Toulouse : "Die Lage ist unter Kontrolle"

Wieder brannten Autos, wieder lieferten sich Jugendliche Straßenschlachten mit der Polizei. Dennoch verlief die dritte Pariser Krawall-Nacht in Folge ruhiger - dafür brannte es in Toulouse.

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"Gerechtigkeit und Wahrheit für Larami und Moushin". Jugendliche bei einem Schweigemarsch in einem Pariser Vorort. -Foto: AFP

Paris Nach neuen Krawallen in den Vororten im Norden von Paris haben starke Polizeikräfte in der Nacht mit ihrer Präsenz für gespannte Ruhe gesorgt. Gestern hatten Jugendliche bereits den dritten Abend in Folge randaliert. Unter anderem waren in Villiers-le-Bel und Goussainville etwa 20 Autos sowie mehrere Mülleimer in Flammen aufgegangen. 18 Randalierer wurden festgenommen. Auseinandersetzungen oder Verletzte gab es aber offenbar nicht. Mit dem Aufmarsch von rund 800 Polizeibeamten beruhigte sich die Lage bis zum frühen Morgen allmählich, berichtete der Sender LCI. Neun Jugendliche wurden festgenommen.

Auch die südfranzösische Stadt Toulouse wurde am Abend kurzfristig von den Unruhen erfasst. Dort steckten unbekannte Täter mehrere Autos in Brand. In einer Bibliothek sei ein Feuer gelegt worden, das jedoch umgehend gelöscht worden sei, sagte eine Rathaussprecherin. "Die Lage ist unter Kontrolle, wir müssen jedoch wachsam sein."

Jugendliche nahmen Streifenwagen die Vorfahrt

Auslöser der jüngsten Krawalle war der Unfalltod zweier Jugendlicher am Sonntag in Villiers-le-Bel. Der 15-jährige Mouhsin und der 16-jährige Lakamy waren auf einem nicht zugelassenen Mini-Motorrad mit Vollgas auf einer Kreuzung in einen Streifenwagen gerast. Jugendliche steckten daraufhin zwei Nächte in Folge Gebäude und Autos in Brand und lieferten sich Schlachten mit der Polizei. Mehr als 70 Polizisten wurden verletzt.

Die Ermittlungen ergaben inzwischen, dass die beiden Jugendlichen mit dem Mini-Motorrad die Vorfahrt missachtet hatten. Die vier Beamten seien - entgegen der Vorwürfe der Randalierer - bis zum Eintreffen der Rettungskräfte am Ort geblieben, sagte Staatsanwältin Marie-Thérèse de Givry.

Präsident Nicolas Sarkozy will heute einen schwer verletzten Polizisten in der Klinik besuchen und die Eltern von Mouhsin und Lakamy im Élyséepalast empfangen. Für den Vormittag wurde eine Krisensitzung des Kabinetts einberufen. Bei den großen Herbstunruhen 2005 hatte Sarkozy als damaliger Innenminister angekündigt, die Vorstädte "mit dem Kärcher (Hochdruckreiniger) vom Gesindel zu befreien". (ho/dpa)