Der Tagesspiegel : Tödliche Begegnung in der Walpurgisnacht

Ein 17-Jähriger steht wegen Mordes vor Gericht. Das Motiv ist unklar

Sandra Dassler,Wolfgang Swat

Von Sandra Dassler

und Wolfgang Swat

Cottbus. Kathrin und Patrick lernten sich am Hexenfeuer kennen. Beide gerade 17 Jahre alt, beide auf der Suche nach etwas Spaß auf der diesjährigen Walpurgisfeier. Sie fanden sich offenbar nicht unsympathisch. Doch wenige Stunden später war Kathrin tot. Eine Frau fand die Leiche des Mädchens am Morgen des 1. Mai in einem Gebüsch im Cottbuser Stadtteil Schmellwitz. Einige Tage später nahm die Polizei Patrick als mutmaßlichen Täter fest.

Seit gestern steht der Schüler, der nie zuvor der Polizei auffiel oder als gewalttätig galt, vor der Jugendstrafkammer des Cottbuser Landgerichts. Der Prozess findet wegen des jugendlichen Alters des Angeklagten unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Der Staatsanwalt wirft Patrick L. gefährliche Körperverletzung und Mord vor. Wie schon bei den polizeilichen Vernehmungen sagte der Schüler nach Angaben einer Gerichtssprecherin gestern aus, dass er am Hexenfeuer etwa zehn Bier getrunken habe. Auf dem Heimweg sei er in eine Prügelei verwickelt gewesen. Kathrin, die ihn begleitete, habe laut geschrien. Um sie zum Schweigen zu bringen, hätte er ihr eine Ohrfeige verpasst. Trotzdem habe sie später mit ihm schlafen wollen. Als das „nicht klappte“, habe Kathrin wieder geschrien. Damit sie aufhöre, hätte er ihr den Mund zugehalten und sie gewürgt.

Der Staatsanwalt nimmt Patrick diese Version nicht ab. Er geht davon aus, dass der Junge das Mädchen sexuell bedrängte und es dann – zur Verdeckung dieser Straftat – tötete. Patricks Verteidiger Ralph Mayer hingegen glaubt dem Jungen, zumal dieser „außerordentlich unter der Tat leide“ und immer noch nicht begreifen könne, wie es dazu kam.

Unbegreiflich ist das Geschehen auch anderen. Patricks Mutter grübelt ständig darüber nach, was sie falsch gemacht hat. Die 38-Jährige glaubt nicht, dass sie und ihre Familie je mit der Sache fertig werden. Zu ihrem Sohn hält sie trotzdem, obwohl ihr der Gang in den Gerichtssaal gestern unendlich schwer fiel. Fassungslos sind nach wie vor die Klassenkameraden von Kathrin und Patrick. Erstere, weil sie nicht glauben können, dass das lebenslustige Mädchen tot ist. Letztere, weil sie Patrick so etwas nie zugetraut hätten.

Vorwürfe machen sich auch einige Anwohner, die in der Walpurgisnacht Schreie auf dem Platz vor der alten Kaufhalle hörten. Da es dort aber öfter zu lautstarken Auseinandersetzungen kommt, hatten sie nicht reagiert.

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