Der Tagesspiegel : Tornado auf Munitionssuche

RAINER W.DURING

Luftaufnahmen der Bundeswehr sollen Beräumung des zukünftigen Naherholungsgebietes Döberitzer Heide erleichtern / 50 000 Sprengkörper geborgenVON RAINER W.DURING DALLGOW/BERLIN.Die Bundeswehr hat am Dienstag erste Infrarot-Luftaufnahmen veröffentlicht, die helfen sollen, im Erdreich verborgene Blindgänger auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Döberitzer Heide (Landkreis Havelland) zu lokalisieren.Der Kommandeur der 3.Luftwaffendivision, Generalmajor Hans Jürgen Merkle, übergab dem Landrat des Kreises, Burkhard Schröder, 14 in Amtshilfe entstandene Negativrollen mit Fotos aus einem Tornado-Aufklärer.Bei der Räumung eines rund vier Kilometer langen Streifens in dem zukünftigen Naherholungsgebiet westlich von Berlin, auf dem ein Wanderweg entstehen soll, wurden bereits über 50 000 Munitions- und Sprengkörper gefunden.Ein Rückblick: Mittwoch, 15.April.Gleich hinter dem Berliner Ring bringt Hauptmann Christian Hempel vom Aufklärungsgeschwader 51 "Immelmann" seinen Tornado-Jet auf eine Flughöhe von 150 Metern.Für den Infrarotscanner, der im Aufklärungsbehälter unter dem Flugzeugrumpf zu surren beginnt, die optimale Arbeitshöhe.Das auf minus 196 Grad Betriebstemperatur gekühlte Präzisionsgerät mißt am Boden Temperaturunterschiede von bis zu 0,3 Grad.833 Meßstreifen werden so pro Sekunde aufgezeichnet und auf einen Negativfilm belichtet.Mit 750 Stundenkilometern rast der Tornado über die einsame Heidelandschaft.Ganze 45 Sekunden braucht er für einen knapp acht Kilometer langen Überflug, mit dem ein 500 Meter breiter Streifen erfaßt wird.Nach jeweils einer Kurve in größerer Höhe wiederholt sich die Szene seitlich versetzt in 14 Etappen.Nach der Rückkehr zum Heimatflugplatz Jagel bei Schleswig sind Hauptfeldwebel Frank Fehm und seine Kameraden von der Luftbildauswertung gefragt.Gemeinsam mit den Vertretern des mit der Altlastensanierung beauftragten Ingenieurbüros Döring nehmen sie eine erste Auswertung der Bilder vor, auf denen die Temperaturdifferenzen in unterschiedlichen Grautönen dargestellt werden.Ziel sei es nicht, einzelne Blindgänger auszumachen, sondern Verdachtsflächen durch die Lokalisierung früherer Gebäude, Geschützstellungen oder Schützengräben zu präzisieren, sagte gestern Generalmajor Merkle.Diese sind mit bloßem Auge meist nicht zu erkennen.Nebenbei wurde bereits eine illegale Müllablagerung entdeckt.Die Detailanalyse der Aufnahmen unterstützt Professor Wolfgang Spyra vom Lehrstuhl für Umweltwissenschaften der Technischen Universität Cottbus.Wie groß die Gefahr durch im Erdreich verborgene Sprengkörper ist, verdeutlicht Joachim Klinke, Geschäftsführer der Brandenburgischen Bodengesellschaft.Zu den brisantesten bisher gefundenen Stücken zählen 21 Minen, 83 Granaten und 36 Raketen.Für eine flächendeckende Räumung des 5000 Hektar großen Areals steht bisher kein Geld zur Verfügung.Bis 1999 soll ein erstes Wegenetz beräumt und freigegeben werden.

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