Der Tagesspiegel : Totes Baby im Chemieklo: Haftbefehl gegen Vater

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Stölln – Die Ermittler hatten den Fall längst aufgegeben. Die Frau zu finden, die vor zwei Jahren auf einem TranceMusik-Fest mit über zehntausend Besuchern ihr neugeborenes Baby in einer Chemietoilette sterben ließ, erschien nicht möglich. Auch ein Massen-DNA-Test mit 1700 Speichelproben hatte die Polizei nicht auf die Spur der Frau geführt. Jetzt hat die junge Frau aus Münster sich (wie berichtet) gestellt, mehr als zwei Jahre nach dem Fund des Babys im brandenburgischen Stölln. Aber damit war der Fall nicht beendet: Gestern erwirkte die Staatsanwaltschaft Münster auch einen Haftbefehl gegen den Freund der jungen Frau.

„Der 29-Jährige war die treibende Kraft, das Kind zu entsorgen“, sagte Oberstaatsanwalt Wolfgang Schweer. Von diesem Mann hatte sich die heute 19-Jährige vor vier Wochen getrennt, danach hatte sich ein erbitterter Streit um das Sorgerecht für das dreijährige Kind der beiden entwickelt. Schließlich ging die Frau in Münster zur Polizei und schüttete ihr Herz aus. Sie sei Anfang August 2002 mit ihrem Freund zum Musikfestival „Shiva Moon“ nach Stölln gefahren. Dort hätten dann, zwei Monate zu früh, die Wehen eingesetzt. Der kleine Junge sei dann in der Chemie-Toilette zur Welt gekommen. Ihr Freund, der bei der Geburt dabei war, habe sie dann massiv bedrängt, das Kind sofort in das Becken zu werfen. Dort war es am nächsten Tag von Putzfrauen gefunden worden, die damals 17-Jährige war zu dieser Zeit schon wieder auf dem Weg ins Münsterland. Deshalb konnte die Polizei sie auch nicht auf die Liste der Festivalteilnehmer setzen, die 1700 Frauen dieser Liste mussten später eine DNA-Probe abgeben.

Bei der Obduktion des kleinen Jungen war damals festgestellt worden, dass das Sieben-Monats-Kind lebensfähig gewesen wäre, es war in der Chemiebrühe ertrunken. Im Leichnam wurden Spuren der Droge Ecstasy nachgewiesen.

Während der 29-Jährige in Untersuchungshaft sitzt, wurde der Haftbefehl gegen die 19-Jährige nicht vollstreckt. Sie wohnt jetzt mit ihrem dreijährigen Jungen in einem Heim für junge Mütter. Ha

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