Tour de France : Schleck verteidigt Spitzenposition mühelos

Das CSC-Team darf weiter hoffen. Frank Schleck fährt auch nach Etappe 16 weiter im Gelben Trikot. Der Tagessieg ging an den Franzosen Cyril Dessel, während Stefan Schumacher erneut mit einer starken Leistung auf sich aufmerksam machte.

Frank Schleck
Frank Schleck weiter in Gelb. -dpa

JausiersEinen Tag vor der Königsetappe nach L'Alpe d'Huez hat Frank Schleck seine Spitzenposition auf der vorletzten Hochgebirgs-Etappe der Tour de France ohne Probleme behauptet. Der 28-jährige Luxemburger geht am Mittwoch weiter mit sieben Sekunden Vorsprung auf den Gerolsteiner-Profi Bernhard Kohl auf die vorentscheidende Etappe in die 1850 Meter hohe Skistation, in der schon oft Tour-Geschichte geschrieben wurde.

Im Ziel der 16. Etappe in Jausiers taten sich die Favoriten am Dienstag nicht weh und verteidigten - bis auf den Amerikaner Christian Vandevelde und den Russen Denis Mentschow - ihr Terrain im Gesamtklassement. Den Tagessieg nach 157 Kilometern sicherte sich der Franzose Cyril Dessel, der vor seinem Landsmann Sandy Casar und dem Spanier José Arroyo den rasenden Spurt einer vierköpfigen Spitzengruppe in der Abfahrt vom Col de la Bonnette gewann.

Schumacher fuhr allen davon

Stefan Schumacher, der im ersten Drittel der Strecke attackiert hatte und über 70 Kilometer als Solist unterwegs war, fuhr auf Rang acht. Kurz vor dem letzten Gipfel musste er etwas abreißen lassen, konnte den Schnellsten an der Spitze nicht mehr folgen und verlor auf Dessel noch 1:03 Minuten. Dafür durfte er sich als angriffslustigster Fahrer des Tages bei der Siegerehrung auszeichnen lassen. "Die rote Nummer hatte ich noch nie, ich werde sie morgen mit Stolz tragen", sagte Schumacher, der sich einen Tag nach seinem 27. Geburtstag fast selbst beschenkt hätte.  "Ich habe nur einen Fehler gemacht: Ich hätte auf die Verfolger warten müssen, dann hätte es am Ende bei mir mit der Kraft wahrscheinlich besser ausgesehen", so Schumacher.

Auf der gefährlichen Abfahrt vom 2802 Meter hohen Bonnette, dem "Dach" der diesjährigen Tour, stürzte der Südafrikaner John-Lee Augustyn 20 bis 30 Meter tief einen Abhang hinab. Er konnte seine Fahrt aber fortsetzen, nachdem er auf der Geröllpiste auf allen Vieren zur Rennstrecke hochgekraxelt war, und ein Ersatzrad erhielt.

Die Hälfte der Etappe gehörte Schumacher. Der WM-Dritte aus Nürtingen, der das Tour-Zeitfahren in Cholet gewonnen hatte und zu Tour-Beginn zwei Tage in Gelb gefahren war, hatte sich beim Aufstieg zum Col de la Lombarde aus einer Spitzengruppe gelöst. Auf dem Gipfel (85 Kilometer vor dem Ziel) hatte er einen Vorsprung von 9:14 Minuten auf das Feld mit dem Träger des Gelben Trikots und Kohl herausgefahren. In der Abfahrt riskierte Schumacher viel und baute seinen Vorsprung auf zwölf Minuten aus.

Kohl verblüfft auch Armstrong

Der Traum vom Tagessieg war aber erwartungsgemäß auf den letzten Kilometern des Anstiegs auf den höchsten aller Tour-Berge, den Col de la Bonnette, ausgeträumt. Die neun schnellsten Fahrer einer Verfolgergruppe holten ihn drei Kilometer vor dem Gipfel ein. Sie nahmen die 23,5 Kilometer lange Abfahrt ins 600 Meter tiefer liegende Etappenziel Jausiers in Angriff und machten den Tagessieger unter sich aus. Dahinter hatten sich die Favoriten - allerdings ohne den bisher Fünftplatzierten Vandevelde - formiert. Den Gipfel passierten sie mit 2:11 Minuten Rückstand auf Schumacher und Co. und hatten mit der Entscheidung an diesem Tag nichts mehr zu tun.

Kohl hat mit seinem anhaltenden, unerwarteten Höhenflug auch Armstrong verblüfft. "Um ehrlich zu sein, bin ich von Kohl überrascht worden. Ich hatte vor dem Rennen von diesem Kerl einfach noch nie etwas gehört. Wer ist er?", sagte der Tour-Rekordsieger dem Internetportal "cyclingnews". Der Amerikaner hat zwischen 1999 und 2005 die Frankreich-Rundfahrt siebenmal in Serie gewonnen. Trotz der starken Vorstellungen des Österreichers bleibt für Armstrong Cadel Evans, der weiter nur acht Sekunden Rückstand auf Schleck hat, erster Anwärter auf den Gesamtsieg. "Er ist meiner Meinung nach immer noch der Favorit", sagte der langjährige Rivale von Jan Ullrich. (dw/dpa)