Tour de France : Ein Ende des Schreckens ist nicht in Sicht

Die französische Anti-Doping-Agentur AFLD hat weitere Doping-Enthüllungen von der diesjährigen Tour de France angekündigt. Dem unter Dopingverdacht stehenden Stefan Schumacher muss sich indes auf die Aberkennung seiner Tour-Zeitfahrsiege einstellen.

Stefan Schumacher
Stefan Schumacher in Gelb bei der Tour de France. -Foto: dpa

HamburgDem krisengeplagten Radsport stehen weitere Schreckensmeldungen bevor: Die französische Anti-Doping-Agentur AFLD kündigte zweieinhalb Monate nach dem Ende der 95. Tour de France an, dass mit weiteren positiven Tests zu rechnen sei. "Wir sind bereits im Besitz ernstzunehmender Hinweise auf Fälle von Eigenbluttransfusionen. Um wen es sich handelt, werden wir wohl erst später sagen können", sagte AFLD-Präsident Pierre Bordry dem ZDF. Die Proben von insgesamt 30 Tour-Teilnehmern sollen nochmals untersucht werden - schon bald erstmals auch auf Eigenblut-Doping. Weitere Positiv-Befunde dürften die deutschen Radrennen, die nach einer dpa-Umfrage vom Mittwoch teilweise ums Überleben kämpfen, weiter gefährden.

Stefan Schumacher, der Doping stets bestritten hat, muss sich nach seinen beiden positiven A-Proben auf die Aberkennung seiner Tour-Zeitfahrsiege einstellen. "Es ist klar, dass wir diejenigen, die betrogen haben, nicht länger als Gewinner betrachten können", sagte Tour-Direktor Christian Prudhomme. Aber nur der französische Verband könne Schumacher sowie den Italienern Riccardo Ricco und Leonardo Piepoli, beide ebenfalls positiv auf CERA getestet, deren insgesamt fünf Etappensiege aberkennen. Die Ankündigung Bordrys, über die bisher bekannten Fälle hinaus seien weitere positive Testergebnisse zu erwarten, könnte die diesjährige Tour endgültig zur Makulatur werden lassen. Denn unter den Profis, deren Blutwerte nochmals überprüft werden, sollen Top-Platzierte der Gesamtwertung sein.

Tests für Eigenblut-Doping kommen

Derzeit suche man zwar nur nach CERA, sagte Bordry. "Aber bald schon können wir mit dem neuen Verfahren Eigenbluttransfusionen nachweisen, und wir werden dann auch damit nachtesten." Deutschland-Tour-Sieger Linus Gerdemann: "Ich bin froh, wenn reiner Tisch gemacht werden kann." Vor dem Start der Tour hatten die Kontrolleure bei 30 Fahrern auffällige Werte festgestellt. Bei einigen Teilnehmern hatten sich laut ZDF die Blutwerte während der Tour wieder normalisiert, bei anderen aber nicht. "Einige der verdächtigen Fahrer sind wieder zurück zu ihren normalen Werten gelangt. Wir waren aber überrascht zu sehen, wie schwach deren Leistungen dann waren", sagte Bordry.

Rad-Klassikern droht das Aus

Der jüngste Skandal gefährdet indes das Überleben einiger deutscher Rad-Klassiker. In diesem Jahr fielen bereits die Niedersachsen-Rundfahrt und die Rheinland-Pfalz-Rundfahrt dem "Rennen-Sterben" zum Opfer - weitere könnten folgen. Besonders die Zukunft der traditionsreichen Regio-Tour durch Südbaden und das Elsass sowie des Frankfurter Rennens "Rund um den Henninger Turm" ist unsicher. "Unter Umständen werden wir von der Bildfläche verschwinden", sagte Regio-Tour-Veranstalter Rudi Renz.

Die beiden positiven A-Proben des Nürtingers Stefan Schumacher seien "das i-Tüpfelchen auf die ganze Doping-Geschichte". Seinen Frankfurter Kollege Bernd Moos-Achenbach trifft der neueste Skandal "besonders hart", weil er gerade in "sehr aussichtsreichen Verhandlungen mit einem Sponsor" stehe.

Auch die Deutschland-Tour ist in ihrer Existenz bedroht. Sollte die ARD ihre Übertragung von der Frankreich-Rundfahrt einstellen, geriete auch die D-Tour in höchste Not. "Die Kritiker innerhalb der ARD kriegen Wind in die Segel, den Fürsprechern gehen eher die Argumente aus", sagte D-Tour-Direktor Kai Rapp. Der Wettbewerb "Rund um Köln" ist dagegen laut Organisator Artur Tabat "nicht akut gefährdet". (leu/dpa)