Tourismus : Schnäppchen mit Häppchen

Der Trend geht zu kürzeren, dafür häufigeren Urlaubstrips. Davon profitiert Brandenburgs Tourismusbranche: 2008 war ein Rekordjahr.

Claus-Dieter Steyer

Potsdam – Immer mehr Urlauber planen ihre Reise kurzfristig, vermeiden lange Anfahrtszeiten und verteilen ihre freien Tage auf mehrere Zeiträume im Jahr. Von diesem Trend, der sich durch die Wirtschaftskrise verstärkt, könnte der Brandenburger Tourismus profitieren. Denn trotz vieler Bemühungen reicht nach Ansicht von Experten die Attraktivität der märkischen Reiseziele für einen ganzen Jahresurlaub oft noch nicht aus.

Aber auch mit einem „Häppchenurlaub“ lassen sich gute Geschäfte machen, wie die jetzt veröffentlichte Bilanz für 2008 beweist. Erstmals in der fast 18-jährigen Geschichte des Bundeslandes Brandenburg wurden in Hotels, Pensionen und auf Campingplätzen mehr als zehn Millionen Übernachtungen gebucht.

Im Unterschied zum Amt für Statistik der Länder Berlin und Brandenburg nimmt das Wirtschaftsministerium allerdings noch eine Unterscheidung zwischen Hotels und Campingplätzen vor. Demnach buchten die 3,5 Millionen Besucher 9,4 Übernachtungen in festen Häusern. Diese Zahlen bedeuten jeweils eine Steigerung um 3, 0 beziehungsweise um 2,4 Prozent gegenüber 2007. Auf Campingplätzen wurden rund 800 000 Übernachtungen gezählt. Werden alle Zahlen zusammengerechnet, was in Deutschland längst die meisten Ministerien und Tourismusverbände tun, kommt man auf das Rekordergebnis von 10,2 Millionen Übernachtungen.

Dieser Erfolg verdient durchaus Respekt, weil viele Hoteliers seit dem vergangenen Herbst über einen teilweise dramatischen Einbruch im Tagungsgeschäft klagen. Viele Firmen stornieren Buchungen, weil sie aus Kostengründen lieber im eigenen Haus bleiben oder nur eine kurze Zeit die Hotelangebote in Anspruch nehmen.

„Doch wir konnten diese Rückgänge weitgehend durch unsere Kampagne ‚Winterliches Brandenburg‘ wettmachen“, sagt Dieter Hütte, Chef der Tourismus-Marketing Gesellschaft. Noch bis Anfang April kann in zahlreichen Hotels eine Übernachtung für zwei Personen im Doppelzimmer und Frühstück zum Sonderpreis von 59 Euro gebucht werden. Rund 20 Prozent unter den normalen Preisen liegen die von vielen Häusern offerierten „winterlichen Arrangements“, die oft Abendmenüs, Massagen oder geführte Ausflüge enthalten.

Außerdem zeigt die verstärkte Werbung für bestimmte Themen wie „Naturtourismus“, „Radfahren“, „Kultur“ oder „Wellness“ Wirkung. „Hier steigt die Zahl der Individualreisenden an“, sagte Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns (CDU). Er zeigte sich sehr zufrieden mit der gestiegenen Qualität der Angebote.

Das spricht sich offenbar auch im Ausland herum. 9,3 Prozent aller Brandenburg-Touristen sind Ausländer, vor allem Niederländer, Polen, Schweden und Dänen. Sie trifft man in Freizeit- und Thermalbädern, in Hausboot- und Kanurevieren wie auch auf dem inzwischen mehr als 5000 Kilometer langen Radwegenetz.

Einen erfolgreichen Imagewechsel hat der Spreewald vollzogen. Statt nur einseitig auf Kahnfahrten zu setzen, brachte sich die Region wieder verstärkt als Ziel für Naturfreunde und aktive Touristen ins Gespräch. So kam sie mit 452 000 Gästen im Jahre 2008 wieder auf den ersten Platz im Land, gefolgt vom langjährigen Spitzenreiter Fläming (416 000) und dem Ruppiner Land (404 000). Das Dahme- Seen-Gebiet südöstlich Berlins verzeichnete mit 17 Prozent den größten Zuwachs. Hier schlagen sich nicht zuletzt die steigenden Besucherzahlen im Freizeitpark Tropical Islands nieder.

Informationen zu den touristischen Angeboten unter Telefon (0331) 200 47 47 oder: www.reiseland-brandenburg.de

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