Tour de France : Klöden schwächelt, Winokurow abgeschlagen

Der Spanier Alberto Contador hat die erste Pyrenäen-Etappe der Tour gewonnen. Während der umstrittene Spitzenreiter Michael Rasmussen seine Führung auf die Verfolger um Andreas Klöden ausbauen konnte, ist Alexander Winokurow im Kampf um den Gesamtsieg endgültig abgeschlagen.

Andreas Zellmer,Esteban Engel[dpa]
Tour de France
14. Etappe: Alberto Contador (Discovery Channel/USA) vor Michael Rasmussen (Rabobank/Ned). -Foto: AFP

Plateau-de-Beille Der Tour blüht der Gesamtsieg des wie entfesselt fahrenden Michael Rasmussen, Andreas Klöden hat kaum noch Hoffnung auf Gelb und Alexander Winokurow erlitt fürchterlichen Schiffbruch: Die erste Pyrenäen-Etappe von Mazamet auf das Plateau de Beille sorgte für bedrückte Mienen bei den Organisatoren, große Enttäuschung beim Jan Ullrich-Freund Klöden und Trauer in Kasachstan. Rasmussen hat am Sonntag nach 197 Kilometern sein Gelbes Trikot eindrucksvoll verteidigt. Schon am Vortag beim Zeitfahren in Albi war der Spitzenreiter überraschend nicht in Gefahr geraten.

Der Spitzenreiter kämpfte bis zum letzten Meter, musste aber dennoch dem Spanier Alberto Contador auf dem 1780 Meter hohen Plateau an der Grenze zu seinem Heimatland den Vortritt zu seinem ersten Tour-Etappensieg lassen. Der nach seinen verpassten Doping-Kontrollen nur wegen unterschiedlicher Regelauslegung der Verantwortlichen noch im Rennen befindliche Rasmussen führt das Klassement nach der 14. Etappe jetzt mit 2:23 Minuten vor Contador, dem Träger des Weißen Trikot für den besten Nachwuchsfahrer, an. Hinter ihm rangiert der Australier Cadel Evans auf Rang drei (+3:04).

Der von Rang vier auf Platz fünf zurückgefallene Klöden hielt bis neun Kilometer vor dem Ziel mit den Besten mit. Dann war sein Wille gebrochen und seine Kraft zu Ende. "Das war heute sehr schwer. Unten am Berg hatte ich Schmerzen im Knie und ich bin meinen Rhythmus weitergefahren. Von 'Wino' habe ich nichts mitbekommen", sagte Klöden kurz nach der Zielankunft. "Das ist die Tour, da gibt es keine Geschenke. Ich denke eher an Morgen als an Paris", sagte Rasmussen unter Hinweis auf den erbitterten Kampf gegen Contador und seinen möglichen Tour-Gesamtsieg.

Rasmussen im Vorteil

Die kommenden beiden Pyrenäen-Etappen am Montag und Mittwoch - am Dienstag steht der zweite Ruhetag bevor - bevorteilen den hochgebirgserfahrenen Rasmussen weiter. Auch das letzte Zeitfahren am kommenden Samstag in Cognac braucht den spindeldürren Dänen nach dessen Gala von Albi nicht zu schocken. Damit droht der Tour ein ähnliches katastrophales Nachspiel wie im Vorjahr mit dem gedopten Floyd Landis, auf dessen Urteil die Radsport-Welt noch immer wartet. 60 Prozent der 36.167 von der "L'Équipe" befragten Leser waren für einen Tour-Ausschluss des Dänen.

Das 54 Kilometer lange Einzelzeitfahren am Samstag in Albi hatte einige Überraschungen parat: Rasmussen entpuppte sich fast als Spezialist und verlor nur 2:55 Minuten auf den wie entfesselt fahrenden Winokurow, der mit seinem ersten Tagessieg nach seinem schweren Sturz eine "Wiederauferstehung" feierte. Allerdings bezahlte der Kasache die flotte Fahrt mit einem Stundenmittel von über 48,6 Kilometern am Sonntag mit einem Einbruch. Schon an der vorletzten Steigung der 14. Etappe verlor er auf halber Höhe des Pailhères Boden und fiel weit zurück.

Winokurow ohne Chance

Im Ziel hatte er auf den Tagessieger mehr als 14 Minuten verloren und sich endgültig von seinen ohnehin nur noch vagen Hoffnungen auf den Toursieg 2007 verabschiedet. Ob sein Astana-Teamkollege Klöden in die Bresche springen kann, bleibt angesichts der starken Vorstellungen von Rasmussen und Contador fraglich. Klöden war im Zeitfahren nach einem Sturz unter seinen Möglichkeiten geblieben und nur auf Rang drei 1:39 Minuten hinter Winokurow gefahren.

Die vorletzte Tagessteigung, den 2001 Meter hohen Port de Palhèires, nahmen fünf Spanier in einer Ausreißergruppe in Angriff. Unweit ihrer Heimat kassierten sie den meisten Beifall der Zuschauer. Aber ihr Ausflug war erwartungsgemäß zeitlich beschränkt. Am 16 Kilometer langen Schlussaufstieg auf das Plateau schlug die Stunde der Klassementsfahrer, die in einer rund 30 Fahrer starken ersten Verfolgergruppe fuhren. Je höher die Fahrer kletterten, desto kleiner wurde die Gruppe.

Zu diesem Zeitpunkt waren die Topsprinter Tom Boonen im Grünen Trikot, der Milram-Kapitän Erik Zabel und auch Robert Förster vom Team Gerolsteiner schon weit abgeschlagen. Mit großem Rückstand passierte am Sonntag auch Tour-Debütant Linus Gerdemann, der vor achten Tagen das Gelbe Trikot für 24 Stunden tragen durfte, die Ziellinie.