Todesstrafe : Werden Hinrichtungen bald US-weit ausgesetzt?

Das Oberste Gericht der USA hat erneut die Exekution eines Häftlings blockiert. Damit wird ein landesweites Hinrichtungsmoratorium immer wahrscheinlicher.

WashingtonDer Supreme Court setzte die Hinrichtung des verurteilten Mörders Christopher Emmett im Bundesstaat Virginia nur vier Stunden vor dem geplanten Vollzug aus. Das berichtete die "Washington Post". Der Häftling hatte zuvor in einer Beschwerde bei der höchsten Instanz geltend gemacht, dass die Hinrichtung mit der Giftspritze extreme Schmerzen verursache und deshalb als grausame Strafe gegen die Verfassung verstoße.

Bereits zuvor hatte der Oberste Gerichtshof die Hinrichtung eines Gefangenen in Texas blockiert. Im kommenden Jahr will der Supreme Court anhand der Eingabe eines Häftlings in Kentucky grundsätzlich über die Zulässigkeit der Giftspritze entscheiden. 37 der 38 Bundesstaaten, in der die Todesstrafe vollstreckt wird, hatten sie bisher als Haupthinrichtungsmethode gewählt. Inzwischen haben aber bereits mehr als zehn Bundesstaaten die Exekutionen aufgrund gerichtlicher Eingaben von Häftlingen ausgesetzt.

Die "Washington Post" zitierte Experten mit den Worten, dass das Eingreifen der Obersten Richter praktisch ein US-weites Moratorium bis zu der endgültigen Entscheidung einläute. "Ich glaube, dass wir nur noch einige wenige Staaten sehen werden, die eine Ausnahme bilden wollen, wenn das (höchste) Gericht bereit zu sein scheint, sich einzuschalten und Hinrichtungen zu stoppen", sagte beispielsweise Jurist Douglas Berman von der Staatsuniversität Ohio. "Das ist ein de facto Moratorium."

1099 Hinrichtungen hat es seit Wiedereinführung der Todesstrafe in den USA im Jahr 1976 gegeben, davon 928 durch die Giftspritze. Zunächst wird den Todeskandidaten das Barbiturat Thiopental zur Betäubung eingespritzt, dann Pancuroniumbromid zur Lähmung der Muskeln mit Ausnahme des Herzens, das dann mit Kaliumchlorid zum Stillstand gebracht wird. Mehrere wissenschaftliche Studien aufgrund von Obduktionen haben ergeben, dass die verabreichte Dosis an Betäubungsmitteln oft zu gering ist und manche Gefangene bei vollem Bewusstsein langsam ersticken, ohne ihre Schmerzen herausschreien zu können. (mit dpa)