Der Tagesspiegel : Totes Baby im Kleidercontainer gefunden

Der Säugling lebte wahrscheinlich noch, als er in Fürstenwalde abgelegt wurde. Erst Tage später wurde das Kind entdeckt

Volker Eckert

Fürstenwalde. In Fürstenwalde ist am Donnerstagabend ein toter Säugling in einem Kleidercontainer in der Innenstadt gefunden worden. Ein Anwohner entdeckte das Baby, das sich in einer Plastiktüte befand. Als der Mann den Container öffnen wollte, ist es ihm offenbar entgegengefallen. Laut einer ersten Obduktion am Freitagmorgen hat das Mädchen wahrscheinlich noch gelebt, als es abgelegt wurde.

Die ersten Untersuchungen haben noch keine Sicherheit über die Todesursache gebracht. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft in Frankfurt (Oder) schloss aber gegenüber dem Tagesspiegel Gewaltanwendung aus. Am Körper des Babys seien keine Spuren von Gewaltanwendung zu finden gewesen. Insofern sei es gut möglich, dass es verdurstet oder erstickt ist. Gewissheit werde eine feingewebliche Untersuchung bringen.

Dabei soll dann auch das Alter des Säuglings geklärt werden, der aber wahrscheinlich schon an seinem ersten Lebenstag umgekommen ist. Unklar ist auch noch, wie lange das Mädchen schon tot war, als es gefunden wurde. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft sind aber wahrscheinlich mehrere Tage vergangen.

Die Polizei hat eine Einsatzgruppe mit dreizehn Beamten zur Aufklärung des Falls gebildet. Die Ermittlungen konzentrieren sich zunächst darauf, Krankenhäuser und Arztpraxen abzufragen. Man könne nicht unbedingt davon ausgehen, dass die Mutter in der Nähe des Fundortes wohne. Dagegen spreche auch die Nähe des Fundortes zum Bahnhof, sagte ein Polizeisprecher. Die Ermittler hoffen jetzt auf Hinweise von Zeugen. Bis zum Freitagnachmittag waren aber noch keine Hinweise eingegangen.

Über den Finder der Leiche wollte die Staatsanwaltschaft gestern keine Angaben machen. Zwar hat man sich dort offenbar schon über den Zeitpunkt des Fundes gewundert: Der Mann hat angegeben, dass er um 23 Uhr ein Paar Schuhe in den Altkleidercontainer werfen wollte. Ermittlungen in diese Richtung sind aber nach Wissen des Sprechers noch nicht angestellt worden.

Der Fundort der Leiche ist eine Wohngegend in der nördlichen Innenstadt von Fürstenwalde, geprägt von größtenteils sanierten Plattenbauten aus den Sechzigerjahren. Das Gebiet sei eigentlich kein sozialer Brennpunkt, wie es bei der Polizei heißt. In dem 35 000-Einwohner-Städtchen hat sich die Nachricht von dem grausigen Fund rasch verbreitet. Bürgermeister Manfred Reim kann wie viele seiner Mitbürger die Tat nicht begreifen: „Ein Kind einfach so abzulegen. Das ist entsetzlich.“

Hilfsangebote für Mütter in Not seien genügend da, sagt der Bürgermeister: Frauenhaus, Beratungsstellen, Sorgentelefon. Muss man jetzt zusätzlich über Babyklappen oder anonyme Geburt nachdenken? Einer Diskussion wolle er sich nicht verschließen, sagt Manfred Reim. Aber man müsse sich auch klarmachen, dass das in vielen Fällen auch nicht mehr helfe.

In der Praxis der Fürstenwalder Frauenärztin Margit Stenzel gab es am Freitag kaum ein anderes Thema. „Ich habe mich schon gefragt, ob das eine von meinen Patientinnen gewesen sein könnte“, sagt die Gynäkologin. Letztlich sei die Tat aber so schrecklich, dass man sie keinem Menschen wirklich zutrauen könne.

Auch Margit Stenzel hält die Hilfsangebote in der Stadt für ausreichend. Aber bei einer Kurzschlussreaktion würden die auch nicht mehr greifen. Gerade bei jungen Müttern fehle die Reife, mit der Verantwortung umzugehen. Und in ihrer Praxis hat es davon in den letzten Jahren immer mehr gegeben.

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