspunkte dafür ergeben, dass es sich um einen Suizid handeln könnte. Alle Umstände sprächen dagegen, hieß es.

Ein Sprecher des Polizeipräsidiums in Frankfurt (Oder) teilte mit, man habe nach der Bergung der Leichen sofort die Eltern der Jungen verständigt. In der Nähe des Bahnübergangs seien auch zwei Mountainbikes gefunden worden, die der Bruder eines Getöteten sofort erkannte. „Das eine Rad hatte einen Platten“, sagte Polizeisprecher Bönki: „Wahrscheinlich ließen die Jungen ihre Räder deshalb zurück und wollten sie auf dem Rückweg wieder mitnehmen.“

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