Der Tagesspiegel : Toter Junge in Tiefkühltruhe entdeckt

Ein grausiger Fund erschüttert Cottbus. Angeblich starb der Siebenjährige schon vor eineinhalb Jahren

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Cottbus Eineinhalb Jahre soll die Leiche eines kleinen Jungen in der Tiefkühltruhe seiner Eltern gelegen haben. Polizisten, die auf Antrag des Jugendamtes die Wohnung der zehnköpfigen Familie im Stadtteil Sandow durchsuchten, fanden das tote Kind am Montag.

Behörden, Stadtverwaltung, Nachbarn und viele andere Cottbuser Einwohner reagierten entsetzt, als die Nachricht gestern bekannt wurde. Erst am heutigen Mittwoch wollen Staatsanwaltschaft und Jugendamt auf einer gemeinsamen Pressekonferenz Auskunft über die bisherigen Ermittlungen geben. Zu viele Fragen seien noch ungeklärt, sagte ein Sprecher der Stadtverwaltung gestern dem Tagesspiegel. Fest steht bisher nur, dass der Junge 1995 geboren wurde. Seit etwa zwei Jahren ist er nicht mehr in der Schule oder anderswo gesehen worden. Mitarbeiter des zuständigen Jugendamts sollen sich mehrfach an die Eltern gewandt und nach dem Verbleib ihres Sohnes gefragt haben. Angeblich erhielten sie stets die Antwort, der Junge leide an Diabetes und befinde sich in einem Krankenhaus beziehungsweise in einer Kurklinik. Schließlich meldete das Jugendamt der Polizei das Verschwinden des Jungen. Wann genau, ist bisher nicht bekannt. Wieviel Zeit seit der ersten Nachfrage vergangen ist, konnte gestern auch niemand sagen.

Die Polizei nahm beide Eltern vorläufig fest, der Vater befindet sich seit gestern wieder auf freiem Fuß, die Mutter wird möglicherweise am heutigen Mittwoch entlassen. Denn bisher konnten keinerlei Anzeichen äußerer Gewalteinwirkung an der Leiche festgestellt werden.

Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft bestätigte dies gestern, sagte aber auch, die Eltern stünden unter Verdacht, ein Tötungsdelikt begangen zu haben. Noch sei unklar, ob es sich dabei um Totschlag, Körperverletzung mit Todesfolge oder unterlassene Hilfeleistung handele. Weitere Details wollte er nicht nennen, um die Ermittlungen nicht zu gefährden. Auch über die bei der Obduktion der Leiche festgestellte Todesursache äußerte er sich nicht. Die 43-jährige Mutter des Jungen soll ausgesagt haben, dass ihr Sohn bereits kurz vor Weihnachten 2002 gestorben sei. Sie habe ihn zunächst im Bettkasten und später in der Tiefkühltruhe versteckt.

Warum sie das tat, ist bisher genauso rätselhaft wie die Tatsache, dass das Verschwinden des Jungen von Jugendamt, Nachbarn und Freunden so lange unentdeckt blieb beziehungsweise toleriert wurde. In der Familie sollen sieben weitere Kinder im Alter von vier bis 20 Jahren leben.

Der Sprecher der Stadtverwaltung, Michael Schlick, sagte gestern, der Fall werde zur Zeit akribisch aufgearbeitet. Bislang seien jedoch keine Versäumnisse des Jugendamtes zu erkennen. Die Angaben der Eltern über den Aufenthaltsort des angeblich zuckerkranken Jungen seien glaubwürdig gewesen.

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