Der Tagesspiegel : Tod eines Italieners in Caputh: Mordprozeß

FRANK JANSEN

Duo soll Opfer verprügelt und in Havel gezerrt habenVON FRANK JANSEN POTSDAM. Mit einem der brutalsten Verbrechen dieses Jahres wird sich nun das Potsdamer Landgericht befassen.Am 22.Oktober beginnt vor der Jugendstrafkammer der Prozeß gegen zwei Männer, die im Februar in Caputh den Italiener Antonio Melis zusammengeschlagen und in die Havel geworfen haben sollen.Das Opfer ertrank und wurde erst einen Monat später gefunden.Inzwischen sind weitere grausige Details der Tat bekannt geworden.Unklar ist, inwieweit Fremdenfeindlichkeit eine Rolle gespielt hat. Den Angeklagten Andreas M.und Holger H.werden gemeinschaftlich begangener Mord und gefährliche Körperverletzung vorgeworfen.Die Staatsanwaltschaft Potsdam schildert den Tatverlauf so: Der 25jährige Maurer und sein 18jähriger Kumpan, ein Glaserlehrling, werden am Abend des 13.Februar in der Kellerbar des Hotels "Goldener Anker" von Melis provoziert.Vor dem Lokal artet der Streit zur Schlägerei aus.Aus einer Schreckschußpistole werden sieben Schüsse abgegeben; unklar ist allerdings, von wem.Nach "einer Vielzahl" von Faustschlägen und Tritten gegen Kopf und Oberkörper bleibt der 37jährige bewußtlos am Boden liegen.Aus Angst vor Strafe beschließt das Duo, den Italiener zu töten.Jedoch mißlingt der Versuch, Melis durch einen Messerstich in den Oberkörper ums Leben zu bringen.Die beiden Deutschen schleifen ihr Opfer zur 500 Meter entfernten Havel.Melis wird ins Wasser gezogen und ertrinkt.Am 14.März findet ein Fischer neben der Fähre von Caputh den Leichnam ­ er war in einer Reuse hängengeblieben. Andreas M.hat die Tat weitgehend gestanden.Holger H.sagt, er könne sich wegen Alkoholkonsums nicht mehr erinnern.Antonio Melis sei ebenfalls betrunken gewesen, heißt es bei der Staatsanwaltschaft.Auf die Frage nach einem Motiv für die Tat, weiß die Behörde keine Antwort, es gebe aber keinen Hinweis auf Fremdenfeindlichkeit.In Caputh erfuhr der Tagesspiegel jedoch, daß Andreas M.als Schläger galt, der ausländerfeindliche Sprüche von sich gab.Anlaß war offenbar der Streit um ein Mädchen, das ihm ein Kosovo-Albaner ausgespannt hatte.Der kräftige M.soll zudem einen Mann vom Personal der Fähre geschlagen haben, weil er ihn für "unsäuberlich" hielt. Obwohl der aus Sardinien stammende Melis in der Pizzeria neben der Fähre arbeitete und in der Kleinstadt bekannt war, ging nach seinem Verschwinden niemand zur Polizei.Auch die Chefin des Hotels "Goldener Anker" gab keine Vermißtenanzeige auf, obwohl Melis dort wohnte.Bei den Recherchen des Tagesspiegels verlangten nahezu alle Befragten, ihren Namen nicht zu erwähnen ­ aus Angst vor Andreas M.

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