Tourismus : Mehr Action im Spreewald

Immer weniger Touristen kommen in den Spreewald, um eine Kahnfahrt zu machen, berichtet der dortige Tourismusverband. Doch das beunruhigt den Verband keineswegs, denn dank neuer touristischer Angebote steigen die Gästezahlen.

Claus-Dieter Steyer
Wasserwandern Spreewald
Aktivurlaub ist Trumpf: Mit neuen Angeboten wie Kanuverleihstationen gewann der Spreewald sogar Gäste hinzu. -Foto: Settnik/ZB

LübbenauBei solchen Zahlen müssten im Spreewald längst die Alarmglocken läuten: Während vor einem Jahrzehnt pro Saison noch 1,5 Millionen Touristen eine Kahnfahrt auf der Spree und den vielen Fließen buchten, werden es in diesem Jahr nur eine Million sein. Darauf deutet der bisherige Verlauf des Frühjahrs und des Sommers hin. „Aber das ist keine Folge des etwas durchwachsenen Wetters“, sagt Peter Stephan, Geschäftsführer des Tourismusverbandes Spreewald, beruhigend. „Wir liegen damit voll im Trend der zurückliegenden Jahre.“ Das typische Kahnfahren nehme in seiner Beliebtheit immer weiter ab, doch der Spreewald punktet jetzt mit ganz anderen Trümpfen. Vor allem Rad- und Kanufahrer sowie Wellness-Gäste glichen die Verluste in den Kähnen mehr als aus.

Die Statistik gibt ihm recht. Im vergangenen Jahr verzeichneten Hotels und Pensionen fast eine Million Übernachtungen. 2003 waren es nur 900 000 gewesen. Damit behauptete die vergleichsweise kleine Region zwischen Lübben, Lübbenau, Burg und Cottbus den dritten Platz auf der Brandenburger Beliebtheitsskala. Nur zwei Reisegebiete liegen davor: der Fläming dank seiner Berlin-Nähe und dem einzigartigen Skater-Kurs sowie das flächenmäßig große Ruppiner Land zwischen Oranienburg und Rheinsberg.

Dabei galt ausgerechnet der Spreewald, der neben Potsdam noch immer das einzige überregional bekannte Brandenburger Ausflugsziel ist, vor einigen Jahren als Auslaufmodell. Viel zu lange hatten die Touristiker einzig und allein auf die Kahnfahrten gesetzt. Dabei wurden das nachlassende Interesse und vor allem das Ausbleiben von jüngeren Gästen und Familien ignoriert. Erst eine ganze Reihe von neuen Ideen leitete die dringend notwendige Wende ein.

Dazu gehört der Forscherkahn „Nautilust“, der von Lübbenau aus zur Entdeckungsfahrt ablegt. „Wir dachten zuerst nur an ein schwimmendes Klassenzimmer“, sagt die Chefin an Bord, die Naturpädagogin Gisela Hovestadt. „Inzwischen interessieren sich für unseren Blick in die Wasserwelt und die Untersuchungen der Käfer, Libellenlarven, Muscheln und Pflanzen unterm Mikroskop auch Familien, Gruppen und Senioren.“ Selbst Geburtstagsfeiern fanden auf der „Nautilust“ schon statt.

Auch der Spreewaldmarathon mit unterschiedlichen Strecken, Kanu-Ausleihstationen, Wanderrouten durch den einzigartigen Hochwald und Open-AirTheater am Bismarckturm von Burg, Husky-Treffen, die nachgebaute Slawenburg bei Raddusch, Kombinationsangebote mit dem Freizeitpark „Tropical Islands“ oder geführte Touren der Spreewälder Radakademie lockten ein neues Publikum in das Spree-Labyrinth.

Als eine Erfolgsgeschichte erwies sich die Spreewaldtherme in Burg. Das von Schweizer Investoren gebaute Wellness-Center mit typischen Elementen der umliegenden Natur ließ die jährlichen Übernachtungszahlen im Erholungsort um 25 Prozent ansteigen. Inzwischen steigen an Wochentagen im Schnitt 600 Besucher und sonnabends und sonntags sogar 1000 Gäste in die mit warmer Sole gefüllten Becken. Das Thermalwasser wird in der Umgebung aus 1350 Meter Tiefe gefördert. Mit 240 Gramm Salzgehalt pro Liter gehört es zu den reichhaltigsten Solen der ganzen Region. Wer sich also in die Becken gleiten lässt oder im Gurkenfass den Heilwasserdampf genießt, tut dem Körper viel Gutes.

Zahlreiche Hotels offerieren ihren Gästen Rabatte beim Besuch der Spreewaldtherme. Sie organisieren Leinöl-, Gurken-, Heilerde- oder Kräutermassagen und andere Behandlungen. Natürlich liegen an der Rezeption auch Flyer für Kahnfahrten aus. Doch sie bleiben immer öfter liegen.

Auskünfte zum Forscherkahn „Nautilust“ unter Telefon 03 56 03 / 606 06.

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